Von der Arbeit in einem Sexshop: Verwechslung?

Es gibt da ein Vorurteil, das besagt, Männer wären bei Annäherungsversuchen plump oder einfach nur dreist. Leider entpuppt sich dies nur allzu oft als Tatsache, weshalb Frauen sich dann dazu berechtigt fühlen, den inzwischen schon denkwürdigen Gedanken zu fassen: Alle tollen Männer sind entweder vergeben oder schwul.

Homosexuelle Männer hätten ja angeblich ein Händchen dafür, wie man Frauen schmeichelt, weil sie in ihnen keine Lustobjekte sehen würden. Das mag ja stimmen und für die Frauen dieser Welt eine wunderbare Sache sein, aber ich muss sagen: Wenn es um Sex geht, sind alle Männer gleich.

Ein etwas jüngerer Kunde, höchstens 30 Jahre alt und relativ sportlich, meint eines Abends mir zeigen zu müssen, wie sehr er mir auf die Nerven gehen kann. Dabei fängt das Ganze eigentlich mit einer relativ harmlosen Frage an:

Ey, Kenn ich dich nicht irgendwoher? Ich seufze, bevor ich antworte, denn ich hasse es, wenn mich fremde Leute duzen. Aber das ist hier nichts neues…
Keine Ahnung, ich kenne Sie zumindest nicht.
Doch, klar, ich kenn dich, hab dich mal in einem von den Filmen gesehen. Er grinst und deutet mit dem Zeigefinger auf das Regal mit den Gay-Filmen.
Aha… Hätte ich mich irgendwann auf homosexuelle Abenteuer eingelassen, dann wüsste ich das doch. Nehme ich an. Ich lächele aber amüsiert und antworte kopfschüttelnd:
Ne, ganz sicher nicht.
Doch, doch, klar.
Nein. Ausgeschlossen. Wie lustig. Muss unbedingt mal die Filme durchstöbern und nachsehen, ob ich einen mir ähnlich aussehenden Darsteller finde. Es sei denn der Kerl verarscht mich und will eigentlich nur baggern.
Ey… jetzt tu doch nicht so! Er verlagert immer wieder sein Gewicht von einem Bein auf das andere, streicht sich mehrmals durch die Haare und steht auch sonst einfach nicht still. Nervös? Na gut, ich muss wohl deutlicher werden und mal etwas klarstellen. Ich hole einmal tief Luft und erwidere:
Hören Sie, wenn das irgendein Annäherungsversuch sein soll, dann ist er erstens wirkungslos und zweitens total bescheuert.
Nee, echt jetzt, ich kenn dich. Sag mal wie du heißt. Aha, also doch eine Verwechslung? Egal. Es nervt langsam. Vor allem weil der junge Mann einen gewissen Druck in seine Stimme legt, der mir überhaupt nicht gefällt. Aber was der kann, kann ich auch.
Das geht Sie nichts an!
Ey, komm schon, sei doch nicht so. Nicht mehr lustig. Ganz und gar nicht. Zeit für einen drastischen Kurswechsel.
Wollen Sie mich verarschen?! Das reicht jetzt, verdammt! Spätestens jetzt muss er merken, dass ich ziemlich genervt bin und überhaupt keine Lust mehr auf seine Gesellschaft habe. Und was macht er? Er macht munter weiter – und legt sogar noch einen drauf.
Ey, komm schon… Bock auf Ficken?
Ich beiße kurz die Zähne zusammen, verziehe die Augen zu wütenden Schlitzen und sage langsam, aber deutlich:
Raus.
Hä, was denn?
Hab keine Lust auf dummes Gelaber. Raus jetzt.
Ey, das gibt’s doch net. Nur weil ich dich erkannt hab, oder was? So ein Wichser!

Die letzten Worte knallt er mir hin, als er sich bereits auf dem Weg nach draußen befindet. Ich bleibe kopfschüttelnd zurück und frage mich: War das jetzt wirklich nur eine Verwechslung oder doch eher ein lächerlicher Versuch bei mir zu landen?

Ich würde sagen beides.

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