Von der Arbeit in einem Sexshop: Gleich

Das Wort „gleich“ ist als zeitlicher Begriff nicht genau festgelegt. Es beschreibt zwar einen naheliegenden Zeitpunkt, doch wie nahe dieser Punkt nun genau liegt, bleibt Interpretationssache. Aus diesem Grund fragen wir bei unseren Kunden, die zu einer Kinokarte ein Freigetränk bekommen, immer nach was es bedeutet, wenn diese sagen, sie würden gleich was trinken. Die Frage ist wichtig, weil das Getränk auf der Karte vermerkt wird. So wissen vor allem meine Kollegen später, ob der entsprechende Kunde bereits ein Freigetränk hatte oder nicht. Klingt alles ganz einfach? Abwarten.

Ein Mann mittleren Alters, der bis auf seine in den Knien ausgeleierte, dunkelblaue Trainigshose ziemlich unauffällig wirkt, ist gerade dabei den Eintritt fürs Kino zu bezahlen. Wie immer, bevor ich die Karte aushändige, frage ich nach, ob der Kunde sein Getränk jetzt oder lieber später mitnehmen möchte.  Welche Antwort auf meine Frage kommt, sollte an dieser Stelle natürlich keine Überraschung sein. Viel spannender ist jedoch wie es weitergeht:

Ein Freigetränk dazu?
Ja, gleich.
Das heißt was genau?
Hä?
Nehmen Sie das Getränk jetzt oder später?
Gleich, hab ich doch schon gesagt. Er steht nun mit verschränkten Armen da und schaut mich verunsichert an. Komplizierter, als ich dachte. Den Kugelschreiber in der Hand erwidere ich seinen verunsicherten Blick und sage langsam und deutlich:
Ja, ich weiß… „Gleich“ heißt bei Ihnen „jetzt direkt“ oder „ein wenig später“?
Na, gleich eben… Und nachdem ich nicht sofort reagiere, ergreift er plötzlich entschlossen die Initiative:

Mit halb genervter, halb wütender Miene und rollenden Augen macht er zwei beherzte Schritte zum Getränkeschrank neben der Kasse, reisst diesen mit den Worten „Bissu doof oder was?“ auf, nimmt eine Cola heraus und wendet sich mir dann erneut zu, mit der Flasche auf Augenhöhe herumwedelnd. Dabei sagt er in einem spöttischen Ton: Gleeeheeiiich! Dann lässt er die Flasche sinken, verdreht erneut die Augen und fügt hinzu: Wo kommst du denn her?!
Ich stehe immer noch mit der Karte in der einen und dem Stift in der anderen Hand da und fasse nicht, was hier gerade passiert ist. Mein Auge zuckt. Wo ich herkomme? Aus dem „Ich-Trete-Dummen-Spacken-In-Den-Arsch-Land“. Meine Antwort fällt nichtsdestotrotz moderater aus – wenn auch nicht ohne Zähneknirschen:
Ganz sicher nicht da, wo du herkommst! Ich mache ein Kreuzchen auf der Karte (für das sofortige Getränk) und händige sie ihm aus. Doch damit ist die Show noch nicht vorbei. Der Kunde verzieht den Mund und erwidert beleidigt:
Tz, also Freundlichkeit ist hier bei euch aber ein Fremdwort, was? Damit dreht er sich um und geht ins Kino.

Zurück bleibt ein kopfschüttelnder Paramantus.

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