Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Blob

Kennt jemand den Kult-Horrorfilm „Blob – Schrecken ohne Namen“? Ein schleimiges Etwas aus dem Weltall verschlingt alles was ihm in die Quere kommt… Im Großen und Ganzen ein billiger B-Movie, aber dennoch ein Film, den man mit der richtigen Portion Humor wunderbar genießen kann.

Wie auch immer, der Titel dieses Beitrags verrät vielleicht, dass es hier nicht ausdrücklich um den Film geht. Ich habe nämlich dieses Etwas – den Blob – bei meiner Arbeit gesehen. Und sogar mit ihm gesprochen. Mehrmals. Und ihn aus dem Laden geworfen. Mehrmals.

Doch wer oder was ist dieser Blob denn nun?

Der Blob ist ein Kunde bei uns im Erotik-Kino. Wir nennen ihn intern „Blob“ weil er uns an eben jene Vorlage aus dem Film erinnert: Ein schleimiges außerirdisches Etwas. Mit anderen Worten: Es handelt sich dabei um einen kleinen speckigen Mann, dessen Gesicht so aussieht als hätte ein Kind ein Gesicht aus Knetmasse hergestellt. Ein Kind ohne Arme. In Eile.

Ich weiß was einige Leser jetzt denken, aber der Blob kann was für sein Aussehen, denn diese Beschreibung trifft nur auf ihn zu wenn er betrunken ist. Dann scheinen seine Augen chamäleonartig in verschiedene Richtungen zu zeigen, seine Nase ist grotesk verzogen und der Mund steht die ganze Zeit weit offen, was zur Folge hat dass der Blob durchgehend sabbert.

Diesen hübschen Anblick packe man dann auf einen kleinen aufgedunsenen, stinkenden Körper und fertig ist der Blob in Menschengestalt.

Ich gebe zu, solche abgefahrenen Kunden gibt es bei uns häufiger, doch der Grund warum ich den Blob überhaupt so gut beschreiben kann ist die Tatsache, dass er sich bei allen Mitarbeitern mit einer penetranten Eigenart ins Gedächtnis geätzt hat – und das immer noch mindestens einmal im Monat tut. So wie zuletzt vor 2 Wochen bei mir:

Er kommt mal wieder spät nachts in den Laden und kauft sich eine Kinokarte. Dabei sehe ich bereits an seinem Auftreten, dass es wieder passieren wird. Und tatsächlich dauert es keine 10 Minuten bis er aus dem Kino herauskommt, sich vor die Kasse stellt und mit ein paar 50Euro-Geldscheinen in meine Richtung wedelt. Ich war gerade dabei etwas zu lesen, also schaute ich genervt hoch, seufzte tief und wartete – so wie ich immer warte, wenn ein Idiot wie der Blob scheinbar irgendwas will, aber keine Anstalten macht den Mund aufzumachen (wobei der Blob natürlich mal wieder sabbernd mit offenem Mund dastand). Und dann sagte er es:

Willst du dir was dazu verdienen?

Ich atmete erneut tief ein, sagte aber nichts sondern schaute nur wieder in meine Zeitschrift. Aus den Augenwinkeln sah ich wie der Blob ein paar weitere Scheine aus seiner Tasche herauskramte.

Kommst du mit mir in die Kabine? *wedel wedel*

Dieser Depp. Wann lernt er es eigentlich, dachte ich und schaute ihn grimmig an.

Nein. Das hab ich Ihnen schon mehrmals gesagt und langsam reicht es. Das Personal hier ist unantastbar. Wenn Sie im Kino niemanden zum Poppen finden, dann gehen Sie nach Hause aber nerven Sie mich nicht.

Da steckte er die Geldscheine langsam weg und schaute mich geistesabwesend an – wohlgemerkt weiterhin mit dem debilen Blob-Gesichtsausdruck.

War ja nur ne Frage.

Ja, aber ich hab Ihnen diese Scheiß-Frage nicht zum ersten Mal beantwortet. Sie haben hier dem Personal keine Angebote zu machen, ist das klar?!

War ja nur ne Frage

Auf Wiedersehen!


Und da wabbelte er endlich davon…