Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Kaviar-Vorfall

Kaviar. Da denkt man als erstes an überteuerte Fischeier, die so manch einer als schmackhafte Delikatesse betrachtet. Es sei denn, man lebt den gleichnamigen Fetisch aus, der aber, bis auf die Tatsache, dass bestimmt auch in diesem Zusammenhang von einer Delikatesse gesprochen wird, mit Fischeier wenig bis überhaupt nichts zu tun hat. Gemeint ist hier, wie soll es anders sein, die sexuelle Vorliebe für Fäkalien. Ein Fetisch, mit dem man auch als Angestellter in einem Sexshop in Berührung kommt. Im übertragenen Sinne natürlich. Entsprechende Kunden, die eine Schwäche für cremige Stoffwechselendprodukte  haben, wollen sich schließlich auch mal einen schönen DVD-Abend machen. Oder sich nur eine unterhaltsame Klo-Lektüre zulegen. Hehe. Klo-Lektüre. Verstehen Sie?

Wie dem auch sei, diese Menschen, die auf der Suche nach der Befriedigung ihrer Triebe die Bahnhofstoiletten und Sexshops dieser Welt bereisen, sind in der Regel völlig unscheinbare Durchschnittsbürger. Zumindest erwecken sie diesen Eindruck. Das beruhigt und beängstigt gleichermaßen, wenn ich ehrlich bin. Doch gibt es, wie in jeder Bevölkerungsgruppe, natürlich auch in Kaviarkreisen absolute Vollidioten. Und um einen davon, handelt die folgende Situation:

Unser Geschäft bietet zur Zeit 20% Rabatt auf alle SM-Filme. Die Aktion ist deutlich mit Plakaten und Aufklebern gekennzeichnet, doch sollte es diesbezüglich trotz allem noch zu einem absurden Wortgefecht zwischen mir und einem Kunden kommen. Die Rede ist von einem durchschnittlichen Mann mittleren Alters, der an die Kasse herantritt, um einen Film zu bezahlen. Es ist ein Kaviarfilm. Ich tippe den Preis ein und werde auch schon kurz darauf unterbrochen:

Ähm, dachte da gibt’s Prozente drauf.
Das Angebot gilt nur für SM-Filme, tut mir Leid.
Ja, aber… Er blickt mich ungläubig an und zeigt dabei mit einem Finger auf die DVD, die zwischen uns beiden auf der Verkaufstheke liegt. Ich folge seiner Zeigerichtung, doch wendet sich mein Blick nicht nur aufgrund des unappetitlichen Covers wieder dem Kunden zu.
Das ist kein SM-Film.
Hä? Doch. Klar! Er wirkt nahezu entsetzt. Als hätte ich eine unvorstellbare Äußerung von mir gegeben.
Nein, ist er nicht. Wissen Sie denn, was SM bedeutet?
Natürlich. Aber schauen Sie mal hier auf der Rückseite. Er nimmt die DVD-Hülle in die Hand und geht mit dem Finger über die Fotoausschnitte entlang. Da! Da ist doch einer gefesselt und wird gezwungen Kot zu essen. In diesem Moment kann ich mir einen angewiderten Gesichtsausdruck nicht verkneifen.
Ich muss mir das nicht anschauen, dieser Film gehört nicht zum SM-Genre. Fertig.
Aber schauen Sie doch! Hier! Er hält die DVD-Hülle nun auf Schulterhöhe wie ein Anschauungsobjekt hoch und tippt wild auf eines dieser kleinen Bilder herum. Als ich tief Luft holend deutlich zum Ausdruck bringe, dass ich wohl nicht vorhabe darauf einzugehen, setzt der Kunde noch einen drauf, indem er schlagartig seinen Arm soweit ausstreckt, dass die DVD zwei Zentimeter vor meinem Gesicht stehen bleibt. Zusätzlich erhebt er dabei seine Stimme. Schauen Sie doch! Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass ich auch in dieser Situation kein Verlangen danach verspürt habe, seiner Aufforderung Folge zu leisten. Im Gegenteil. Ich weiche leicht erschrocken zurück – wie das nun mal üblich ist, wenn sich etwas schnell dem Gesicht nähert – und sage mit finsterer Stimme:
Geht’s noch?! Ich will mir den Scheiß nicht ansehen! Wie doppeldeutig diese Formulierung war, sollte mir erst viel später auffallen. Es gibt auf diese Filme kein Rabatt. Fertig! Keine Diskussion mehr! Diese Worte unterstreiche ich noch mit einer passenden Handbewegung.
Ist ja gut. Er schluckt schwer dabei und ist wohl scheinbar beleidigt. Aber nur damit Sie’s wissen: Es ist nichts falsches daran so eine Vorliebe zu haben!
Was? Hä?!
Schönen Tag noch. Er lässt die DVD liegen und geht.

Wahrscheinlich dachte er, ich wäre aufgrund seines Fetischs nicht gut auf ihn zu sprechen gewesen und hätte ihm deshalb keinen Rabatt gegeben. Anders kann ich mir seine letzte Aussage nicht erklären. Äußerst schade, dass er so schnell ging. Ich hätte ihm gerne erklärt, dass mein Verhalten nichts mit seinen Vorlieben zu tun hatte, sondern nur auf die Tatsache zurückführte, dass er ein Idiot war. Und bestimmt noch ist.

Wetten?

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