Von der Arbeit in einem Sexshop: Der Bademantel

Angesichts der Regelmäßigkeit, mit der manche Kunden ihr Geld bei uns lassen, und der vielen Zeit, die sie im Erotik-Kino verbringen, kann durchaus behauptet werden, diese Menschen hätten bei uns ein zweites Zuhause gefunden. Wie wahr diese Behauptung tatsächlich ist, sollte ich allerdings noch herausfinden.

Ein Mann um die 70, kleine Statur, rundlicher Bauch, freundliches Gesicht, steht mit einem großen Rucksack auf dem Rücken vor mir und kauft eine Karte fürs Kino. Er fragt höflich, ob er sein Gepäckstück irgendwo deponieren kann, was natürlich kein Problem darstellt. Doch anstatt ins Kino zu gehen, wühlt er eine Weile im besagten Rucksack herum und holt schließlich eine vollgestopfte Einkaufstüte heraus. Ich beobachte diese Szenerie nicht gerade aufmerksam, also kann ich zunächst nicht erkennen, was der Mann in der Tüte verbirgt. Ebenso bekomme ich nur halb mit, wie er irgendetwas zu mir sagt und wundere mich daraufhin, dass er mit der Tüte nicht die Richtung zum Kino einschlägt, sondern genau den entgegengesetzten Weg nimmt und um die Ecke zu den Videokabinen verschwindet.

Wenige Minuten später finde ich schließlich heraus, was das Ganze zu bedeuten hatte. Der Mann taucht wieder auf und hält seine Schuhe in der einen und die volle Tüte in der anderen Hand. Wichtiger erscheint mir jedoch die Tatsache, dass er jetzt einen blauen (glücklicherweise geschlossenen) Bademantel trägt und seine Füße in gemütlichen, dunklen Plüsch-Schlappen stecken. Ich kann dabei sehen, dass er die Socken nicht ausgezogen hat, aber ein Blick auf die Tüte, die nachwievor – oder besser: wieder – voll ist, zeigt mir, dass die Socken womöglich die einzigen Kleidungsstücke sind, die er neben Schlappen und Bademantel noch trägt. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Kunde nutzte also eine unserer Kabinen als Umkleideraum, um es sich für einen Abend im Pornokino so richtig bequem zu machen.

Er verstaut die Tüte, die bis vor kurzem noch seinen Bademantel beherbergte, in den Rucksack, stellt die Schuhe daneben ab, bedankt sich und schlurft langsam ins Kino.

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