Von der Arbeit in einem Sexshop: Onan der Barbar

Manchmal muss sich ein Sexshop-Mitarbeiter mit richtig widerlichen Schmeißfliegen herumärgern. Nicht aufgrund mangelnder Hygiene, sondern aufgrund der magischen Anziehungsankraft, die ein solches Etablissement auf hirnverbrannte, menschenähnliche Menschen ausübt. Und wie man das bei Fliegen so macht, so würde ich auch gerne bei jedem Aufeinandertreffen eine große zusammengerollte Zeitung nehmen und draufhauen, draufhauen und draufhauen.
Im Gegensatz zu mir, unterscheidet der Gesetzgeber aber leider zwischen der Calliphora Vomitoria und dem Homo Idioticus, sodass ich auf die Sache mit dem Draufhauen lieber verzichte. Also bleibt mir in der Regel nichts anderes übrig, als auf Worte zurückzugreifen. Selbst wenn es schwerfällt, wie der folgende Fall ausführlich zeigt:

Nachtschicht. Langeweile ohne Ende. Das spannendste Ereignis seit Stunden war ein Kunde, der sich in aller Ruhe unsere ganzen DVDs anschaute. Irgendwann betrat jedoch ein weiterer Mann – relativ jung, höchstens 30 – den Laden. Dass er meine Begrüßung ignorierte, überraschte mich nicht sonderlich, da er einen nicht besonders nüchternen Eindruck machte. Immerhin ein Grund zum Aufpassen, dachte ich. So behielt ich ihn genau im Auge, auch oder besonders als er aus meinem Blickfeld trat und ich mich auf die Überwachungsmonitore beschränkte.
Zunächst schien alles in Ordnung. Er schaute sich eine Zeit lang die Dildos an, nahm welche in die Hand, legte sie aber immer wieder zurück, dann drehte er sich zu den Wäsche-Artikeln um, die ihn anscheinend mehr interessierten. Er blieb davor stehen und – ich musste genauer hinschauen – fing an sich zwischen den Beinen zu befummeln. Was für ein notgeiler Idiot, dachte ich noch, als mich fast der Schlag traf, bei dem, was ich als nächstes sah: Er fummelte nicht, er war im Begriff seine Hose aufzumachen und sein Geschlechtsteil herauszuholen. Das konnte doch nicht wahr sein. Leider doch. Das war mir spätestens zwei Sekunden später klar, als er nämlich seinen errigierten Penis in der Hand hielt und eindeutige Bewegungen machte.
Meine Langeweile schlug plötzlich in Wut um. Ich raste um die Ecke und machte laut auf mich aufmerksam: Hey, du Scheißpenner! Der Mann zuckte zusammen, drehte sich um und packte ungeschickt sein Teil wieder ein. Was zum Teufel soll das? Machst du so’n Scheiß auch im Kaufhof in der Unterwäscheabteilung?! Raus hier! Und dann sagte er etwas, das in so einer Situation nicht gerade zur Konfliktbewältigung beitrug: Ey, bleib mal locker! Ich glaubte, ich müsste gleich jemanden kastrieren. Raus! Oder muss ich dich anpacken, du verdammtes Arschloch?! Da leuchtete ihm wohl ein, dass es vielleicht doch besser wäre, einfach zu verschwinden, also bewegte er sich sehr schnellen Schrittes zum Ausgang. Ich blieb dabei jedoch direkt hinter ihm und war bereit ihn unsanft zu schieben, sobald er nur ein wenig langsamer werden sollte. Tat er aber nicht. Schade.

Als ich daraufhin kopfschüttelnd die schrecklichen Bilder aus meinem Kopf verbannte, was wohl passiert wäre, wenn ich nicht eingegriffen hätte, meldete sich der andere Kunde, der mit den DVDs beschäftigt war und das Ganze beobachtet hatte, zu Wort: Da laufen mal wieder Idioten herum, nicht wahr? Ich seufzte laut. Oh ja, wem sagen Sie das? Ein Glück, dass ich kein aggressiver Mensch bin. Wir lachten beide und er fragte mich nach ein paar bestimmten Filmen. Es gibt eben gottseidank auch normale Kunden.