Warum ich mit Karneval nichts anfangen kann

Karneval ist eine sehr seltsame Tradition: Menschen verkleiden sich und finden sich plötzlich alle gegenseitig sehr toll. Sie grüßen sich, machen kleine Späße und kommen sofort ins Gespräch. Sie lachen, trinken und feiern zusammen bis das Bewusstsein oder der Geldbeutel nichts mehr hergibt – und es macht ihnen dennoch Spaß.

Ganz ehrlich: Das klingt wundervoll. Dieses Verhalten ist aber im Vergleich zum Rest des Jahres nur eine kleine Stichflamme, die sofort nach den Karnevalstagen wieder in Misstrauen und Schubladendenken erstickt wird. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich mit Karneval nichts anfangen kann: Auf der einen Seite mag ich diese äußerst soziale Atmosphäre, in der anscheinend jeder gleich zu sein scheint, auf der anderen Seite jedoch, bin ich mir dessen bewusst, dass es nichts von Dauer ist, wobei ich mich dann gleichzeitig ärgere und frage, warum.

Nicht falsch verstehen, ich möchte auf keinen Fall das ganze Jahr über Umzüge durch die Stadt ziehen sehen oder ständig dieser grässlichen Musik entkommen müssen! Ich rede allein von diesem Gefühl der Sorglosigkeit, das unter all den bescheurten Kostümen und Alkoholfahnen durchschimmert. Diese Sorglosigkeit, die ich so schön finde, wird aber leidergottes von allzu vielen Menschen dafür missbraucht über ihre eigenen Grenzen zu treten, was in den meisten Fällen jegliches soziale Gefüge zunichte macht.

Daher finde ich die Idee des Karnevals wirklich nicht schlecht, aber die Umsetzung ist einfach miserabel.

Doch das ist nicht alles. Worin liegt der Sinn, minderjährigen Jugendlichen quasi offiziell das Komasaufen zu erlauben? Es ist leider ein ganz normales Bild, wenn Kinder und Jugendliche betrunken durch die Straßen laufen und stets irgendwas Hochprozentiges in der Hand haben. Dem wird dann noch die Krone aufgesetzt, indem Polizisten in unmittelbarer Nähe ihre Runden drehen und lieber Nüchterne oder – um Himmels Willen – Unverkleidete – beäugen. Für die späteren Alkoholvergiftungen sind ja genug Sanitäter da.

Ein weiterer seltsamer Aspekt: Die Kostüme. Nackte Haut wohin man nur blickt. Bestimmt freut das mich am allermeisten, aber das Ganze ist dennoch mit einem merkwürdig fahlen Beigeschmack behaftet, wenn ich mich frage: Warum, verdammt nochmal, nur an diesen Tagen? Was ist mit dem Rest des Jahres? Nicht mal im Sommer kann man auf den Straßen soviel Haut sehen!

Liebe Karnevalsfreunde, warum gründet ihr nicht einfach für die Sommerzeit einen Festtag, an dem das Tragen von unverschämt aufreizenden Kostümen nicht nur erwünscht ist, sondern den ganzen Sinn ausmacht?

Dann könnte ich nämlich unter Umständen mal mitfeiern.