Von der Arbeit in einem Sexshop: Russian Slaves

Russian Slaves ist der Titel einer, wie der Name vermuten lässt, russischen SM-Filmreihe, in der es ausschließlich darum geht, dass junge Frauen mit dem Rohrstock gezüchtigt werden. Natürlich weil sie irgendetwas schlimmes getan haben. Heimlich von einem Kuchen genascht, zum Beispiel. Oder bei einer Klassenarbeit geschummelt. Man ahnt es schon, die Handlungen sind so absurd wie nebensächlich, denn die Filme wollen lediglich mit ihrer Darstellung überzeugen.

Doch darüber soll gar nicht die Rede sein. Rückblickend bildet Russian Slaves nämlich vor allem auch den Auftakt zu einem bizarren Dialog mit einem Freak, dem ich gerne an Ort und Stelle mit einem unserer größten Dildos eins übergebraten hätte.

Ein Mann um die 60 betritt den Laden. Er hat kaum Haare auf dem Kopf, seine Augen sitzen tief in schattigen Höhlen und dicke Falten bedecken die überaus breite Stirn. Er lächelt nicht. Und einmal kurz in meine Richtung nickend reicht für ihn als Begrüßung. Dann stolziert er mit den Händen hinter dem Rücken zusammengefaltet durchs Geschäft und schaut sich bedächtig, aber kritisch um. Sein dicklicher, von einem karierten Pullover bedeckter Bauch ragt dabei auffällig heraus und gibt der Szenerie unfreiwillig einen komischen Charakter. Was für eine Karrikatur von einem Mann, geht mir spontan durch den Kopf. Ich schmunzele und warte ab, was noch passiert.

Ich muss nicht lange warten. Als er die SM-Filme unter die Lupe nimmt, bleibt sein Blick auf die Russian-Slaves-DVDs hängen, die zu dieser Zeit prominent auf Augenhöhe aufgereiht sind. Und dann geht’s los. In einem verärgerten Tonfall geifert er – ohne mich anzuschauen:

Ne, ist ja nix mehr deutsch. Die sind überall, nur Ausländer, wohin man kommt. Und die Russen sind mit den ganzen Negern die schlimmsten! Ich horche auf, hebe eine Augenbraue hoch, doch sage ich nichts. Noch nicht.

Er nimmt daraufhin eine DVD in die Hand und wendet sich mir zu.

Aber unter uns, deren Weiber sind ja schon lecker, ne?

Aha… Idiot.

Der gruselige Freak scheint nicht richtig zu sehen, er blickt nämlich auf die DVD in seiner Hand, indem er sie mit ausgestrecktem Arm weit von sich weghält, nur um sie kurze Zeit später ganz nah vors Gesicht zu ziehen. Und neben der Tatsache, dass er abwechselnd seine Augen aufreisst und zusammenkneift, erkenne ich eindeutig, wie sich seine Gesichtszüge zu einer lüsternen Fratze verändern – während er passenderweise laut vor sich hin murmelt.

Oh ja, ihr hübschen Dinger… Du geile Sau… Mmmm… richtig lecker… Geil… Ja, dich nehm ich mit nach Hause… Dabei grinst er vergnügt und leckt sich zwischendurch immer wieder über die Lippen. Dass er nicht sabbert, ist nahezu ein Wunder.

Ich bin angewidert.

Nach einer kurzen Weile erwacht er aus seinem Delirium und in meine Richtung schauend sagt er:

Also diese Russen-Weiber mit den ganzen Negerinnen könnte man alle zu uns reinlassen, auch wenn die undeutsch sind, hehehe. Ich bin nicht mehr ausschließlich angewidert. Ich bin jetzt auch noch sauer.

Wie bitte? Was zum Teufel ist denn „undeutsch“? Ich habe mich an die Rückwand hinter meinem Tresen gelehnt. Nicht, dass ich unbedacht darüber hechte und etwas tue, was ich mal später bereuen werde. Juristisch gesehen natürlich, nicht moralisch.

Sie wissen schon, wenn man sich eben nicht deutsch benimmt.

Sind Sie Deutscher?

Ja hören Sie mal, was ist denn das für eine Frage? Natürlich bin ich Deutscher. Er schaut mich ernst an. Anscheinend fand er meine Frage wohl nicht witzig. Sie war allerdings auch nicht als Witz gemeint, wie ich nun zu verdeutlichen versuche, indem ich ebenso ernst zurückblicke und erwidere:

Wie gut, dass sich nicht alle Deutschen so benehmen wie Sie.

Er starrt mich nichtssagend an, runzelt die Stirn und lässt seine Augen hektisch hin und her rotieren. Mit anderen Worten: Der dumme Freak kapiert nicht, was ich ihm da gerade gesagt habe. Und das macht mich noch wütender, als ich es bereits bin. Mit einem Funkeln in den Augen füge ich zähneknirschend hinzu:

Du bist ein scheiß Rassist, du Arschloch. Wär besser du gehst. Sichtlich überrascht, aber keineswegs verärgert, stellt er die DVD zurück ins Regal und sagt dann kräftig in meine Richtung nickend, bevor er geht:

Du… Wir hören uns noch, Freundchen

Seltsam. Glaube ich irgendwie nicht.

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