Wandertag zum Zukunftsgipfel

Für den 23. Juni hat die Kanzlerin erstmals mehrere Vertreter von Wirtschaft und Gewerkschaften sowie das halbe Kabinett zu einem gemeinsamen Ausflug eingeladen. Das Ganze ist als Wandertag der besonderen Art geplant, ein Abenteuerurlaub, der jedem Teilnehmer noch lange in Erinnerung bleiben soll. Das Ziel: Der Zukunftsgipfel. Die höchste Stelle des mächtigen 1,7 Billionen Euro hohen Schuldenberges.

Die Route beginnt im Augenwischertal, einer bunten Landschaft mit wildwachsenden Parteiplakaten und blühenden Ideen. Von dort aus führt der Weg dann direkt am See der Wahrheit entlang. Ein klares und ruhiges Gewässer, das aber trotz seiner einladenden Schönheit nur für Hartgesottene Schwimmer zu empfehlen ist. Der See ist nämlich das ganze Jahr über extrem kalt und wer Wahrheiten nicht gewöhnt ist, droht mit einem Kälteschock seine Existenz zu gefährden.

Von dieser Stelle aus hat man übrigens einen sehr erhabenen Ausblick auf den Schuldenberg, doch bevor man diesen endgültig erreicht, geht es zuerst noch durch den Wald der Erkenntnis, der mit seinen zahlreichen abgestorbenen Wahlversprechen und den dichten Rotezahlenhecken eine schaurig-düstere, aber laut Kanzlerin durchaus heimische Atmosphäre verbreitet.

Hat man den Wald schließlich hinter sich gelassen, beginnt auch schon der Aufstieg. Dieser gilt als relativ einfach, solange man sich an die vorgegebene Route hält. Abkürzungen sollten tunlichst vermieden werden, sonst steht man beispielsweise plötzlich vor den Klippen des Wahnsinns mit ihrer berühmten Adolf-Merckle-Schlucht und stürzt sich unerwartet in den Tod. Erreicht man den Zukunftsgipfel jedoch unversehrt, wird man je nach Wetterlage mit einer unglaublichen Aussicht belohnt – einer unglaublich schönen oder unglaublich schlechten. Die Gipfelstürmer vergangengener Jahre widersprechen sich da nämlich teilweise.

 

Spannung bis zum Ende. Horrido!

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