Von der Arbeit in einem Sexshop: Ein unmoralisches Angebot

Erstaunlich, wie sich Gespräche manchmal entwickeln können. Spricht man zum Beispiel darüber, welches Kleid die Ehefrau lieber tragen sollte, geht es am Ende auf einmal darum, wer nach der Scheidung den Hund behält. Oder geht es anfänglich noch um ein paar lustige Karrikaturen, wird einem plötzlich von der halben islamischen Welt der heilige Krieg erklärt.

So schlimm erging es mir zum Glück nicht, doch ist es trotzdem bemerkenswert, wie ein älterer Kunde, den ich zunächst nur für ein wenig debil hielt, mir aus einer Preisnachfrage heraus ein unmoralisches Angebot machte:

Entschuldigung, was kostet dieser Film? Er hält mir eine DVD hin, die er bereits eine halbe Ewigkeit angestarrt und hin und her gewogen hatte. Seltsam, dass das Preisschuld unentdeckt blieb.
Der Preis steht hinten drauf. Er schaut mich an als hätte ich chinesisch gesprochen. Auf der Rückseite der DVD.. .
Wo denn? Meine Information scheint wohl nicht ausführlich genug zu sein.
Unten rechts. Aber auch diese Information nützt ihm nichts. Er starrt einfach nur gebannt auf die DVD.
Ne, da ist nix. Wo denn? Meine Güte, so heiß sind die Bilder auf dem Cover auch wieder nicht. Na gut, dann eben so: Ich mache einen Schritt vor und zeige mit dem Finger auf das gut 4cm große Preisschild.
Ah… Bisschen teuer, oder?
Nun ja, Qualität hat ihren Preis. Es handelt sich dabei tatsächlich um eine für das entsprechende Genre sehr qualitative DVD. Ob nun der Preis von fast 50 Euro gerechtfertigt ist oder nicht, sei natürlich dahingestellt.
Muss das denn so teuer sein?
Ich hab die Preise nicht gemacht.
Kann man denn da nichts machen?
Nein, tut mir Leid. Und an dieser Stelle nimmt die Geschichte eine skurrile Wendung. Aufgepasst:
Und wenn ich Sie zu mir einlade, um den Film mit mir anzuschauen?
Ähm, soll das ein Witz sein? An wen bin ich denn da schon wieder geraten?
Nein, wirklich. Ich könnte für Sie auch was mit meiner Frau arrangieren, wenn Sie wollen.
Nein. Danke. Ich versuche das so ablehnend wie nur irgend möglich zu sagen, was ihn allerdings nicht zu stören scheint.
Sie mag ab und zu ‘nen jungen Kerl zwischen ihre Schenkel. Wunderbar. Ich kann mir diese Schenkel richtig vorstellen. Brrr…
Hallo? Ich sagte nein!
Sie können alles mit ihr machen, versprochen. Achso, na wenn das so aussieht… Vielleicht sollte ich ihn ja nach einem Foto seiner lieben Frau fragen… Haha, der war gut.
Wollen Sie den Film jetzt kaufen oder nicht? Ich bin genervt. Sehr. Doch das scheint er trotz all meiner Anstrengung nicht zu merken.
Also gilt die Abmachung? Argh! Der spinnt doch!
Hallo? Geht’s noch? Haben Sie nicht gehört, was ich gesagt habe? Ich bin nicht interessiert. Entweder Sie kaufen jetzt was oder gehen! Und während ich denke, dass das jetzt gesessen haben muss, zieht er seine ganz eigenen Schlüsse daraus. Mit viel Enttäuschung in der Stimme sagt er:
Oh, verstehe, Sie sind schwul…
Wie bitte?
Tut mir Leid, ich bin’s nicht. Könnte aber einen Bekannten für Sie einladen. Der Mann macht einer Puffmutter alle Ehre. Mir hilft das wenig.
Wollen Sie mich verarschen? Was  haben Sie an meinem ersten “Nein” nicht verstanden?
Ich dachte ja nur…
Toll. Das sollten Sie lieber lassen. Das Denken, mein ich! Er schaut verschämt zu Boden, legt mir die DVD, die er die ganze Zeit in den Händen hielt, auf den Tresen und sagt, dass er bezahlen möchte. Hat er es also endlich kapiert? Fast. Denn nachdem ich ihm den Film in eine Tüte packe, ergreift er noch mal das Wort:
Ich komme noch mal wieder, vielleicht haben Sie dann bessere Laune. Dann zwinkert er mir zu und verlässt den Laden.

Ich bleibe kopfschüttelnd zurück und wechsle die Musik im Laden. Es läuft jetzt Rammstein mit ” Zerstören”. Mehrmals hintereinander.

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