Von der Arbeit in einem Sexshop: Es sind doch nur Pornos!

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Pornographie kann, muss aber nicht teuer sein. Sie darf allerdings teuer sein, wenn sie hohe Qualität aufweist. Wobei hier der Begriff der Qualität natürlich nicht anhand anderer Bild- und Tonmedien gemessen werden sollte. Es sind eher kleine, aber wichtige Details, die hier eine Rolle spielen. Ansehnliche Akteure, atmosphärische Kulissen, eine gute Kameraführung und vielleicht eine kleine, sich selbst nicht ernst nehmende Erzählstruktur: Das alles beeinflusst die Qualität eines Pornofilms enorm und rechtfertigt auch durchaus den Preis von bis zu 50 Euro für eine DVD. Der Unterschied zu billigen Fließbandproduktionen, die das Klischee des Pornofilms maßgeblich beeinflusst haben und nachwievor bestimmen, ist nämlich unendlich groß.

Die Frage allerdings, was Pornographie für einen selbst letztendlich Wert ist, bleibst natürlich bestehen und ist von Mensch zu Mensch verschieden. Womit nun auch die Überleitung zu einer weiteren, seltsamen Kundenerfahrung geschaffen wäre. Denn ob nun wertvoll oder nicht: Es gibt Menschen, die mit Pornographie ihren Lebensunterhalt verdienen. Das sollte man nicht vergessen.

Der Kunde verweilt bereits seit gefühlten 16 Stunden im Laden. Dass es in Wahrheit nur knapp drei sind, macht es jedoch nicht besser. Er gräbt sich ununterbrochen durch alle DVD-Regale und gibt regelmäßig quälende Seufzer von sich, weil ihn die große Auswahl zu erdrücken scheint. Dennoch wurde jedes Beratungsangebot meinerseits abgelehnt, also bleibt mir nichts anderes übrig, als zu warten und interessiert zu beobachten, wie der DVD-Stapel unter dem Arm des Kunden immer größer wird.

Kunden, die sich nicht entscheiden können, sind immer Fluch oder Segen. Denn entweder kaufen sie nichts oder aber sehr viel. Der heutige Kunde gehört wohl zur zweiten Kategorie und als er dann tatsächlich mit der Ware zu mir an die Kasse kommt, berechne ich ihm immerhin 10 DVDs im Wert von über 180 Euro.

Oh, das ist aber etwas viel… Ähm, er wusste doch, was er da kauft, oder etwa nicht?
Nun ja, Sie können ja gerne nochmal überlegen, ob Sie was davon hier lassen.
Ne, die Filme hätte ich schon gern alle. Kann man denn da nichts am Preis machen?
Tut mir Leid, das geht nicht. Die Filme sind doch schon stark reduziert. Ich zeige ihm die knallroten Sonderpreis-Aufkleber, die unübersehbar auf den DVDs prangen. Der Kunde hat sich ausschließlich ältere, aber keineswegs minderwertige DVDs herausgesucht, von denen manche, bei Originalpreisen zwischen 30 und 40 Euro, um mehr als 50% reduziert sind.
Aber…
Da kann ich nichts machen.
Bekomme ich denn wenigstens noch eine umsonst dazu?
Nein. Die Filme sind doch schon fast wie geschenkt. Bei einigen machen wir nicht einmal mehr Gewinn damit. Und das ist nicht einmal gelogen.
Ja, aber… Das ist so teuer alles zusammen.
Tja…
Aber. Das verstehe ich nicht. Das sind doch nur Pornos!
Bitte?
Kommen Sie, die sind doch nicht wirklich soviel Geld wert.
Sie wollen die Filme aber haben, oder?
Ja, schon…
Dann müssen Sie auch bereit sein, dafür zu zahlen.
Aber… Es folgt eine lange Pause.
Also?
Na gut, wenn’s denn sein muss!

Regelrecht widerwillig und mit einem außerordentlich griesgrämigen Gesichtsausdruck, zieht er sein Portemonnaie aus der Tasche und bezahlt. Als er schließlich ohne ein Wort der Verabschiedung geht, wirft er mir noch einen letzten bösen Blick zu, der mich wohl daran erinnern soll, dass ich den armen Mann gezwungen habe zu viel Geld für wertlose DVDs auszugeben.

Ich bin ja so ein Schuft.

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