Von der Arbeit in einem Sexshop: Schwanzmädchen

Ein Mann um die 50 betritt eines Abends das Geschäft. Er ist gut gekleidet, trägt einen grauen Anzug und einen dazu passenden Hut. Der Mann wirkt etwas hektisch, fast nervös, als er sich nach wenigen Schritten in alle Richtungen umschaut und dann schließlich entschlossen auf mich zukommt und fragt:

Haben Sie Schwanzmädchen? Er ist kleiner als ich und blickt mir dadurch von schräg unten in die Augen. Ein Umstand, der sich einer gewissen Komik nicht entziehen kann, denn aufgrund der Tatsache, dass er sehr nah an die Theke, hinter der ich stehe, herangetreten ist und sich dabei leicht nach vorne beugt, wirkt der arme Mann wie eine Cartoonfigur. Die blitzenden Augen, die unter seinem Hut merkwürdig herumzucken, verstärken diesen Effekt zusätzlich. So fällt meine Antwort auf seine erste Frage zunächst bescheiden aus.
Bitte was?
Schwanzmädchen. Transen.
Ja, schon klar. Aber was meinen Sie? Filme? Zeitschriften?
Ne, echte. Also echte Schwanzmädchen halt. Seine Augen funkeln bei diesem Satz noch mehr und er legt die Hände auf die Theke.
Ähm, das ist ein Sexshop, das wissen Sie doch, oder?
Hm? Natürlich weiß ich das. Meine Frage scheint ihn irrittiert zu haben. Für Sex und so.
Ähm… Also… Wie mache ich ihm jetzt nur klar, dass er bei uns falsch ist? Schauen Sie sich doch mal um. Wenn Sie hier ein Schwanzmädchen finden, können Sie es umsonst bekommen.
Oh, toll. Der Mann nimmt freudestrahlend die Hände von der Theke, dreht sich suchend einmal langsam um die eigene Achse und blickt sogar nach oben, bevor er sich dann wieder mir zuwendet. Ich wiederum starre ihn nun ungläubig an und frage mich, was passiert wäre, wenn noch andere Kunden im Laden stünden – und der Mann dann sozusagen vielleicht fündig geworden wäre.
Hm, geht es hier noch irgendwo weiter? Hier ist ja sonst niemand.
Wir haben um die Ecke noch Videokabinen und da hinten geht es ins Kino.
Sagen Sie, wollen Sie mich auf den Arm nehmen?
Was meinen Sie denn? Wir sind hier ein Sex Shop. Wir verkaufen Sex Artikel.
Ja, das weiß ich. Und Mädchen habt ihr gar keine oder wie?
Nein! Seinem Gesichtsausdruck zufolge, schien der Mann nicht mit dieser Antwort gerechnet zu haben. Aber was – Bevor ich allerdings dazu komme, ihm den Unterschied zwischen einem Sexshop und einem Bordell zu erklären, bricht er den Blickkontakt ab und sagt kopfschüttelnd:
Ich fass‘ es nicht. Wie kann sich so ein Laden denn da überhaupt so lange halten?

In seiner Stimme konnte man das Entsetzen und die Enttäuschung richtig mitfühlen. Jede weitere Diskussion wäre jedoch überflüssig gewesen, denn während er noch zu Ende sprach, verließ der Mann bereits eiligen Schrittes das Geschäft. Ich werde die Frage aber mal bei Gelegenheit an meinem Chef weitergeben.

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