Buchtipps Archiv

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Buchtipp: Nate Southard – Red Sky

HORROR

Es gibt einen weiteren Namen, den Horror-Fans sich merken sollten: Nate Southard. Mit seinem Erstlingswerk „Red Sky“ hat er es meiner Meinung nach geschafft einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen. Beim Stichwort „Horror“ reden wir jedoch nicht von schaurigem Grusel, sondern von ultrabrutalen Schockmomenten. Ist also definitiv nicht Jedermanns Sache. Genrefans werden jedoch ihre helle Freude daran haben. Versprochen.

Zum Inhalt: Danny und sein durchgeknallter Partner wollen eine Bank ausrauben, doch die Aktion geht gründlich schief und sie müssen teilweise schwer verletzt fliehen. Mit einer weiblichen Geisel im Schlepptau versuchen die Flüchtenden ihr Glück durch die Wüste von New Mexico. Dort stoßen sie auf eine stillgelegte und verlassene Fabrik, wo sie hoffen sich eine zeitlang verstecken zu können. Doch schon bald tauchen plötzlich Militärhubschrauber und schwerbewaffnete Soldaten mit Gasmasken auf, die zuerst schießen und dann fragen. So viel Aufwand wegen einem verpatzten Bankraub? Wohl kaum. Und langsam stellt sich nach und nach heraus, was da wohl in Wahrheit gespielt wird und dass das Militär noch das kleinere Übel für unsere Protagonisten ist. Denn in der Wüste um die Fabrik herum lauern blutdürstende Wesen, die alle Neuankömmlinge nicht gerade als Freunde betrachten…

Die Story ist zugegebenermaßen weder neu noch besonders originell. Sie ist aber unglaublich packend erzählt. Was als abgebrühter Action-Thriller beginnt, steigert sich immer mehr zu einem waschechten  Horror-Schocker. Das Buch erinnert dabei teilweise an Filme wie “The Hills Have Eyes” und “28 Days Later” und ist dementsprechend schonungslos, hart und brutal. Die Atmosphäre ist von einer dichten Spannung durchzogen und lässt das unfassbare Grauen in der Fabrik unglaublich lebendig wirken. Man hat tatsächlich das Gefühl mitten in einem blutigen Horrorfilm zu stecken.

Wer starke Nerven hat und dieses Genre (als Buch wie auch als Film) gerne mag, sollte hier definitiv zugreifen.

Taschenbuch (broschiert), 272 Seiten
Euro 13,95

 
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Buchtipp: Chris Carter – Der Knochenbrecher

THRILLER

Lust auf einen spannenden, temporeichen Thriller? Dann nehmen Sie ein Buch von Chris Carter in die Hand. In „Der Knochenbrecher“ lässt uns der junge Autor nun zum dritten Mal an der Seite seines Ermittlerduos Hunter und Garcia einen sadistischen Killer jagen. Und erneut darf man sich auf raffinierte Überraschungen und grausame Enthüllungen freuen.

Robert Hunter und Carlos Garcia werden auf den Plan gerufen, als in Los Angeles eine verstümmelte Frauenleiche gefunden wird. Bei der Obduktion stellt sich jedoch heraus, dass der Tod ganz anders eintrat als angenommen und dass sich zudem im Körper der toten Frau eine Bombe befindet. Und natürlich bleibt es nicht bei dieser einen Leiche. Nach und nach fallen dem Killer weitere Frauen zum Opfer. Hunter und Garcia müssen sich beeilen und nehmen somit auch dankend die Hilfe einer Privatdetektivin an, die den beiden tatkräftig unter die Arme greift.

Der Leser erlebt die Ermittlungen aus der Sicht von Hunter hautnah mit. Jeder noch so kleine Fortschritt wird wahrgenommen und fügt sich immer mehr zu einem großen Ganzen zusammen. Man leidet, fiebert und bangt mit den Protagonisten, die alles daransetzen, den grausamen Frauenmörder zur Strecke zu bringen. Dieser ist wie auch in den Vorgängern äußerst brutal, aber gleichzeitig auch sehr intelligent und in seinen Handlungen stets beherrscht. Das macht den Fall überaus spannend, da sich der Killer nicht die Blöße der Vorhersehbarkeit gibt und Hunter und Garcia mehr als alle Hände voll zu tun bekommen.

Da „Der Knochenbrecher“ bereits den dritten Fall für Hunter und Garcia darstellt, ist es natürlich empfehlenswert mit den beiden Vorgängern, „Die Kruzifix-Verschwörung“ und „Der Vollstrecker“, zu beginnen. Doch im Grunde ist es relativ egal, welches Buch man zuerst aufschlägt, da die Fälle in sich abgeschlossen sind. Lediglich die Protagonisten bekommen mit der Zeit immer mehr Tiefe.

„Der Knochenbrecher“ geizt nicht mit Gewaltdarstellungen, ist also absolut nichts für schwache Nerven. Gleichzeitig artet das Ganze jedoch nicht in Splatter aus, sondern zeigt lediglich schonungslos, zu welch Grausamkeit Menschen in der Lage sind. Chris Carter gelingt es dabei von Anfang an ein hohes Tempo zu fahren. In kurzen Kapiteln, die alle mit tollen Cliffhangern versehen sind, lässt er verschiedene Handlungen ablaufen und den Leser somit mehrere Schauplätze überblicken. Das führt dazu, dass man kaum eine Verschnaufpause bekommt und man sich ständig dabei erwischt, wie man sich vornimmt nur noch eben dieses eine Kapitel zu Ende zu lesen, bevor man doch eine Pause einlegt. Ach, und das nächste vielleicht auch noch, weil es doch so kurz ist, und dann noch eins, sind ja nicht viele Seiten. Bis man merkt, dass das Buch plötzlich fertig ist.

Nach diesem Buch werden Sie garantiert öfter und länger das Licht einschalten. Versprochen.

Taschenbuch, 416 Seiten
Euro 9,99

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Buchtipp: Carlton Mellick III. – Die Kannibalen von Candyland

BIZARRO FICTION

Endlich. Bizarro Fiction vom Meister des Genres in deutscher Sprache. Der Festa Verlag hat sich vorgenommen, das ganze Programm von Carlton Mellick III. zu veröffentlichen, was ein mutiges Unterfangen darstellt, da Bizarro Fiction in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Das wollen wir hiermit ändern:

Bei diesem Genre werden Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Motive mit Elementen der Satire, Surrealität und Groteske vermengt, um ein möglichst verstörendes und im wahrsten Sinne des Wortes bizarres Werk zu kreieren. Eine komplexe oder hintergründige Geschichte ist meist nicht vorhanden, es gibt oft nur einen groben roten Faden, der als Aufhänger für die skurrilen und teils absurden Ereignisse dient, die dieses Genre bestimmen.

Ein großartiges Beispiel dafür stellt „Die Kannibalen von Candyland“ dar: Franklin ist Mitte Dreißig und lebt mit Frau und Schwiegermutter in einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung. Er ist ein stiller Einzelgänger und muss sich tagtäglich den Hass der beiden Frauen gefallen lassen, weil er ihrer Meinung nach zu wenig Geld verdient.

Und so verbringt Franklin seine Zeit damit, kindermordende Zuckermenschen aufzuspüren, um deren Existenz zu beweisen. Als kleines Kind musste er nämlich mit ansehen, wie eine Zuckerfrau seine Geschwister getötet und gegessen hat. Doch niemand glaubte ihm und so hat er es sich zum Lebensziel gemacht, die Welt vor den Zuckermenschen zu warnen. Eines Tages gelingt es Franklin tatsächlich einen Zuckermenschen bis in dessen Zuckerwelt unter der Kanalisation zu folgen, wo er jedoch von einer verführerischen Zuckerfrau gefangen genommen wird. Und ab hier nimmt schließlich das Unheil seinen Lauf, denn die Zuckerfrau verliebt sich in ihn und lässt ihn nicht mehr gehen…

Das Ganze liest sich wie eine Mischung aus Lewis Carrols „Alice im Wunderland“ und Stephen Kings „Es“. Dazu eine Prise Roald Dahl und ein Schuss Franz Kafka. Stellt man sich diese Autoren dann noch auf einen schrägen Drogentrip vor, dann hat man ungefähr einen guten Eindruck von Mellicks Gesamtwerk. Oder um es visuell zu umschreiben: eine Symbiose aus Quentin Tarantino und Tim Burton!

Carlton Mellick III. darf man zu Recht als Meister des Bizarro Fiction bezeichnen. “Die Kannibalen von Candyland” ist Horror, Thriller, Satire, Erotik und bietet jede Menge verrückte, bizarre Storyelemente. Dazu ist das Buch komplett auf rosa Seiten gedruckt und das Cover duftet nach Erdbeerbonbons!

Ein etwas anderer Geheimtipp!

Gebunden, 16o Seiten
Euro 16,80

 
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Buchtipp: Fritz Leiber – Hexenvolk

HORROR

Die Neuauflage eines wunderbaren Klassikers! In den USA ist das Buch unter dem Titel “Conjure Wife” in den vierziger Jahren aus zwei Novellen zusammengesetzt worden, die vorher einzeln in verschiedenen Magazinen erschienen sind. Edition Phantasia hat das Gesamtwerk nun erstmals ungekürzt in Deutschland veröffentlicht, nachdem es bereits in den siebziger Jahren unter dem Namen „Spielball der Hexen“ gekürzt erhältlich war.

Die Geschichte spielt in den vierziger Jahren in Amerika. Norman Saylor ist erfolgreicher Ethnologie-Professor und lebt glücklich und zufrieden mit seiner Ehefrau in einem idyllischen Vorort. Bis er eines Tages herausfindet, dass seine Frau sich für Zauberei interessiert und sich sogar für eine Hexe hält, die magische Rituale praktiziert. Ein klärendes Gespräch führt schließlich dazu, dass er sie überreden kann diesen “Unsinn” aufzugeben. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Zuerst passieren Norman nur kleine nervige Missgeschicke, die jedoch mit der Zeit immer schlimmer werden. Die Unglücke steigern sich, bis das Ganze lebensbedrohliche Ausmaße annimmt… Ist Hexerei im Spiel? Ist Norman verflucht?

Leiber gelingt es mit dieser Geschichte auf fantastische Weise, die Attribute des klassischen Horrors in den Alltag einzubauen, wobei er dabei gekonnt mit den Vorstellungen modernen Aberglaubens spielt. Mit diesem Roman ist damals der Horror in die Mitte der Gesellschaft angekommen. Das Grauen findet plötzlich nicht mehr nur auf typischen Spukschauplätzen statt, wie auf Friedhöfen und verlassenen Schlössern, sondern ist bedrohlich nah, unberechenbar und vor allem unsichtbar.

Gleichzeitig ist Leibers Roman aber auch eine bissige Satire auf das scheinbar friedliche Vorstadtleben der Amerikaner. Es ist schier großartig, wie der Autor diese nahezu heilige Vorstellung demontiert und als brüchige Fassade bloßstellt. Gerade mit diesem Buch zeigt sich sehr gut, warum Fritz Leiber zu den ganz Großen der modernen Phantastik gehört und mindestens auf die gleiche Stufe zu stellen ist wie H.P. Lovecraft.

„Hexenvolk” ist ein richtig unheimliches Stück Horrorliteratur – gruselig, schaurig, schweißtreibend. Klassischer Grusel mit literarischem Anspruch! Für Horrorfans ein absolutes Muss!

Der SPIEGEL hat Fritz Leiber sogar einen ausführlichen Artikel gewidmet: klick

Taschenbuch (broschiert), 251 Seiten
Euro 15,90

 
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Buchtipp: Stephen King – Zwischen Nacht und Dunkel

HORROR / THRILLER

Nach den letzten, leider etwas enttäuschenden Veröffentlichungen, wie „Sunset“ oder „Die Arena“, war ich bei vorliegendem Werk durchaus skeptisch, da ich befürchtete, Stephen King hätte womöglich seinen Biss verloren. Glücklicherweise habe ich mich geirrt. Und in diesem Fall irre ich mich sehr gerne, denn nach der letzten Seite von „Zwischen Nacht und Dunkel“ (Originaltitel: „Full Dark, No Stars“) kann ich aus vollster Überzeugung behaupten, wieder einen waschechten King gelesen zu haben.

Das Buch ist eine Novellensammlung, bestehend aus vier Geschichten, die sich alle mit dem Motiv der Rache auseinandersetzen und die Frage aufwerfen, wie weit ein Mensch gehen kann, wenn er vor Extremsituationen gestellt wird. Und natürlich zeigt uns King selbstverständlich auch, welche Folgen dies haben kann. Mit anderen Worten: Wir bekommen hier endlich wieder Horror auf höchstem Niveau geboten.

In „1922“ geht es um einen Farmer, der aus Habgier und Verzweiflung seine Ehefrau tötet und damit einen Albtraum heraufbeschwört, der ihn regelrecht in den Wahnsinn treibt. Die Geschichte besitzt eine subtile sozialkritische Ausrichtung und ist ein wunderbarer Auftakt für die nächsten drei Erzählungen.

„Big Driver“ handelt von einer Frau, die nach einer brutalen Vergewaltigung auf Rache sinnt. Eine sehr harte, unter die Haut gehende Geschichte.

In „Faire Verlängerung“ schließt ein krebskranker Mann einen Pakt mit dem Teufel, um wieder gesund zu werden. Der Preis für die Genesung ist jedoch, dass ein anderer im Gegenzug leiden muss.

Und in „Eine gute Ehe“ schließlich führt ein grausamer Fund dazu, dass eine Frau nach fast dreißig glücklichen Ehejahren einen ganz anderen Blick auf ihren Ehemann bekommt, der wohl ein brutales Leben als Serienmörder führt. Um jedoch den Schein zu wahren, möchte sie die Dinge in die eigene Hand nehmen und selbst für Gerechtigkeit sorgen. Leichter gesagt als getan.

Die Qualität der Geschichten ist inhaltlich wie handwerklich ausgezeichnet. King gelingt es auf ganzer Linie, glaubwürdige Charaktere vorzustellen und ein Grauen zu verbreiten, das nicht unbedingt von den fürchterlichen Umständen, sondern von den agierenden Menschen ausgeht. Unterhaltung und Anspruch halten sich stets die Waage und machen „Zwischen Nacht und Dunkel“ zu einem echten Highlight. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass diese Novellensammlung mit zum Besten gehört, was Stephen King jemals geschrieben hat.

Fans werden ihre helle Freude daran haben, endlich wieder einen so fantastischen King in den Händen zu halten. Gleichzeitig ist „Zwischen Nacht und Dunkel“ aber auch wunderbar für Einsteiger geeignet.

Taschenbuch, 544 Seiten
Euro 9,99

 
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