Von der Arbeit in einem Sexshop: Wer ist der Gurkenmann?

Mit dieser Frage wurde ich hin und wieder konfrontiert, wenn ich nach Feierabend meinen Rundgang durch das leere Kino machte, um nachzusehen, ob auch wirklich jeder Kunde gegangen ist. Manchmal ist es nämlich vorgekommen, dass neben den üblichen Taschentüchern und liegengelassenen Getränkeflaschen, auch einige Salatgurken und Karotten auf dem Boden oder in den Kabinen herumlagen.

Und nein, da hatte sich niemand einen kleinen Snack genehmigt, denn das phallusartige Gemüse war stets intakt. Des weiteren wies es immer deutliche Missbrauchsspuren auf, insbesondere dann, wenn an der Schale noch etwas klebte, was ein naiver Sonderling als Schokolade bezeichnen würde.

Wer war also dieser Mann, der sich entgegen der üblichen Richtung gerne ballaststoffreiches Gemüse in den Dickdarm einführte? Nicht, dass es besonders faszinierend wäre, doch die Frage nach der Identität des Gurkenmannes war unter uns Kollegen eine willkommene Abwechslung gegenüber den üblichen Freaks.

Verdächtige gab es natürlich zur Genüge, doch der endgültige Beweis blieb leider aus. Zwar hatten andere Kunden ab und an erzählt, dass da gerade jemand im Kino ist, der sich an Gemüse vergeht, doch man konnte in solch einem Moment schlecht um eine Phantomzeichnung bitten. Und ins Kino hineinstürmen, um jeden da drin mit der Taschenlampe anzuleuchten wäre auch nicht angebracht – geschweige denn appetitlich – gewesen.

Die Auflösung kam jedoch irgendwann von ganz alleine. Ein Mann, der bei mir eine Kinokarte kaufen wollte, nahm seinen Rucksack von der Schulter und setzte ihn vor mir auf die Theke ab. Er müsse erst nach seinem Geldbeutel suchen, wie er sagte. Und plötzlich war alles klar. Während er kramte konnte ich nämlich sehen, was er alles dabeihatte: Einen Regenschirm, ein Buch und jede Menge Karotten und Salatgurken.

Bingo!

Und jetzt kann ich damit angeben, dass ich weiß, wer der Gurkenmann ist, und ihr nicht. Ätsch.

Andererseits…

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