Von der Arbeit in einem Sexshop: Umsonst ins Kino, Teil 1

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Unser Laden wird nicht nur aufgrund der gutaussehenden Mitarbeiter gerne besucht, sondern vor allem wegen dem einzigen Erotik-Kino der Stadt, das bei uns zu finden ist. Und wie das so ist mit solchen Attraktionen, so wollen auch immer ein paar Leute nichts dafür bezahlen. In unserem Fall heißt das: Entweder sie versuchen sich dreist hineinzuschleichen oder sie probieren es bei dem diensthabenden Angestellten mit schlechter Überzeugungsarbeit, in dem naiven Glauben, er würde sie dann zumindest mal kurz einlassen. Tatsache ist, dass niemand das Kino betritt, ohne vorher Eintritt gezahlt zu haben. Unter gar keinen Umständen. Selbst wenn mal tatsächlich keine Betrugsabsicht vorliegt.

Ich muss mal aufs Klo!

Seltsamerweise wissen anscheinend fast alle, egal ob sie schon mal da waren oder nicht, dass es im Kino eine Toilette gibt. Denn sage ich auf die Nachfrage hin, dass wir keine haben, dann bekommt man als Antwort: Aber im Kino habt ihr doch eine. Worauf ich dann nur erwidern kann: Richtig. Die ist aber nur für Kinokunden. Und dann geht in den meisten Fällen das Diskutieren los. Man wolle doch nur kurz aufs Klo. Es wäre ganz dringend. Man wäre auch ganz schnell wieder zurück. Und so weiter. Ich lasse mich aber schon längst nicht mehr auf solche Diskussionen ein und mehr als ein „Nein“ gebe ich meistens nicht von mir. Hin und wieder füge ich jedoch hinzu: Wenn es so dringend wäre, dann wären Sie schon längst in eine der drei Kneipen auf der anderen Straßenseite gegangen.
Aber da muss man doch sicher was kaufen.
Tja, hier auch. Nämlich eine Kinokarte. Erstaunlicherweise fragt niemand nach der Personaltoilette, auch wenn sie für Kunden ebenfalls tabu ist.

Richtig enervierend sind jedoch die Leute, die meinen, dass es ihr gutes Recht wäre auf die Toilette gehen zu dürfen . Zwar fragen sie auch anfangs ganz brav, doch dann sagen sie Sachen wie: Unverschämtheit, ich komme doch so oft her. Oder: Na gut, dann komme ich eben gar nicht mehr. Oder sie erheben ihre Stimme: Sie müssen mich aber aufs Klo lassen! Bei solchen Exemplaren sollte man jedoch hart durchgreifen. Ich muss gar nichts. Aber ich kann Ihnen Hausverbot erteilen, wenn Sie hier weiter Theater machen. Oft spricht dann der Kunde die bereits erwähnte Drohung aus, er würde in Zukunft nicht mehr herkommen. Doch er und ich wissen beide, dass das nicht stimmt. Dem Sog der Pornographie kann sich so jemand nämlich nicht so leicht entziehen. Nach spätestens drei Tagen ist der Kunde wieder da und bezahlt ganz kleinlaut seinen Kinoeintritt.

Ist Tom schon da?

Auch sehr beliebt ist die Nachfrage, ob man kurz nach einem Bekannten schauen könnte. Man wollte sich im Kino mit ihm treffen, aber sollte er nicht da sein, dann wäre das Eintrittsgeld verschwendet. Doch während viele sich wenigstens die Mühe machen und mir das erzählen, gibt es welche, die unheimlich dreist vorgehen. Solche Menschen betreten den Laden und gehen einfach mit den Worten an mir vorbei: Ich schau nur mal kurz nach ’nem Kollegen. Aber sicher doch. Nein, das tun Sie nicht. Wie schnell diese Leute doch immer stehen bleiben, wenn sie mit der Wahrheit konfrontiert werden. Daraufhin gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Kunde bezahlt Eintritt oder es entbrennt eine sinnlose Diskussion, die mit seinen Worten endet: Ne, dann geh ich eben überhaupt nicht mehr rein. In diesem Fall muss man jedoch erwähnen, dass „überhaupt nicht mehr“ gleichbedeutend ist mit „zwei Stunden“. Wie gesagt: Der Sog der Pornographie…

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