Von der Arbeit in einem Sexshop: Li-Onn

Sie hört nie auf, die Freak-Parade… Welch ein Glück, man käme sonst noch auf die Idee, an den falschen Job geraten zu sein. Auf der anderen Seite kommt man hin und wieder schon ins Grübeln und eine gewisse Schwermütigkeit macht sich breit, wenn man begreift, wieviele Deppen es eigentlich auf der Welt gibt.

Es ist später Abend, ein hagerer Mann kommt herein, grüßt mich wortlos mit einem Nicken und schaut sich um. Das geht dann so eine Weile, bis er, ohne sich mir zuzuwenden, von weiter weg etwas sagt. Ich blicke in seine Richtung, weil ich annehme, er hätte mit mir gesprochen und warte, dass er nochmal etwas sagt. Tut er aber nicht. Auch stellt er kein Augenkontakt her, sondern nimmt DVD nach DVD in die Hand, um sie konzentriert zu studieren. Na gut, also kann ich weiter in meine Zeitschrift blättern. Glaube ich zumindest, ich dummer, naiver Junge. Der Mann sagt erneut etwas, das so ähnlich klingt wie: Schwamman Li-Onn.

Ich bin verwirrt. Zum einen, weil ich mir unsicher bin, was er da gerade gesagt hat und zum anderen, weil ich nicht weiß, ob er mit mir oder sich selbst gesprochen hat. Ich gehe auf Nummer sicher und gebe ein desinteressiertes Aha zum Besten. Das muss reichen. Zu mehr kann ich mich einfach nicht überwinden. Der Mann begutachtet weiterhin die DVDs und ignoriert mich scheinbar. War geil. War auch son Laden da. War geil. Echt geil. Ich überlege kurz, ob ich das kommentieren soll, entscheide mich aber dagegen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, einfach weiterzusprechen. Immerhin ist das Ganze sowieso nicht an mich gerichtet, wie mir scheint. Tolle Filme. Unso bilsch. Das sollte wohl “und so billig” heißen, so viel hab ich verstanden. Unbewusst gebe ich ein weiteres Aha von mir. Und dann hebt er schließlich seinen Blick und schaut in meine Richtung. Du?

Wie bitte? Ich? Ich was? Mein Gesichtsausdruck verrät wohl meine Ratlosigkeit, denn der Mann wiederholt sich und fügt noch hinzu: Du? Warsschoma in Li-Onn?

Ähm, ich glaube nicht. Okay, also er war mal in Li-Onn, sollte das ganz am Anfang wohl heißen. Und jetzt will er wissen, ob ich auch da war. Soweit so gut. Bleibt nur die Frage, was Li-Onn ist. Liegt das in Oz?

War geil. Echt geil. Tolle Stadt.

Li… Onn? Ich muss einfach nachfragen.

Kennste doch. In Frankreich. Und dann fällt der Groschen. Wenn er auch im Nachhinein früher hätte fallen können. Aber wenn man nicht so ganz bei der Sache ist, weil man sinnlose Kundengespräche zu vermeiden versucht, dann kommt es schon mal vor, dass man wie bekloppt auf dem Schlauch steht.

Ach, Lyon, meinen Sie. Und während ich mich innerlich darauf vorbereite, irgendwelche uninteressanten Geschichten über Lyon zu hören, ändert der Mann seinen Tonfall und sagt etwas, womit ich in der Situation wirklich nicht gerechnet habe.

Na, musst das nicht so fein aussprechen, wir sind doch hier in Deutschland, dann spricht man auch auf deutsch! Er ist sehr von sich überzeugt, während er das sagt. Vor allem “dann spricht man auch auf deutsch”. Was sein Deutschlehrer wohl zu diesem Satz sagen würde? Zumindest lacht der Mann daraufhin zufrieden und ich überlege, was oder ob ich was dazu sagen soll. Ich entscheide mich schließlich für ein kurzes Aha, in Gedanken gefolgt von: Depp.

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