Von der Arbeit in einem Sexshop: Die Domina

Folgende Geschichte erzählt von einem Erlebnis aus meiner Anfangszeit im Sexshop, als ich zugegebenermaßen noch etwas unsicher und irritiert war, was außergewöhnliche Dinge betraf. Damals dachte ich eben bei „Kaviar“ noch an Fischeier und assoziierte „Klinik“ hauptsächlich mit Medizin und Krankenversorgung. So war ich also auch bei meiner ersten Begegnung mit einer Domina etwas verspannt. Schade, wie man im Nachhinein witzigerweise sagen muss.

Es war Abend. Sie betrat den Laden und ich merkte sofort, dass sie keine gewöhnliche Frau war. Nun, selbstverständlich ist jede Frau etwas Besonderes, aber in diesem Fall konnte man zum einen erkennen, dass sie ihre Reize professionell zur Schau stellte, und zum anderen besaß sie eine kalte, aber äußerst selbstbewusste Ausstrahlung.
Sie trug einen bodenlangen dunkelbraunen Mantel – offen, wohlgemerkt. Darunter kam neben einer tollen Figur viel schwarzes Leder zum Vorschein. Eine enge Hose sowie ein ledernes, bauchfreies Top brachten auf wunderbare Weise ihre weiblichen Rundungen zur Geltung. Besonders auffällig war ihre üppige Oberweite und ein sehr einladendes Dekoltee. Die Haare waren ebenfalls schwarz, zudem sehr lang und zu einem strengen Pferdeschwanz gebunden.

Sie kam direkt zu mir an die Verkaufstheke und fragte, ob sie bei uns ein paar Visitenkarten für interessierte Kunden hinterlassen dürfte. Das war auch der Moment, an dem ich wusste, dass sie eine Domina war. Ich meinte, es wäre sicherlich kein Problem und nahm ihre Karten entgegen. Sie bedankte sich, schaute mich dabei durchdringlich an, kniff leicht die Augen zusammen und lächelte einseitig. Ich war plötzlich leicht nervös. Fiel ihr etwa auf, dass ich sie angestarrt hatte? Und schlimmer noch: dass mir gefiel, was ich da sah? Ich war doch auch nur ein Mann. Wunderbar. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, als sie aber auch schon hinzufügte, sie wolle sich noch umschauen. Gut, so bekam ich nämlich etwas Zeit zum Durchatmen. Das einzige, was mir jedoch durch den Kopf ging, war: „Wow. Die hat ihren Beruf nicht verfehlt.“

Kurze Zeit später sollte sich dieser Gedanke nochmal bestätigen: Die reizende Domina kam mit verschiedenen Peitschen, einem großen Dildo und einem Vibrator zurück. Meine Güte. Wie es dann bei uns üblich ist, entnahm ich den Vibrator aus der Verpackung, um dem Kunden zu zeigen, dass er auch funktioniert, da defekte Ware vom Umtausch ausgeschlossen ist. Die gute Frau folgte mit ihrem stechenden Blick jeder einzelnen Bewegung, die ich machte. Und weiterhin lächelte sie, nur dieses mal biss sie sich zudem hin und wieder in die Unterlippe. Da bemerkte ich, wie nervös ich tatsächlich war: Ich zitterte. Zwar nur leicht, aber immerhin genug, um Schwierigkeiten beim Einsetzen der Batterien zu haben. Ich versuchte sie nicht mehr anzuschauen, was dummerweise – oder eher peinlicherweise – nicht gelang.

Und dann passierte es. Sie beugte sich langsam zu mir rüber, ließ ihren Blick einmal über mein Gesicht und meine leicht zittrigen Hände gleiten, um mir schließlich fest in die Augen zu schauen und lasziv entgegenzuhauchen: „Mache ich dich nervös?“
Um Himmels Willen. Was sollte ich antworten? Die Wahrheit? Sollte ich frech sein? Oder dreist? Ich entschied mich spontan für etwas dummes: „Nein, ich bin nur müde und hab noch nicht viel gegessen, dafür aber schon viel Kaffee getrunken. Und ich bin eigentlich kein Kaffee-Trinker.“
Wie einfallsreich. Auf ihrem Gesicht lag ein triumphierendes Lächeln, das mir  klarmachte, wie sehr sie es gerade genossen hatte, mich einzuschüchten. Wahrscheinlich erregte es sie sogar. Wobei dieser Gedanke mir nicht unbedingt missfiel.
Es blieb jedoch keine Zeit mehr, um ausführlich darüber nachzudenken. Sie bezahlte, ich packte ihr die Ware ein und dann war sie auch schon weg. Endlich. Oder?

Heute würde ich so eine Situation auf jeden Fall anders meistern. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte…