Von der Arbeit in einem Sexshop: Homophob?

Es fing wie immer ganz harmlos an. Ich beobachtete über unsere Überwachungsmonitore, wie um die Ecke bei den Videokabinen, zwei Männer die DVD-Auswahl inspizierten. Während der eine nach kurzer Zeit in eine Kabine verschwand, bog der andere – ein älterer Herr, der wohl die 60 schon längst überschritten hat – in den Geschäftsraum ein und trat langsam an die Verkaufstheke heran. Bestimmt um Geld zu wechseln, dachte ich mir. Also nichts besonderes?

Falsch. Folgender Dialog kam nämlich daraufhin zu Stande:

Kunde: Tag. Mich hat da vorhin einer angesprochen… Er zeigt dabei mit einer Kopfbewegung in Richtung der Kabinen, um mich dann ganz fest mit seinen Augen zu fixieren. Meine einzige Reaktion beläuft sich jedoch auf eine gehobene Augenbraue. Ich warte gelassen ab und bleibe weiter, mit verschränkten Armen, an der Rückwand hinter der Theke gelehnt.
Also, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll… Er lockert seinen Blick und fängt dafür an seine Augen schnell hin und her zu bewegen. Er scheint nervös. Ich aber zeige weiterhin kein Reaktion, sondern schaue ihn nur an. Meine Augenbraue habe ich allerdings wieder nach unten gezogen, dennoch prangt ein großes Fragezeichen auf meiner Stirn.
Also… Der hat mich gefragt, ob ich mit ihm in eine Kabine gehe…
Verkäufer: Und? Sind Sie mitgegangen? Selbstverständlich nicht, ich habe die Situation ja vorhin beobachten können, aber ich war gespannt auf seine Antwort.
Nein, um Himmels Willen!
Hat er Sie denn irgendwie belästigt?
Jawohl. Das ist es. Belästigt hat er mich. Interessant. Ich löse meine Arme aus der Verschränkung und stütze mich mit beiden Händen auf die Theke ab.
Was ist denn geschehen?
Na, hab ich doch schon gesagt, er wollte, dass ich mit ihm in eine Kabine gehe.
Und weiter?
Wie weiter?
Na, was ist denn genau passiert?
Ja… Nichts weiter, aber – Und schon geht sie wieder nach oben, meine Augenbraue.
Das heißt, er hat sie nur was gefragt, Sie haben „nein“ gesagt und das war’s?
Ja, aber… Er schaut etwas irritiert. Sein Blick könnte auch von jemanden stammen, der gerade erst entdeckt hat, dass er ohne Hose aus dem Haus gegangen ist.
Aber was? Was wollen Sie denn jetzt genau von mir?
Na, ist das denn erlaubt?
Naja, eigentlich nicht, die Kabinen sind ja für Einzelpersonen konzipiert, aber wir können da schon mal ein Auge zudrücken.
Nein nein nein, um Himmels Willen! Ob’s erlaubt ist, dass der mich einfach fragt, mein ich… Jetzt bin ich auf einmal derjenige, der etwas irritiert dreinschaut.
Wie bitte?
Na sowas fragt man doch nicht, wenn man nicht… Sie wissen schon…
Was? Geil ist? Meine Augen haben sich inzwischen zu leichten Schlitzen geformt. Was ist das denn hier schon wieder für eine Freak-Show?
Neee, so ein Umgedrehter…
Hä?! Redet er davon, dass der andere schwul ist? Das gibt’s doch nicht.
Ein Homo. Oh Mann…
Ja und? Habe keine Lust darauf, einem alten Mann den Horizont zu erweitern, also mache ich nur deutlich, dass mir die Sache egal ist, indem ich meiner Frage ein offensichtliches Schulterzucken folgen lasse.
Ja ist das denn hier erlaubt? Er reisst erschrocken die Augen auf.
Ganz ehrlich, wollen Sie mich jetzt verarschen? Zum ersten mal fällt meine Stirn in Runzeln.
Nein nein nein. Ich mein nur, Homos sollen doch unter sich bleiben. Die können doch nicht einfach so normale Leute belästigen. Er atmet schwer ein und aus. Die Aufregung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Mir aber reicht es langsam.
Wissen Sie was? Sie gehen mir auf die Nerven. Willkommen im 21. Jahrhundert. Während ich diesen Satz sage, verschränke ich wieder meine Arme und lehne mich zurück gegen die Wand.
Tschuldigung, wollt’s ja nur gesagt haben.
Schön. Da Sie’s jetzt getan haben, kann die Sonne ja morgen wieder aufgehen. Das sage ich mit einem gereizten Unterton in der Stimme, während ich leicht die Augen verdrehe.
Sonst noch was?
Also, ich find das nicht richtig. Sie unterstützen die ja auch noch. Er schüttelt ungläubig den Kopf.
Wissen Sie, was ICH nicht ganz richtig finde? Ihr dummes Gelaber. Der alte Mann schaut mich erbost an und ich merke, wie sein Gesicht ganz Rot wird. Es passiert aber nichts weiter. Er geht nämlich ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Endlich. Oder doch schade? Hätte vielleicht noch interessanter werden können.