Von der Arbeit in einem Sexshop: Mehr als nur ein Missverständnis

Welch ungeheure Vorstellungen manche Menschen doch von einem Erotik-Geschäft haben. Falsche Vorstellungen, wohlgemerkt. Und ich frage mich immer wieder kopfschüttelnd, was in diesen (menschenähnlichen) Menschen bloß vorgeht. So auch im folgenden Fall:

Der Kunde betrat den Laden, kam gezielt zu mir an die Verkaufstheke und verlangte eine Karte für unser Kino. Also nichts ungewöhnliches. Ich kassierte und wies schließlich freundlich auf das Freigetränk hin, das im Preis mitinbegriffen ist. Doch was musste ich mir daraufhin anhören? Mit einer nahezu beängstigenden Selbstverständlichkeit fragte er:
Und? Kommen Sie gleich nach oder soll ich warten? Wie bitte? Habe ich etwas verpasst? Was soll das denn?! Demenstprechend irritiert antwortete ich auch:
Entschuldigung? Dabei drehte ich den Kopf schräg zur Seite, als eine Art unterbewusste Aufforderung an meinen Gegenüber das Gesagte zu wiederholen. Doch es kam nichts. Stattdessen zwinkerte er mir zu und machte mit dem Kopf eine deutende Bewegung in Richtung Kinotür. Ich musste mich erstmal sammeln. Wie sollte ich ihn – freundlich – darauf hinweisen, dass er wohl eine völlig falsche Vorstellung über meine Anstellung hier hat? Vielleicht ja so:
Warum zum Teufel soll ich denn mitkommen? Haben Sie etwa Angst im Dunkeln? Diese leicht spöttische Antwort schien ihn zu überraschen.
Ne, also… Sie wissen schon. Und während er das sagte, machte er etwas, das er lieber nicht gemacht hätte: Er griff sich in den Schritt. Da merkte der lebensmüde Trottel aber auch schon, dass meine Augen zu funkeln begannen – und zwar nicht aus dem Grund, der ihm lieb gewesen wäre. Verunsichert sprach er nämlich weiter:
Ich, ähm, dachte Sie stünden hier zur Verfügung… Also… Zur Verfügung? Geht’s noch? Ich kniff die Augen zusammen und setzte zu einer Antwort an, doch brachte ich nur ein Lachen zu Stande. Ich lehnte mich an die Wand hinter meiner Theke an und… lachte. Der Kunde war nämlich knallrot angelaufen und sah so dermaßen peinlich berührt aus, dass man regelrecht hören konnte, wie er sich gedanklich ein tiefes Erdloch herbeiwünscht, um darin für immer zu verschwinden. Letzteres zumindest geschah dann auch sehr schnell, als er, ohne ein weiteres Wort zu sagen, ins Kino ging.

Hätte mich dessen Anblick nicht so amüsiert, wäre meine Antwort übrigens folgendermaßen ausgefallen: „Das einzige, was ich hier neben Verkaufen und Beraten noch mache, ist, dumme Leute rauszuschmeißen, wenn sie mir auf die Nerven gehen. Dafür stehe ich immer wieder gerne zur Verfügung.“

Aber es werden bestimmt noch andere Gelegenheiten kommen, in denen es sich anbieten wird, so etwas zu sagen. Wetten?