Von der Arbeit in einem Sexshop: Onanieren erlaubt

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Warum gehen Menschen ins Pornokino? Um ein Nickerchen zu machen? Vielleicht. Um sich vor der Polizei zu verstecken? Möglicherweise. Um Kochrezepte auszutauschen? Wer weiß. Sicher ist jedoch, dass sie alle hingehen, um sich Pornofilme anzuschauen. Und wozu solche Filme gut sind, sollte eigentlich auch jeder wissen. Spätestens wenn er sie sich anschaut. Muss aber nicht so sein, wie mir ein Kunde deutlich machte.

Der Mann kam nach etwa einer Stunde, nachdem er bezahlt hatte, aus dem Kino heraus und bewegte sich schnurstracks auf mich zu. Ich stand in dem Augenblick vor dem Zeitschriftenregal und blätterte ein paar Magazine nach den neusten Sexwitzen durch, in der Hoffnung dass sich vielleicht mal wieder ausnahmsweise ein guter darunter befindet. Der größte Witz sollte jedoch nicht in einem dieser Magazine stecken, wie mir später klar wurde.
Besagter Kunde war durchschnittlich groß, etwa 30 Jahre alt, hatte eine leicht gebückte Haltung und strahlte bereits beim Betreten des Geschäftes etwas Unbeholfenes aus. Als er jedoch in diesem Moment auf mich zukam, stand ihm die nackte Unsicherheit ins Gesicht geschrieben. Schüchtern sagte er schließlich:

Entschuldigen Sie. Ich glaube da drin onaniert einer. Nein! Nicht doch! Sind Sie sich sicher? Das darf doch nicht wahr sein! Haben Sie die Nummer der Onanie-Polizei? Ja, es gab vieles, was ich hätte entgegnen können, aber er hat mich zugegebenermaßen kalt erwischt. Mit so einer Frage rechnet man einfach nicht.
Ähm… Ja, und? Ich bemerke anhand seiner Gesichtszüge, dass der Mann wohl mit einer anderen Reaktion gerechnet hatte.
Darf man das denn da drin?
Ähm… Ja. Klar. Ich bin verwirrt. Es sollte doch immerhin eindeutig sein, was da im Kino vorgeht.
Die Räumlichkeiten sind also dafür vorgesehen? Was zum…? Möchte er vielleicht eine schriftliche Genehmigung? Eine Lizenz zum W****en? Mit amtlichem Stempel der Stadtverwaltung?
Ähm… Sie wissen schon, was da für Filme gezeigt werden, oder?
Erotische Spiefilme, ja. Wie bitte? Hat da jemand das Programm gewechselt? „Big Butt Attack 4“. „Gang Bang Casting“. „Fette Schleimfotzen“. Nein, das Programm ist das gleiche wie vor ein paar Stunden. Keine Ahnung, wovon der Mann da redet.
Ja… Wie auch immer. Bei solchen Filmen ist es aber nun mal nicht unüblich, dass man… Sie wissen schon. Onaniert. Warum ich diese Aussage auch noch mit einer angedeuteten Handbewegung unterstütze, weiß ich nicht.
Ich hab ja auch so ein Verlangen gespürt, aber ich hab mich nicht getraut.
Ähm… OK. Jetzt wissen Sie ja Bescheid.
Also darf ich auch?
Hm? Sie können da drin so oft onanieren, wie sie wollen. Ich rolle einmal unauffällig mit den Augen.
Ist das denn allgemein erlaubt? Sie sagen das so selbstverständlich…
Ähm… Wer hier ins Kino geht, der hat für gewöhnlich etwas bestimmtes vor. Also ja.
Das ist aber dann nicht gut organisiert. Sie sollten ein Schild anbringen, wo sie das Onanieren ausdrücklich erlauben. Sicher. Oder das Kino in „Masturbatorium“ umbenennen.
Ich werd’s weitersagen.
Danke. Ich werd dann mal… Er zeigt lächelnd mit dem Finger auf die Kinotür.
Jaja, viel Spaß…

Die Magazine rühre ich an diesem Abend nicht mehr an. Wer braucht bei solchen Kunden noch Sexwitze?

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Grafik: Ingmar Decker, achecht.de