Von der Arbeit in einem Sexshop: Die Mülleimer-Affäre

Mal wieder ein Erlebnis, an welches man zurückdenkt und nicht weiß, ob man dabei lachen oder verzweifeln soll; auch wenn im Augenblick des Geschehens keine der beiden Möglichkeiten aktuell war. Da herrschte bei mir nämlich ausdrücklich blanker Unglaube. Unglaube darüber, was Menschen doch für einen absurden Realitätssinn haben können.

Zunächst passiert etwas ganz alltägliches: Ein Kinokunde verlässt die Vorführräume und tritt wieder in den Geschäftsraum ein, in dem ich an der Theke stehe und etwas lese. Er schaut sich noch um, stöbert und inspiziert unsere Waren. Vielleicht kauft er ja noch etwas, bevor er geht. Eine Zeitschrift? Immerhin steht er längere Zeit vor dem Zeitschriften-Regal und blättert in einigen Exemplaren herum.

Hierzu muss man nun folgendes wissen: Besagtes Zeitschriften-Regal befindet sich direkt vor der Verkaufstheke, hinter der ich stehe. Der Kunde steht also die ganze Zeit mit dem Rücken zu mir, während er dort blättert. Und die Tatsache, dass sich vor der Theke ein Mülleimer befindet, spielt für den weiteren Verlauf der Geschichte eine entscheidende Rolle.

Ich muss mir nämlich zwischenzeitlich die Nase putzen und möchte das Taschentuch in den Müll schmeißen, wofür ich natürlich hervortreten muss. Dadurch bin ich aber auch gleichzeitig für einen kurzen Moment dicht hinter dem Kunden, der sich dann plötzlich umdreht, mich angrinst und mit einem Zwinkern sagt:

Wollten Sie gerade meinen Hintern anfassen? Wie bitte…?! Sind Wahnvorstellungen auf einmal in Mode? Habe den Mann doch noch nicht einmal leicht gestreift.

Ähm, nein, ich habe nur etwas in den Müll geschmissen. Ich versuche mir nicht anmerken zu lassen, wie lächerlich ich diese Situation gerade finde.

Schon OK, braucht dir nicht peinlich zu sein. Wir können ja mal kurz in eine Kabine gehen. Und da zwinkert er schon wieder. Meine Güte, für wen hält er sich? Für Mister „Ich kann jeden Kerl rumkriegen“? Da hat er aber eindeutig nicht die Rechnung mit Mister „Ich kann dummes Gequatsche nicht leiden“ gemacht. Wo sind wir denn hier, bitte?! Also lege ich meine Stirn in Falten und bringe ihn auf den Boden der Tatsachen zurück:

Geht’s noch?! Das Leben ist kein Pornofilm, Mann. Wunschdenken hin oder her.

Er ist sichtlich irritiert von meiner – zugegebenermaßen leicht gereizten – Antwort und hat wohl damit verstanden, dass ich tatsächlich weder die Absicht hatte seinen Hintern zu berühren noch den Wunsch verspüre mit ihm in eine Kabine zu gehen. Oder mit anderen Worten: Ja, ich bin hetero. Wow! Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verlässt er den Laden.

Er hätte mir wenigstens Geld anbieten können.

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