Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Münz-Nazi

Die folgende Geschichte hat sich bei einem meiner Kollegen zugetragen.

Ein etwas nervös wirkender Kunde, der durch eine verängstigt wirkende, geduckte Haltung und langen fettigen Haaren einen ersten bleibenden Eindruck hinterlassen sollte, trat an die Kasse heran und legte einen 10-Euro-Schein auf die Theke. „Wechseln“, murmelte er leise, aber sehr barsch, ohne meinem Kollegen dabei in die Augen zu schauen. Dieser war allerdings, wie wir alle, so einiges gewöhnt und dieses distanzierte Verhalten des Kunden wäre nicht der Rede wert gewesen, wenn der Mann sich daraufhin nicht wie ein Verrückter aufgeführt hätte.

Mein Kollege wechselte dem Kunden wortlos den Schein in fünf Zwei-Euro-Münzen um und legte sie auf die Theke. Der Kunde nahm das Geld, drehte sich sogleich um und war im Begriff, schnell um die Ecke zu den Videokabinen zu verschwinden. Doch kam er lediglich einen Schritt weit, denn plötzlich stoppte er, wandte sich meinem Kollegen zu und knallte mit den Worten „will ich nich‘!“ zwei der fünf Münzen auf die Theke. Überraschenderweise wollte er keine neuen Münzen dafür haben, sondern setzte unmittelbar im Anschluss daran seinen Gang zu den Kabinen fort.

Mein Kollege war etwas irritiert, aber vor ihm lagen auf einmal vier Euro, die er vorsichtshalber bei Seite schob, für den Fall dass der Verrückte sie doch wiederhaben wollte. Dies sollte schließlich bald darauf festgestellt werden, denn der Mann kam zurück, erneut mit einem 10-Euro-Schein in der Hand. Doch er wollte von den vier Euro nichts wissen. Wieder einmal vermied er jeden Augenkontakt und murmelte lediglich das Wort „Wechseln“, als er den Schein meinem Kollegen reichte.

Na gut, dann nochmal das gleiche Spiel, dachte sich der Kollege und gab dem Kunden ein weiteres mal fünf Zwei-Euro-Stücke. Der Mann nahm das Kleingeld in die Hand, blieb aber dieses mal stehen und schaute es sich an. Auf einmal ließ er, sichtlich verärgert, die Münzen auf die Theke fallen und schrie mit wütender Stimme aus: „Nein, will ich nich‘ haben!“

Der Kollege war nun selbst etwas angesäuert, nahm das Kleingeld und erwiderte – wie er später erzählte – lediglich spaßeshalber: „Was stimmt denn damit nicht? Wollen Sie etwa nur deutsches Geld haben, oder was?!“ In der Tat handelte es sich bei vier von den fünf Zwei-Euro-Stücken um ausländische Exemplare, daher ging ihm auch diese Frage durch den Kopf, erklärte er mir im Nachhinein. Und wer hätte es gedacht? Genau das schien tatsächlich das Problem gewesen zu sein. Der Mann mit den fettigen Haaren und der geduckten Haltung blickte nach der Frage zum ersten mal auf und nickte, obgleich sein Gesichtsausdruck nachwievor etwas ängstliches ausstrahlte – um nicht geistig verwirrtes zu sagen.

Mein Kollege schüttelte leicht denKopf, suchte aber in der Kasse deutsche Münzen heraus, um sie dem Mann im Tausch gegen die bösen Münzen zu überreichen. Ein drittes mal kam der Mann übrigesn nicht mehr zum Wechseln.

Und die Moral von der Geschicht‘: Gibt es nicht. Doch mein Arbeitskollege konnte sich immerhin vier Euro in die Tasche stecken. Das zuerst verstoßene Wechselgeld kam nämlich überhaupt nicht mehr zur Sprache.

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