Tränen gegen Eisglätte

Der Winter hat es sich in Deutschland bequem gemacht. Und er denkt anscheinend nicht daran so bald wieder zu verschwinden. Wie ein fetter Nachbar, der es irgendwie geschafft hat, sich selbst zum Essen einzuladen, weil es aus unserer Küche so lecker nach Schmorbraten duftet. Und so kommt es dann in beiden Fällen, wie es kommen muss: Das Salz wird knapp.

So auch in diesem Jahr. Mehrere Gemeinden ließen diese Woche verlauten, dass ihnen das Streusalz demnächst ausgehen könnte, wenn es weiterhin so kalt bleibt. Ein Schock. Denn sollte diese Befürchtung tatsächlich eintreten, wären die Folgen nicht auszudenken: Die bisher nötige neun Zentimeter dicke Salzkruste auf den Straßen könnte innerhalb nur weniger Tage auf drei Zentimeter schrumpfen. Für Autofahrer würde dies ein unglaubliches Sicherheitsrisiko darstellen. Denn nicht mehr alle fünf Kilometer halten zu müssen, um Scheiben und Scheinwerfer von Salzablagerungen zu befreien, käme einer unnötige Aufforderung zum Rasen gleich. Fatal.

Um diesem Schreckenszenario jedoch zuvorzukommen, schlagen Streu-Experten vor, mit Menschentränen zu salzen. Hierzu sollen große Trauermärsche organisiert und über Straßen und Autobahnen gejagt werden. Und jeder kann teilnehmen. Um nicht nur auf trauernde Witwen, durch die Prüfung gerasselte Studenten, FC-Köln-Fans und SPD-Wähler angewiesen zu sein, soll nämlich – nach iranischem Vorbild – großzügig Tränengas eingesetzt werden. Je nach Erfolg dieser Aktion, wären dann auch spezielle Event-Trauermärsche für bestimmte Zielgruppen denkbar. So gäbe es beispielsweise die Möglichkeit, den Tod von Robert Pattinson zu verkünden, um speziell junge Mädchen anzusprechen. Oder die Regierung wird von der Streusalzlobby zum Rücktritt gedrängt. Freudentränen erfüllen immerhin den gleichen Zweck.

Allerdings warnen mehrere Warn-Experten davor, dass zu viele Menschentränen schlecht fürs Ökosystem seien. Denn die salzige Flüssigkeit kann in großen Mengen den Boden unfruchtbar machen. Deswegen gibt es in Ostdeutschland schließlich auch so viele karge Landschaften.

Zunächst müssen wir jedoch abwarten, ob die Streusalzreserven des Landes wirklich zu Neige gehen. Wer aber sichergehen möchte, kann seine Tränen ruhig schon mal in Gläser sammeln. Gründe zum Weinen hätte man zur Zeit durchaus genug.

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