Protokoll des Leidens

Nimm dich in Acht, Welt. Die Grippe ist so gut wie besiegt. Ich fühle, wie mein Körper sich mit Leben vollsaugt, als wäre er eine atmungsaktive Monatsbinde. Wäre übrigens ein interessantes Karnevalskostüm, was aber nicht Gegenstand dieses Artikels werden soll. Vielmehr möchte ich meinen Lesern einen Anblick in die vergangenen Tage geben, vom Anfang bis zum nahenden Ende meines krankheitsbedingten Leidensweges.

Montag, 16. Februar 2009

Ich wache mit schreklichen Gliederschmerzen auf, obwohl ich am Abend zuvor nichts getan habe, was sie erklären könnte. Oder sollte ich mich vielleicht doch mit den drei Frauen ein wenig übernommen haben? Ach nein, das war ja nur ein Traum.

Mittags kommen Kopfschmerzen und Schwindel hinzu. Etwas, das ich bis dahin noch nie zuvor hatte. Darüber hinaus macht sich ein leichtes Schwächegefühl in meinem Körper breit. Es ist an der Zeit mir einzugestehen, dass ich krank bin. Das Problem: Heute helfe ich einer Freundin bei einem Filmprojekt. Im Schnee. Und Nein, dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Schweinereien. Ich meine: Im Schnee? Geht’s noch?
Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass es nicht so schlimm sein kann bei Minusgraden in der Wildnis herumzustehen, also ziehe ich das Projekt durch. Ergebnis: Kurz nachdem ich meine Wohnung verlasse, habe ich das Gefühl, dass mein Kopf explodiert. Helligkeit und Geräusche verschlimmern das Ganze noch, aber ich bin ja kein Weichei, sondern nur ein Volltrottel, der mit seiner Gesundheit spielt.

Abends gehe ich mit starkem Fieber, Schüttelfrost und den immer noch vorhandenen Schmerzen ins Bett. Dafür wird irgendjemand noch büßen!

Dienstag, 17. Februar 2009

Ein Wunder. Nach fast 15 Stunden Schlaf voller Albträume sind die Schmerzen weg. Habe nur noch ein wenig Fieber und fühle mich stark geschwächt. Ich werde die Wohnung aber nicht mehr verlassen, bis ich wieder gesund bin.

Ich rufe ein paar Leute an und jammere.

Im Laufe des Tages beginnt meine Nase zu laufen. Ich langweilie mich. In den PC-Bildschirm zu starren, tut nach kurzer Zeit weh. Auch Lesen strengt zu sehr an, als dass ich mir damit die Zeit vertreiben könnte. Es bleibt nur das Fernsehen. Aus entsprechender Entfernung ist es durchaus erträglich. Zumindest physisch. Geistig schmerzt das Programm bis ins Mark. Lenkt aber immerhin ab.

Abends kommt eine Freundin mit Obst vorbei. Ich bin leider zu krank, um mich richtig zu bedanken.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Ich kann wieder vor dem PC sitzen. Während die Zunft der Augenärzte frohlockt, passiert was furchtbares: Beim Chatten mit einer Freundin bekomme ich Geschichten mit lesbischem Inhalt zu hören und… Nichts. Weder bildete sich ein dämliches Grinsen in meinem Gesicht, noch setzte ein Kribbeln in der Lendengegend ein. Nichts. Ich fange an, mir ernsthafte Sorgen zu machen.

Meine Nase läuft wie ein Wasserfall. Um sie nicht wund zu scheuern, stopfe ich Klopapier hinein und warte, bis es sich vollgesaugt hat.

Ich rufe ein paar Leute an und jammere.

Morgen muss ich arbeiten. Habe zwar keine Lust, aber ich bin ja kein Weichei, sondern nur… Sie wissen schon.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Ich werde schon um fünf Uhr morgens wach, zwei Stunden zu früh. Ich schalte den Fernseher ein und höre mir von einem animierten Maulwurf namens Mauli an, dass ich scheiße bin. Toll, mal wieder bietet mir das Fernsehen nichts neues.

Im Bus zur Arbeit stelle ich mit Entsetzen fest, dass wir den sogenannten Weiberdonnerstag haben. Es steigen nämlich immer mehr verkleidete Kinder und Jugendliche ein. Es ist acht Uhr in der Früh. Sind die irre? Unterwegs überlege ich, ob es nicht besser gewesen wäre zu Hause zu bleiben.

Mein Dienst verläuft ruhig. Die Karnevalsidioten kommen immerhin nur Abends. Trotzdem ist es anstrengend konzentriert – und wach – zu bleiben. Ich habe mich eindeutig überschätzt. Die Schmerzen kehren zurück.

Ich rufe ein paar Leute an und jammere.

Nach meiner Ablöse kann ich endlich nach Hause fahren und sterben. Das tue ich auch scheinbar, denn mir bleibt nur Kraft, um Mantel und Schuhe auszuziehen, bevor ich mich ins Bett fallen lasse. Eine halbe Stunde liege ich fröstelnd da, mit Fieber und unterträglichen Kopfschmerzen. Dann endlich kann ich mich zusammenreissen um etwas dagegen zu tun: Ich rufe ein paar Leute an und jammere.

Ich erinnere mich daran, dass ich noch irgendwo Schmerzmittel haben müsste. Dummerweise ist die unangebrochene Packung Paracetamol, die ich finde, schon Mitte 2006 abgelaufen. Das kommt davon, wenn man sonst nie krank wird.

Abends kommt eine andere Freundin vorbei, um mir Suppe zu machen. Bin leider immer noch zu schwach, um mich zu bedanken.

Absoluter Tiefpunkt: Ein Schwindelanfall, der mich stürzen lässt. Glücklicherweise kann ich mich auf das nahegelegene Bett retten. Ich liege da und denke an Maulis Worte von heute Morgen…

Freitag, 20. Februar, 2009

Die Schmerzen sind teilweise verschwunden. Ebenso das Fieber. Nur die Nase läuft noch ein wenig. Ich habe aus dem Rückschlag gestern jedoch meine Lehren gezogen und sage bei der Arbeit meinen Dienst für Samstag und Sonntag ab.

Ich verbringe den ganzen Tag im Bett.

Ich rufe meine Mama an und jammere.

Samstag, 21. Februar, 2009

Wäre ich Donnerstag nicht arbeiten gegangen, hätte ich die Grippe wahrscheinlich schon überwunden, denn ich fühle mich erstaunlich gut. Die Symptome sind fast alle nicht mehr vorhanden. Ein leichter Reizhusten und das Gefühl von Schwäche, das ist alles, was geblieben sind.

Jetzt heißt es einfach nur: Regenerieren. Und diesen Artikel hier zu Ende schreiben…

Man liest sich.