Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Minderheiten-Komplex

Ich bin jemand, der versucht seine Mitmenschen stets gleich zu behandeln – zumindest vorerst, bis ich mir eine schlechte Meinung über sie bilden konnte. So achte ich beim ersten Kontakt weder auf Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung, denn es gilt schließlich einen Menschen fertigzumachen und sonst nichts. Daher hasse ich es regelrecht, wenn jemand eine eventuelle Anfeindung auf seine Zugehörigkeit einer Minderheit zurückführt und nicht etwa auf Charakter oder Benehmen.

Bei der Arbeit, wo es durchaus viel homosexuelle Kundschaft gibt, kann dieser Minderheiten-Komplex mitunter schon mal vorkommen. So auch neulich, als ein junger Kerl meinte, er müsste mir unbedingt von seinen Lieblingspornos erzählen, damit prahlen, was für ein toller Hecht er sei und so oft wie möglich unterstreichen, dass er einfach jeden rumkriegen könnte. Wunderbar. Wie sehr mich das interessierte, muss ich wohl nicht erwähnen. Zudem hatte ich was zu tun und wie hilfreich es ist, wenn jemand die ganze Zeit daneben steht und einem die Ohren abkaut, kann sich auch jeder vorstellen.

So gab ich des öfteren zu verstehen, dass ich beschäftigt wäre und von alledem nichts wissen wollte, doch er schenkte mir einfach keine Beachtung. Also musste ich etwas ausfallend werden um endlich meine Ruhe zu bekommen. Ein paar direkte Worte treffen schließlich immer ihr Ziel.

Hör mal, du nervst gewaltig, merkst du das nicht? Hab dir doch schon mal gesagt, dass mich das nicht interessiert. Und jetzt lass mich in Ruhe!
Was durfte ich mir aber dann ernsthaft anhören? Du bist doch nur so unfreundlich, weil ich schwul bin! Meine Antwort: Nein, ich bin so unfreundlich, weil du ein dummer Arsch bist.

Und damit ist im Grunde wirklich alles gesagt worden: Wer sich wie ein Idiot benimmt, wird eben auch wie einer behandelt, unabhängig davon ob er schwul, fett, schwarz, dunkelblau oder nichtmechanischer Baptist ist. Das spielt bei Dummheit nämlich einfach keine Rolle.

Außerdem: Wie können Minderheiten verlangen nicht wie eine solche wahrgenommen zu werden, wenn sie sich selbst diese geforderte Gleichheit verwehren?