Schweinegrippe: Das Ende eines Superstars

Erinnern Sie sich noch an Daniel Schuhmacher? Wir auch nicht. Dennoch war er mal der von RTL gecastete Superstar des Jahres 2009. Anfangs gefeiert wie eine Königin und medienpräsenter als alle blanken Busen in der Bildzeitung zusammen. Doch der Glanz währte nicht lange. Er verblasste sehr schnell. Schneller sogar als Politiker Wahlversprechen vergessen. Und heute ist Daniel Schuhmacher nur noch eine unbedeutende Randnotiz im großen Almanach der schlechten Fernsehunterhaltung. Wenn überhaupt.

Und nun erlebt auch schon die nächste Krankheit die düstere Endphase eines künstlich erzeugten Ruhmes: Die Schweinegrippe. Anfang des Jahres von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus Tausenden Kandidaten gecastet, war sie noch bis vor einem Monat in aller Munde. Inzwischen taugt sie jedoch höchstens noch für oberflächlichen Small-Talk. Damit ereilt sie gerade das gleiche Schicksal wie etliche Superstars vor ihr: BSE. Die Vogelgrippe. Thomas Godoj. Und die schon beinahe völlig vergessene Maul- und Klauenseuche (Alexander Klaws). Sie alle waren Stars, die Millionen begeistert haben. Doch sie alle gerieten schließlich in Vergessenheit, weil ihr Talent von gierigen Hintermännern ausgebeutet wurde und stets der nächste Superstar in Szene gesetzt werden musste.

In der sensationswütigen Medienlandschaft ist nun mal der Platz für austauschbare Starkonzepte äußerst begrenzt.

Dennoch kann die Schweinegrippe auf eine schöne Zeit zurückblicken, die ihr definitiv niemand mehr nehmen kann. Sie erzeugte Titelschlagzeilen am laufenden Band, stand Pate für moderne Gruselmärchen und war Gesprächsthema auf jeder Party. Und obwohl das Virus die Nation in euphorische Fans und notorische Hasser gespalten hat, konnte es aufgrund seiner hohen Ansteckungsrate zumindest in einer Sache allen recht machen. Jeder hatte nämlich die gleiche Chance sich anzustecken. Und diese praktizierte Gleichberechtigung fand sogar unter Grippegegenern Anerkennung.

Die Vermarktung der Schweinegrippe mit den dazugehörigen Merchandiseartikeln (Mundschutzmasken, Impfstoffe, Gegenmittel) scheint jeodch bereits sehr früh aus dem Ruder gelaufen zu sein. Es wurde einfach alles zu viel. Auf sich allein gestellt hätte die Schweinegrippe möglicherweise noch Fuß fassen können, aber unter den Managern und Beratern der Pharmaindustrie gedieh das Virus viel zu schnell, um tiefe Wurzeln schlagen zu können. Die Menschen hatten sich sattinfiziert.

Was wird nun aus der Schweinegrippe? Versucht sie womöglich zu mutieren, um ihre Karriere nochmal anzukurbeln? Oder zieht sie sich sogar ganz aus der Öffentlichkeit zurück, um Theater zu spielen?  Alles ist denkbar, doch niemand kann es gewisslich sagen.  Fest steht nur: Der nächste Superstar kommt bestimmt.

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Noch mehr Schweinereien gibt es auch beim Postillon.

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