Von der Arbeit in einem Sexshop: Natursekt

Die sexuelle Vorliebe für den menschlichen Urin – von Kennern als Natursekt betitelt – ist ein äußerst verbreiteter Fetisch, was man so vielleicht zunächst gar nicht glauben mag, wenn man diese Vorliebe nicht teilt oder nicht nachvollziehen kann.
Auf den Sinn oder Unsinn eines solchen Fetischs oder gar dessen Beurteilung möchte ich jedoch nicht zu sprechen kommen. Das sollte lediglich die Einleitung für eine weitere Begegnung mit einem seltsamen Kunden sein, damit man auch weiß, worum es nachfolgend genau geht:

Ein Mann um die 40, mit Anzug und Kravatte und nach gutem Rasierwasser duftend, betritt eines Abends geschwind den Laden. Er scheint es etwas eilig zu haben, also wendert er sich gleich an mich:
Entschuldigen Sie bitte, haben Sie Natursekt? Eine ganz und gar (fast) normale Frage, noch dazu freundlich gestellt, sodass ich ebenso freundlich antworte: Selbstverständlich. Und zeige dabei auf das Regal mit den Natursekt-Filmen sowie den entsprechenden Büchern und Zeitschriften. Ich war jedoch nicht darauf gefasst, was der Mann erwidern würde, nachdem er begutachtete, was ich ihm gezeigt hatte:
Nein, nein. Richtigen Natursekt.
Wie bitte?
So in kleinen Fläschchen…
Ähm… Nein. Leider nicht. Ich habe tatsächlich „leider“ gesagt. Hallo? Geht’s noch? Doch dann kam es:
Könnten Sie mir vielleicht schnell was abfüllen?
??? … Will der mich verarschen? Ich wusste wirklich nicht, was – oder wie ich sagen sollte, dass ich das Ganze für einen ganz dummen Scherz halte, aber mein irritierter Gesichtsausdruck sprach wohl trotzdem Bände. Er verabschiedete sich nämlich daraufhin sehr schnell und murmelte leise: Vergessen Sie’s.

Tut mir Leid, aber sowas lässt sich schwer vergessen. Prost.