Sotschi: Geldstrafe fürs Trauern

Sotschi - Trauern verboten

Sotschi. Weil die norwegischen Langläuferinnen mit einer schwarzen Armbinde des verstorbenen Bruders einer Teamkollegin gedacht haben, sprach das Internationale Olympische Komitee gegen die norwegische Olympia-Mannschaft eine Rüge aus.

„Unerhört, unverständlich, unfassbar. So darf man nicht reagieren“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach zu der Tat der Norweger. „Das ist völlig umnachtet, eine Riesendummheit“, beschwerte sich auch Olympia-Gastgeber Wladimir Putin über die Athleten. Schließlich sei das Reglement klar und deutlich: Regel 50.3 verbietet dort jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda“ an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder in anderen olympischen Bereichen. Das bedeutet laut IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau, dass Gefühlsregungen grundsätzlich verboten sind. In Russland besonders. Sie betonte: „Die Wettkampfstätten, in denen die Atmosphäre festlich ist, sind nicht der richtige Ort für Trauer.“

Das norwegische Team darf somit froh sein, dass es lediglich mit einer Rüge davongekommen ist. Hätte jemand von den Athleten geweint, wäre nämlich auch noch eine Geldstrafe fällig gewesen. Die Höhe variiert dabei, je nach Anzahl der Tränen bzw Ausdruck der Trauer.

Athleten sollten es weiterhin unterlassen, allzu großzügig mit dem Peace-Zeichen umzugehen, eine Faust in die Höhe zu strecken oder mehr als 15 Sekunden am Stück mit offenem Mund zu lachen.

Während Wettkämpfen verboten sind zudem Luftküsse, die ebenfalls eine Rüge nach sich ziehen können, wobei Wladimir Putin für Sotschi eine Ausnahme dieser Regelung erzielen konnte: Luftküsse, die gleichgeschlechtlichen Teamkollegen zugeworfen werden, führen zum sofortigen Rauswurf. Welche Konsequenzen ein echter Kuss während eines Wettkampfs haben würde, wollte das IOC uns nicht verraten.

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