Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Fleck

Mir ist langweilig. Es ist ein heißer Tag, an dem die Menschen lieber etwas anderes tun, als sich in einem Sexshop aufzuhalten. Und so bin ich froh, dass ich etwas zum Lesen dabei habe. Die einzigen Kunden, die mich hin und wieder stören, sind die Kinokunden, die selbst dann noch vorbeikämen, wenn draußen auf der Straße Jesus persönlich Freikarten fürs Paradies verteilen würde.

Einer dieser üblichen Verdächtigen, wie wir sie auch nennen, hatte sich wohl in der Zwischenzeit genug amüsiert und wollte wieder nach Hause. Ich bin jedoch gerade am Lesen, also schaue ich lediglich kurz hoch, als der Kunde auf meiner Höhe ist und „Tschüss“ sagt. Ich möchte natürlich den Abschiedsgruß erwidern, aber mir verschlägt es noch vor dem richtigen Blickkontakt die Sprache. Mein Mund bleibt halb geöffnet und ich starre ihn einfach nur total entsetzt an.

Er schaut mich an, bleibt sofort stehen und sein Gesicht verwandelt sich in eine ängstliche Fratze, während er mich mit panischer Stimme und fuchtelnden Armen fragt:

Was? Oh Gott. Was ist los? Was ist? Wie kann er das nicht gesehen haben? Das Ding ist so groß, dass es einen Hut tragen könnte! Ich hebe den Arm und zeige mit dem Finger auf seine Schulter. Da trieft ein riesiger Spermafleck von seinem Hemd herunter. Linke Schulter und Kragen sind regelrecht vollgeschmiert. Wie abgelaufener Sahnepudding glibbert es dort und lechzt nach Aufmerksamkeit. Sehr appetitlich. Das schlimmste ist: Bei der Menge ist das bestimmt nicht (nur?) sein eigenes.

Sie, ähm, haben da einen großen, ähm, Fleck auf der Schulter. Er schaut an sich herunter, entdeckt dann sofort die Zugabe auf der Kleidung und – ich fasse es nicht – ist sichtlich erleichtert. Er atmet einmal tief ein und aus, verdreht die Augen und lächelt. Das allein irritiert mich schon, doch dann streicht er mit der Hand über die dickflüssige Masse, reibt sie mehrmals an seinem Hosenbein ab und sagt:

Ach, das. Und ich dachte schon es wäre was schlimmes, hehe. Also dann, tschüss. Und so verläßt er schließlich den Laden. Sorglos und zufrieden.

Noch heute läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken, wenn ich daran zurückdenke.

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