Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Herr der Ringe

Cockringe – oder auf deutsch: Samenstaugerätschaftsdingsbumse – sind ein echter Verkaufsschlager. So ist es auch kein Wunder, dass es unzählige Varianten davon gibt. Aus Silikon, Gummi, Leder, Stahl, mit Magneten angereichert, vibrierend, mit eingearbeiteten LED-Lämpchen, extra weiche, extra harte, extra kleine, extra große, mit Noppen, Klammern, Stacheln, welche, die im Dunkeln leuchten oder, passend zur Jahreszeit, welche in Schneeflockenform. Und das Ganze natürlich in allen nur erdenklichen Farben.

Eines Tages kam ein Paar ins Geschäft. Während sie auf die DVD-Regale zuging, blieb er bei den Cockringen hängen und es wurde mir schnell klar, dass der Mann Schwierigkeiten beim Aussuchen des richtigen Samenstaugerätschaftsdingbums hatte. Ich trat an ihn heran und nach ein paar Minuten der Beratung musste sich der Mann nur noch zwischen zwei Ringen, die in die engere Auswahl fielen, entscheiden – einen aus Stahl und einen aus einem sehr harten Gummi. Im Bezug auf den Gegenstand, um den es sich da handelte, mag eine „enge Auswahl“ eine unfreiwillig komische Ausdrucksweise sein, doch wenn man festhält, was daraufhin geschah, wären keine anderen Worte bezeichnender gewesen.
Der Mann war sich nicht sicher, ob ihm die Ringe passen. Sie waren ja nicht dehnbar. Er rief seine Begleiterin herbei und fragte sie nach ihrer Meinung. Die gute Frau war jedoch ebenfalls ahnunglos und nach einem mir ewig vorkommenden Hin und Her drehte sie sich schließlich zu mir und fragte, ob man die Ringe denn anprobieren könnte. Da sie dabei lachte, nahm ich folgerichtig an, dass es sich um einen Scherz handelte, also lachte ich auch, bevor ich natürlich verneinte. Der Mann erwiderte, dass das selbstverständlich nachvollziehbar sei, fragte jedoch direkt im Anschluss, ob er stattdessen mal ausmessen könne. Ich war etwas verwirrt.

Die genauen Maße der Ringe stehen doch auf der Verpackung drauf.
Nein, also, ja, ich meine aber das hier ausmessen. Ob’s auch passt, wissen Sie? Er zeigte auf seinen Schritt und machte mit der anderen Hand, in der er nun beide Cockringe hielt, eine Vor- und Zurückbewegung – so, wie man eine kurze Distanz darstellen möchte. Ich lachte, denn ich hielt das ebenfalls für einen Scherz und fühlte mich in meiner Ansicht dadurch bestätigt, dass die beiden ebenfalls lachten. Dann kam der Mann ein paar Schritte auf mich zu und fragte: Haben Sie also ein Lineal für mich? Mein Lachen blieb mir plötzlich im Halse stecken.
Wie bitte? Wofür denn?
Na zum ausmessen. Ich weiß nicht genau was ich für einen Durchmesser habe.
Ähm, nein… Kommt nicht in Frage.
Ach kommen Sie. Sie müssens ja nicht tun. Seine Begleiterin lächelte neben ihm.
Hallo? Darum geht’s doch gar nicht. Sie können hier nicht mitten im Laden… Ihr Teil vermessen.
Echt jetzt? Geht auch ganz schnell. Er hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, dass ich „nein“ sage. Ebensowenig die Frau, die bei meiner ablehnenden Reaktion verächtlich mit den Augen rollte und sich wegdrehte.
Tut mir leid.
Ist doch grad niemand hier außer uns.
Nein!
Na gut, von mir aus. Enttäuscht legte er die beiden Cockringe auf meinen Tresen, um sie zu bezahlen. Aber wenn die nicht passen, komm ich damit zurück, ja?
Ähm, Sie wissen, dass Sie solche Dinge nicht umtauschen können?
Klar, das werden wir ja sehen. Und auf einmal lachte er wieder. Nur, dass es dieses mal nicht mehr so heiter klang. Ich packte ihm den Einkauf in eine Tüte und verabschiedete mich.

Als sie an mir vorbeiging, warf mir die Frau noch einen kurzen verständnislosen Blick zu und schüttelte leicht den Kopf, als ob sie damit ihrem Blick noch mehr Ausdruck verleihen wollte. Dabei hätte ich es doch sein sollen, der verständnislos den Kopf schüttelt.

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