Unheimliche Begegnung der päpstlichen Art

Die französische Frühstückskultur in allen Ehren, aber die besten Croissants der Welt gibt es trotzdem nicht bei den erotisch sprechenden Nachbarn im Südwesten, sondern in Vatikanstadt. In einer kleinen Bäckerei an der Ecke hinter dem Petersdom. Behauptet auch Bernd das Brot. Und der muss es ja schließlich wissen.

So fuhr ich also auch am letzten Wochenende mal wieder in die lustige Katholikenhauptstadt, um mich mit dem leckeren Backwerk einzudecken, doch diesmal sollte meine kulinarische Einkaufstour etwas ganz besonderes werden: Als ich nämlich meine Lieblingsbäckerei mit einem prallgefüllten Weidenkörchen verließ und über den Petersplatz zurück zu meinem Auto schlenderte, bemerkte ich einen älteren Mann in einer weißen Soutane, mit einer weißen Mozzetta über den Schultern, einem weißen Pileolus auf dem Kopf und einem an einer goldenen Schnur hängenden Pectorale um den Hals, der gezielt auf mich zukam und beim ersten Blickkontakt zu verstehen gab, dass er mich wohl sprechen möchte. Was wollte er bloß?

Ich verlangsamte meinen Gang und schaute mich vorsichtshalber um, ob der zugegebenermaßen unheimliche alte Mann vielleicht doch nicht mich meinen könnte. Dem war aber nicht so. Um fünf Uhr morgens waren außer uns nur noch verfettete Tauben auf dem Platz. Also drückte ich mein Körbchen fest an mich und blieb vorsichtig stehen. Weglaufen würde das Ganze vielleicht nur schlimmer machen. Ich rechnete mit allem. Diese Gegend soll ja nicht gerade die friedfertigste sein und der alte Mann sah mit jedem Schritt, den er näher kam, furchteinflößender aus. Besonders die Blut unterlaufenen und tief in den Höhlen sitzenden Augen ließen ihn mehr als düster erscheinen. Und hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich der festen Überzeugung gewesen, dass da kein Mensch, sondern ein Sith-Lord auf mich zukommt. Daraufhin erklang in meinen Gedanken leise der „Imperial March“…

Doch dann passierte es: Er lächelte. Tatsächlich. Und einen Meter vor mir sprach er mich an:

Grüß Gott. Sagen Sie, sind Sie nicht dieser Paramantus?

(überrascht) Das kommt drauf an wer das wissen will.

Ich bin’s. Der Josef.

Der Ratzinger Josef.

Aus Bayern.

Oh Gott.

NIcht ganz.

Hm?

Benedikt.

Wer?

Der Papst.

Natürlich sind Sie der Papst. Ich habe nur bis zuletzt gehofft, Sie wären ein verkleider Rabbi.

Das kommt sicher vom Fernsehen. Da sehe ich viel dicker aus.

Was Sie nicht sagen…

Nicht so zögerlich.

Wie bitte?

Sagen Sie ruhig, dass ich schlank bin.

Das werde ich ganz gewiss nicht.

Bitte..

Nein.

Kommen Sie schon…

Nein.

Bitte Bitte. Für das kleine Jesulein…

(seufzt) Von mir aus… Ja, Sie sind ungemein schlank, Sie haben eine tolle Figur und Sie machen alle Frauen schwach.

Na, das war jetzt aber zuviel des Guten.

Entschuldigung. Ich meinte natürlich Knaben.

(lächelt) Mal Chorknabe gewesen?

Was?

Was?

(verstört) Was war das mit dem Chor?

Nichts… (räuspert sich) Wie geht es Ihnen denn so?

Sie meinen abgesehen davon, dass in so vielen Ecken dieser Welt Krieg herrscht, es noch kein Heilmittel gegen Krebs und Aids gibt, meine Brötchen kalt werden, mir vor einer Stunde eine Taube – gewiss eine protestantische – ein unschönes Geschenk auf meiner Jacke hinterlassen hat und ich mich um fünf Uhr morgens mit einem verrückten alten Mann unterhalte? Schlecht, mein Herr.

(besorgt) Oh, darf man fragen warum?

Das hat mir die Taube nicht gesagt.

Ähm…

(verdreht die Augen) Vergessen Sie’s. Ich glaube davon verstehen Sie nichts: Frauengeschichten…

Oh doch, ich verstehe sehr gut.

(hebt eine Augenbraue) Ach ja?

Ja, mir geht es nämlich aus ähnlichen Gründen schlecht.

Jetzt bin ich aber mal gespannt.

Keine Frauengeschichten. (lacht laut)

(ernst) Diese Art Humor hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut.

Nur weil ich Papst bin?

Nein, weil sie Bayer sind.

(grimmig) Na, jetzt aber. Werden Sie nicht frech, junger Mann.

Glauben Sie mir, wäre ich frech geworden, hätte ich Sie beschuldigt Bambis Mutter erschossen zu haben.

Ha! Sie sind ja ein richtiger Witzbold. (lacht)

(ganz ernst) Oh ja. Die totale Witzigkeit.

Ach, glaub ich Ihnen nicht.

Was hat mich verraten?

Nun… Ähm…

Geben Sie sich keine Mühe. Wir wollen doch nicht, dass Sie aufgrund zuviel Denkens einen Schlaganfall bekommen.

(leicht mürrisch) Wir fürsorglich.

Nein. Ich habe bloß keine Kamera dabei.

Sie sind ein alter Griesgram, wissen Sie das?

War mir neu.

Warum stehen Sie überhaupt noch hier?

Ich stehe gerne neben Päpsten, um mich meiner Überlegenheit zu erfreuen.

Was reden Sie denn da? Ich bin Gottes Stellvertreter auf Erden.

Eben.

(kratzt sich verständnislos am Kopf) Das war wieder ein Scherz, nicht wahr?

Was meinen Sie mit „wieder“?

Also jetzt reicht’s. Passen Sie gut auf. (er streckt seine Arme seitlich aus und schüttelt locker die Hände. Dann greift er sich an die Ohren und… zieht sein Gesicht ab. Es war eine Maske. Vor mir steht plötzlich… Uri Geller!)

Ha! Da staunen Sie aber!

In der Tat. Ich dachte Sie wären tot.

Wie bitte? Warum sollte ich tot sein?

Nach ihrer schrecklichen Sendung auf ProSieben Anfang des Jahres, habe ich fest damit gerechnet, dass Sie irgendein „Fan“ niederschlägt und dann erhängt.

Aber…

(Ich schaue auf meinen Korb voller Backwerk) Mein lieber Uri, mögen Sie frische Croissants?

Ja. Waru-mmmmpffmmpfmmmpmmpfmpfmmmmpfmmm… Hilf-mmmmemmpfmm…