Prügelstrafe

Den Lehrer unerlaubt duzen, ihm in seiner Gegenwart unschöne Spitznamen verpassen, ihm ins Wort fallen, ihn beleidigen oder schlicht ignorieren. In der Schule scheint Respektlosigkeit durchschnittlicher Alltag geworden zu sein. Und Lehrer sind zur Untätigkeit verdammt und dazu gezwungen ihren Frust über die vielen manierlosen Taugenichtse und dummdreisten Gangsterschlampen hinunterzuschlucken. Vorbei sind die Zeiten, als man frechen Schülern eins mit dem Stock verpassen oder sie im Schrank einsperren durfte.
Man traut sich nicht einmal mehr den Mund aufzumachen, denn sonst hat man ganz schnell Ärger am Hals. Schließlich können heutige Schüler zwar austeilen aber nichts einstecken, sodass sie dem Lehrer – sollte dieser es wagen seine Schüler zurechtweisen zu wollen – mal eben die Reifen zerstechen oder ihm Zuhause die Fensterscheiben einschlagen. Im besten Fall. Im schlimmsten Fall heulen sie sich bei ihren Eltern aus und der Lehrer muss dann das dumme Geschwätz noch dümmerer Eltern ertragen, wenn es heißt, was für liebreizende Engel doch die Kinder wären und wie es denn sein kann, dass so ein Rüpel und Umensch unterrichten dürfe. Bei soviel Unsinn können Lehrer immer froh sein, wenn ihnen nur die Ohren bluten und nicht plötzlich das Verlangen bekommen Selbstmord zu begehen. Oder Amok zu laufen.

Nicht so in Ägypten. Da ist die Welt nämlich noch in Ordnung. Als ein 17jähriger Schüler nach wiederholter Aufforderung nicht aufhören wollte, den Unterricht mit privaten Gesprächen zu stören, hat dessen Lehrer das einzig richtige gemacht und ihn getötet. Mit mehreren Tritten. Leider hat er dadurch gegen das Gesetz verstoßen, denn er hätte dafür eine Waffe benutzen müssen. Zwar gelten Schuhe nicht erst seit der Attacke auf George W. Bush als gemeingefährliche Waffen, doch trifft das nicht zu, wenn sie noch am Fuß getragen werden.

Nun hat dieser Fall aus Ägypten aber auch in Deutschland die Frage wieder aufgeworfen: Sollten Lehrer zuschlagen dürfen? Sollte es erlaubt sein, Schülern und Schülerinnen, die im Unterricht lieber Karten spielen, sich schminken, Musik hören und für ihre Lehrer nur schnippische Kommentare übrig haben, die Nase zu brechen? Oder wenigstens den Arm? Zumindest sollte man sich als Lehrkraft nicht mehr alles gefallen lassen. Die Schule ist nun mal nicht der Bundestag.

Unterstützung für das Recht zuschlagen zu dürfen, bekommt die Lehrergewerkschaft von der Deutschen Bahn. Dort hat man mit strenger Erziehung bereits gute Erfahrungen gemacht. Freche Jugendliche werden einfach ausgesetzt. So lernen sie nicht nur die Bedeutung von Konsequenzen kennen, sondern erfahren unter Umständen auch, was es bedeutet auf eigenen Beinen zu stehen, wenn der Nachhauseweg mehrere Stunden dauert.

Nun könnte man anführen, dass es sowas ähnliches, nämlich den Schulverweis, schon gibt. Doch müsste man hier viel praktischer denken, um einen Erfolg erzielen zu wollen:
Statt einen Schüler nur im übertragenen Sinne von der Schule zu schmeißen, sollte man diese Maßnahme lieber wörtlich nehmen. Macht einer Ärger, wird er einfach aus dem Fenster geworfen. Und für ganze harte Fälle ruft man den Hausmeister, der mit dem Schüler im Schwitzkasten aufs Dach steigt und ihm dann zeigt, was er doch für ein hoffnungsloser Fall ist. Natürlich ebenfalls wörtlich genommen.

Wäre das nicht wunderbar?