Von der Arbeit in einem Sexshop: Drama, Baby, Drama!

In einem Sexshop geht es nicht immer lustig zu, manchmal wird man nämlich auch unfreiwillig Zeuge unmenschlicher Tragödien. Emotionale Katastrophen von unermesslicher Tragweite. Und nein, damit sind nicht die Situationen gemeint, wenn Kunden ihren kaputten Vibrator zurückbringen und ich sie darauf hinweisen muss, dass es auf solche Geräte keinen Umtausch gibt. Und es ist auch nicht auf die verzweifelten Flirtversuche bezogen, mit denen man des öfteren konfrontiert wird und die stets gebrochene Kundenherzen, aber leider nie gebrochene Kundenkiefer zur Folge haben. Es geht um etwas viel viel schlimmeres. Die Zerstörung Tokyos beim Kampf von Godzilla gegen die Riesenameise war nichts dagegen! Also schon mal die Tränendrüsen lockern und Taschentücher bereit halten, meine Damen und Herren!

Ein Kunde um die 50 kommt eines Abends in den Laden und fackelt nicht lange: Er fragt mich, wo man in der Stadt Prostituierte finden kann. Schön, wenn Menschen wissen, was sie wollen, also gebe ich ihm freundlich und bereitwillig Auskunft. Er bedankt sich und drückt mir zudem ein üppiges Trinkgeld in die Hand, bevor er mit strahlendem Gesicht das Geschäft wieder verlässt.

Ich freue mich, dass ich mir gleich eine große Pizza bestellen kann und trotzdem noch was vom Trinkgeld übrig behalte und denke mir nichts weiter dabei. Ich hake das Ganze als nettes Ereignis ab. So müsste es jeden Abend laufen.

Ungefähr eine Stunde später betritt derselbe Kunde den Laden erneut – und ich rechne mit dem schlimmsten: Entweder sein kleiner Ausflug war sehr toll und ich kann mir Lobeshymnen auf irgendeine Prostituierte anhören oder es war sehr schlecht und er beschwert sich ausführlich darüber, dass man in Trier nicht gut auf seine Kosten kommen kann.

Doch nichts dergleichen passiert. Regelrecht verschüchtert geht er an mir vorbei bis ganz in die hinterste Ecke des Ladens. Dahin, wo die künstlichen Vaginas und die Gummipuppen stehen.

Was zum…?

Doch als er bald darauf mit einem batteriebetriebenen Oralsex-Simulator bei mir ankommt, verschämten und traurigen Blickes bezahlt und sich stumm in eine unserer Kabinen verzieht, kann ich mir plötzlich ausmalen, was passiert sein musste:

Der arme Mann war bei einer Prostituierten, hatte aber Erektionsprobleme und versagte auf ganzer Linie. Die Frau versuchte bestimmt ihr bestes, holte wahrscheinlich noch eine Kollegin zu Hilfe, doch es half nichts. Als dann noch weitere Kolleginnen dazu kamen und anfingen zu tuscheln, wurde es dem Mann zuviel und ging.

Bei dieser Vorstellung überlege ich, ob ich an die Kabinentür klopfen und ihm sagen soll, dass das jedem mal passieren kann… Wenn ich bloß nicht wüsste, dass ich dabei lachen würde.

Ich bin ja so gemein.

………………………………………………………………………………………………………