Von der Arbeit in einem Sexshop: Ausweiskontrolle

Wie allgemein bekannt (sein sollte), ist das Betreten eines Sexshops nur für Volljährige erlaubt. Sieht jemand besonders jung aus, sind wir Angestellte dazu verpflichtet nach dem Ausweis zu fragen, um im entsprechenden Fall darauf hinzuweisen, dass Minderjährige keinen Zutritt haben.

Solche Ausweiskontrollen kommen allerdings ziemlich selten vor und wenn, dann sind die Gefragten in der Regel vor kurzem 18 geworden oder es stellt sich heraus, dass das jugendlich aussehende Mädchen eigentlich eine 27jährige Frau ist.  Und nein, ich habe noch nie einen Grund zur Annahme gehabt, der Ausweis wäre gefälscht. Nichtsdestotrotz gibt es auch welche, die ihren Ausweis nicht dabei haben. Zumindest behaupten sie das. Entweder sei er verloren oder vergessen. Meistens zu Hause, aber manchmal auch im Auto, was mir wohl suggerieren soll, dass die Volljährigkeit doch klar sei, wenn man schon ein Auto hätte. Leider ist das Auto immer ganz weit weg geparkt worden, sodass ich dann gebeten werde, ich möge doch bitte ein Auge zudrücken. Was ich nicht mache. Nie. Selbst wenn nicht jeder gleich kooperativ ist. Viele diskutieren nämlich, werden aufbrausend, drohen mit einer Beschwerde, oder versprechen auch mal viel zu kaufen und ein gutes Trinkgeld zu geben. Es nützt nichts. Wer minderjährig aussieht und sich nicht ausweisen kann, verlässt den Laden. Ohne Ausnahme. Wir sind immerhin kein Schnapsladen.

Man könnte also sagen, dass Ausweiskontrollen relativ unspekatkulär seien. Allerdings nur, wenn es nicht die berühmten Ausnahmen gäbe, die mich immer wieder mit der Frage konfrontieren: Bin ich ein Freak-Magnet?

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Ein junger Mann betritt den Laden. Er sieht sehr jung aus, also beschließe ich sofort, ihn nach dem Ausweis zu fragen.
Entschuldigung, könnte ich bitte deinen Ausweis sehen?
Sorry, ich komm nicht von hier, sagt er und wendet sich von mir ab, um in den Regalen zu stöbern. Habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt? Habe ich genuschelt?
Ähm… Entschuldigung? Höflich bleiben und den Dialog suchen. Er aber dreht daraufhin den Kopf leicht zu mir und schaut mich an. Mehr nicht. Vielleicht kann er ja unsere Sprache nicht so gut, also gehe ich auf Nummer sicher und frage freundlich nach:
Kannst du mich verstehen? Doch die Reaktion auf diese Frage erübrigt eigentlich jede Antwort. Sichtlich verwirrt sagt er:
Hä? Ja, wieso denn? Gut, dann also einfach nochmal:
Kann ich bitte deinen Ausweis sehen?
Ich hab’s doch schon gesagt, bin nicht von hier. Das Ganze in einem gereizten Ton, während er sich erneut von mir abwendet und weiter die Ware begutachtet. Was zum…?!
Willst du mich verarschen? Ich will wissen, ob du schon 18 bist. Ich beweise, dass ich ebenfalls einen gereizten Ton an den Tag legen kann. Er dreht sich stirnrunzelnd wieder zu mir um.
Ja, bin ich, was soll das denn jetzt?
Kannst du mir dann bitte deinen Ausweis zeigen?
Ungern. Sorry. Na wenn das so ist… Ich schiebe meine Augenbrauen nach oben und stütze mich mit beiden Händen auf meine Theke ab:
Dann muss ich dich leider bitten zu gehen.
Hä? Wieso denn?
Du siehst mir etwas jung aus und wenn du mir nicht beweisen kannst, dass du schon volljährig bist, dann musst du leider gehen.
Hä? Ich bin 21, was soll das?
Dann zeig mir deinen Ausweis. Mir geht an dieser Stelle der Gedanke durch den Kopf, dass ich viel zu geduldig bin.
Du hast keine Berechtigung meinen Ausweis zu kontrollieren! Oh ja, viel, viel zu geduldig.
Meine Fresse, wer sagt denn was von Berechtigung? Entweder du zeigst mit deinen Ausweis oder du gehst, ganz einfach. Ich kann gerade noch so die Worte “ du dummer Freak“ hinunterschlucken. Wild gestikulierend und mit lauterer Stimme sagt er daraufhin:
Ich geb‘ dir doch nicht meinen Ausweis. Ich weiß doch gar nicht wer du bist! Ich werde ihn umbringen. Der Richter wird es verstehen und mich freisprechen. Ganz bestimmt. Trotzdem siegt der Gutmensch in mir:
OK, verpiss‘ dich. Raus!
Boah, echt jetzt, auf so ’ne Nazi-Scheiße hab ich eh kein Bock! Tschüss!

Oh, Mann… Ich fasse mir an den Kopf und muss an eine andere skurrile, aber sehr kurze und harmlose Ausweis-Geschichte denken, die einer meiner Kollegen mit einem südländisch aussehenden Jugendlichen erlebte. Nach dem Ausweis gefragt, antwortete dieser:
Ausweis? Ey, isch bin Türke! Mein verwirrter Kollege rechnete schon mit den wildesten Diskussionen, aber dem war nicht so. Schön, kann ich trotzdem deinen Ausweis sehen? fragte er, worauf der Jugendliche zugab keinen zu besitzen und den Laden verließ.

Nur ich musste mal wieder an einen abosluten Volltrottel geraten.

Danke.

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