Fundstücke
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Mitt Romney entschuldigt sich für politisch korrektes Verhalten

Bei der offiziellen Ernennung von Mitt Romney als Präsidentschaftskandidat der Republikaner kam es zu einem Zwischenfall, der kein gutes Licht auf den neuen Hoffnungsträger der konservativen Partei wirft. Zwei Männer bewarfen eine schwarze Kamerafrau mit Nüssen und riefen ihr hämisch zu: “So füttern wir Tiere”. Sicherheitskräfte entfernten die beiden Männer daraufhin vom Gelände.

Nachdem mehrere Zeugen und auch der Veranstalter des Parteitags den Übergriff bestätigt haben, sah sich Mitt Romney, übezeugter Kreationist und Tierquäler, zu einer Stellungnahme gezwungen. Er bedauere den Vorfall sehr und werde persönlich dafür sorgen, dass bei den nächsten Parteiveranstaltungen keine schwarzen Angestellten mehr zugelassen werden.

Romney weiter: “Ich entschuldige mich aufrichtig bei den zwei Männern, die als stolze Amerikaner ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Was da passiert ist, widerspricht eindeutig dem, was wir als neue Republikaner vertreten. Ich habe einen Traum. Ich träume von einem Amerika, in dem niemand eingreift, wenn Schwarze oder Latinos mit Nüssen beworfen werden. Einem Amerika, in dem Arme endlich dafür bestraft werden, dass sie arm sind. Einem Amerika ohne Homosexuelle. Einem Amerika, in dem einzig das Wort Gottes herrscht. Durch mich.”

Als Entschädigung wird es bei den nächsten republikanischen Veranstaltungen kostenlos Nüsse für die Zuschauer geben. Ebenso sei für den letzten Parteitag vor der Wahl eine Steinigung geplant. Hohe Parteimitglieder werden dann eine schwarze, homosexuelle, atheistische abtreibungsbefürwortende Imigrantin erschlagen, und zwar mit Steinen, die von Grundschulkindern in den Farben der US-Flagge bemalt wurden.

Ob dies schlussendlich reicht, um die Gunst der Wähler zu gewinnen, wird sich noch zeigen müssen. Mitt Romney hatte immerhin bereits viele Menschen verprellt, als er sich von Todd Akin distanziert hatte, dem republikanischen Senatskandidaten, der behauptete, Vergewaltigungen würden keine Schwangerschaften verursachen. Glücklicherweise zeigt sich, dass Romney und sein Vizekandidat Paul Ryan trotzdem mit Akin einer Meinung sind, da sie nachwievor an dem Programmpunkt festhalten, Abtreibungen selbst nach einer Vergewaltigung illegal zu machen.

Noch mehr Wahlkampf: Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords lässt sich frewillig in den Kopf schießen.

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Von der Arbeit in einem Sexshop: Li-Onn

Sie hört nie auf, die Freak-Parade… Welch ein Glück, man käme sonst noch auf die Idee, an den falschen Job geraten zu sein. Auf der anderen Seite kommt man hin und wieder schon ins Grübeln und eine gewisse Schwermütigkeit macht sich breit, wenn man begreift, wieviele Deppen es eigentlich auf der Welt gibt.

Es ist später Abend, ein hagerer Mann kommt herein, grüßt mich wortlos mit einem Nicken und schaut sich um. Das geht dann so eine Weile, bis er, ohne sich mir zuzuwenden, von weiter weg etwas sagt. Ich blicke in seine Richtung, weil ich annehme, er hätte mit mir gesprochen und warte, dass er nochmal etwas sagt. Tut er aber nicht. Auch stellt er kein Augenkontakt her, sondern nimmt DVD nach DVD in die Hand, um sie konzentriert zu studieren. Na gut, also kann ich weiter in meine Zeitschrift blättern. Glaube ich zumindest, ich dummer, naiver Junge. Der Mann sagt erneut etwas, das so ähnlich klingt wie: Schwamman Li-Onn.

Ich bin verwirrt. Zum einen, weil ich mir unsicher bin, was er da gerade gesagt hat und zum anderen, weil ich nicht weiß, ob er mit mir oder sich selbst gesprochen hat. Ich gehe auf Nummer sicher und gebe ein desinteressiertes Aha zum Besten. Das muss reichen. Zu mehr kann ich mich einfach nicht überwinden. Der Mann begutachtet weiterhin die DVDs und ignoriert mich scheinbar. War geil. War auch son Laden da. War geil. Echt geil. Ich überlege kurz, ob ich das kommentieren soll, entscheide mich aber dagegen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, einfach weiterzusprechen. Immerhin ist das Ganze sowieso nicht an mich gerichtet, wie mir scheint. Tolle Filme. Unso bilsch. Das sollte wohl “und so billig” heißen, so viel hab ich verstanden. Unbewusst gebe ich ein weiteres Aha von mir. Und dann hebt er schließlich seinen Blick und schaut in meine Richtung. Du?

Wie bitte? Ich? Ich was? Mein Gesichtsausdruck verrät wohl meine Ratlosigkeit, denn der Mann wiederholt sich und fügt noch hinzu: Du? Warsschoma in Li-Onn?

Ähm, ich glaube nicht. Okay, also er war mal in Li-Onn, sollte das ganz am Anfang wohl heißen. Und jetzt will er wissen, ob ich auch da war. Soweit so gut. Bleibt nur die Frage, was Li-Onn ist. Liegt das in Oz?

War geil. Echt geil. Tolle Stadt.

Li… Onn? Ich muss einfach nachfragen.

Kennste doch. In Frankreich. Und dann fällt der Groschen. Wenn er auch im Nachhinein früher hätte fallen können. Aber wenn man nicht so ganz bei der Sache ist, weil man sinnlose Kundengespräche zu vermeiden versucht, dann kommt es schon mal vor, dass man wie bekloppt auf dem Schlauch steht.

Ach, Lyon, meinen Sie. Und während ich mich innerlich darauf vorbereite, irgendwelche uninteressanten Geschichten über Lyon zu hören, ändert der Mann seinen Tonfall und sagt etwas, womit ich in der Situation wirklich nicht gerechnet habe.

Na, musst das nicht so fein aussprechen, wir sind doch hier in Deutschland, dann spricht man auch auf deutsch! Er ist sehr von sich überzeugt, während er das sagt. Vor allem “dann spricht man auch auf deutsch”. Was sein Deutschlehrer wohl zu diesem Satz sagen würde? Zumindest lacht der Mann daraufhin zufrieden und ich überlege, was oder ob ich was dazu sagen soll. Ich entscheide mich schließlich für ein kurzes Aha, in Gedanken gefolgt von: Depp.

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Buchtipp: Nate Southard – Red Sky

HORROR

Es gibt einen weiteren Namen, den Horror-Fans sich merken sollten: Nate Southard. Mit seinem Erstlingswerk „Red Sky“ hat er es meiner Meinung nach geschafft einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen. Beim Stichwort „Horror“ reden wir jedoch nicht von schaurigem Grusel, sondern von ultrabrutalen Schockmomenten. Ist also definitiv nicht Jedermanns Sache. Genrefans werden jedoch ihre helle Freude daran haben. Versprochen.

Zum Inhalt: Danny und sein durchgeknallter Partner wollen eine Bank ausrauben, doch die Aktion geht gründlich schief und sie müssen teilweise schwer verletzt fliehen. Mit einer weiblichen Geisel im Schlepptau versuchen die Flüchtenden ihr Glück durch die Wüste von New Mexico. Dort stoßen sie auf eine stillgelegte und verlassene Fabrik, wo sie hoffen sich eine zeitlang verstecken zu können. Doch schon bald tauchen plötzlich Militärhubschrauber und schwerbewaffnete Soldaten mit Gasmasken auf, die zuerst schießen und dann fragen. So viel Aufwand wegen einem verpatzten Bankraub? Wohl kaum. Und langsam stellt sich nach und nach heraus, was da wohl in Wahrheit gespielt wird und dass das Militär noch das kleinere Übel für unsere Protagonisten ist. Denn in der Wüste um die Fabrik herum lauern blutdürstende Wesen, die alle Neuankömmlinge nicht gerade als Freunde betrachten…

Die Story ist zugegebenermaßen weder neu noch besonders originell. Sie ist aber unglaublich packend erzählt. Was als abgebrühter Action-Thriller beginnt, steigert sich immer mehr zu einem waschechten  Horror-Schocker. Das Buch erinnert dabei teilweise an Filme wie “The Hills Have Eyes” und “28 Days Later” und ist dementsprechend schonungslos, hart und brutal. Die Atmosphäre ist von einer dichten Spannung durchzogen und lässt das unfassbare Grauen in der Fabrik unglaublich lebendig wirken. Man hat tatsächlich das Gefühl mitten in einem blutigen Horrorfilm zu stecken.

Wer starke Nerven hat und dieses Genre (als Buch wie auch als Film) gerne mag, sollte hier definitiv zugreifen.

Taschenbuch (broschiert), 272 Seiten
Euro 13,95

 
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Buchtipp: Chris Carter – Der Knochenbrecher

THRILLER

Lust auf einen spannenden, temporeichen Thriller? Dann nehmen Sie ein Buch von Chris Carter in die Hand. In „Der Knochenbrecher“ lässt uns der junge Autor nun zum dritten Mal an der Seite seines Ermittlerduos Hunter und Garcia einen sadistischen Killer jagen. Und erneut darf man sich auf raffinierte Überraschungen und grausame Enthüllungen freuen.

Robert Hunter und Carlos Garcia werden auf den Plan gerufen, als in Los Angeles eine verstümmelte Frauenleiche gefunden wird. Bei der Obduktion stellt sich jedoch heraus, dass der Tod ganz anders eintrat als angenommen und dass sich zudem im Körper der toten Frau eine Bombe befindet. Und natürlich bleibt es nicht bei dieser einen Leiche. Nach und nach fallen dem Killer weitere Frauen zum Opfer. Hunter und Garcia müssen sich beeilen und nehmen somit auch dankend die Hilfe einer Privatdetektivin an, die den beiden tatkräftig unter die Arme greift.

Der Leser erlebt die Ermittlungen aus der Sicht von Hunter hautnah mit. Jeder noch so kleine Fortschritt wird wahrgenommen und fügt sich immer mehr zu einem großen Ganzen zusammen. Man leidet, fiebert und bangt mit den Protagonisten, die alles daransetzen, den grausamen Frauenmörder zur Strecke zu bringen. Dieser ist wie auch in den Vorgängern äußerst brutal, aber gleichzeitig auch sehr intelligent und in seinen Handlungen stets beherrscht. Das macht den Fall überaus spannend, da sich der Killer nicht die Blöße der Vorhersehbarkeit gibt und Hunter und Garcia mehr als alle Hände voll zu tun bekommen.

Da „Der Knochenbrecher“ bereits den dritten Fall für Hunter und Garcia darstellt, ist es natürlich empfehlenswert mit den beiden Vorgängern, „Die Kruzifix-Verschwörung“ und „Der Vollstrecker“, zu beginnen. Doch im Grunde ist es relativ egal, welches Buch man zuerst aufschlägt, da die Fälle in sich abgeschlossen sind. Lediglich die Protagonisten bekommen mit der Zeit immer mehr Tiefe.

„Der Knochenbrecher“ geizt nicht mit Gewaltdarstellungen, ist also absolut nichts für schwache Nerven. Gleichzeitig artet das Ganze jedoch nicht in Splatter aus, sondern zeigt lediglich schonungslos, zu welch Grausamkeit Menschen in der Lage sind. Chris Carter gelingt es dabei von Anfang an ein hohes Tempo zu fahren. In kurzen Kapiteln, die alle mit tollen Cliffhangern versehen sind, lässt er verschiedene Handlungen ablaufen und den Leser somit mehrere Schauplätze überblicken. Das führt dazu, dass man kaum eine Verschnaufpause bekommt und man sich ständig dabei erwischt, wie man sich vornimmt nur noch eben dieses eine Kapitel zu Ende zu lesen, bevor man doch eine Pause einlegt. Ach, und das nächste vielleicht auch noch, weil es doch so kurz ist, und dann noch eins, sind ja nicht viele Seiten. Bis man merkt, dass das Buch plötzlich fertig ist.

Nach diesem Buch werden Sie garantiert öfter und länger das Licht einschalten. Versprochen.

Taschenbuch, 416 Seiten
Euro 9,99

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Post an Wagner: Scott McKenzie

Lieber Scott McKenzie,

Wenn ein Lied die Welt verändert hat, dann war es Ihr „San Francisco“.

Sie sangen die Flower-Power-Hymne, das Revolutionslied der Blumenkinder. Im Alter von 73 Jahren sind Sie jetzt einsam in einem Apartment in Los Angeles gestorben.

Wie schrecklich enden Helden? Als Sie 1967 Ihr Lied sangen, begann eine glückliche Zwischenzeit. Make love, not war. Blumen im Haar. Es war eine paradiesische Unschuld. Es gab kein Aids. Die Pille hatte die Angst vor der Schwangerschaft beendet. Die Mädchen warfen ihre BHs weg, steckten sich Blumen an. Sie zogen sich Miniröcke und durchsichtige Batik-kleider an.

Es war eine Zeit, wo wir glaubten, dass Blumen die Welt retten.

Es war die Zeit als meine erste Freundin, sie war 17, mir erlaubte, den Bügel ihres Büstenhalters zu öffnen.

Es war die Zeit, die ich niemals vergessen werde.

Herzlichst,

Ihr F.J. Wagner

Lieber F.J.,

bis nach meinem Tod kannte ich dich überhaupt nicht, aber hier im Jenseits haben plötzlich alle Deutschlehrer angefangen wie verrückt zu rotieren, nachdem deine Kolumne erschienen ist. “Es war eine Zeit, wo wir glaubten, dass Blumen die Welt retten.” Starker Tobak, Wagner. Aber ich seh das nicht so tragisch, schließlich hast du ein ernsthaftes Alkoholproblem, wie ich aus den ganzen Kolumnen entnehmen kann. Und ich hab mir sagen lassen, dass die Zeitung, für die du schreibst, sowieso nur von Menschen gelesen wird, die nichts von Rechtschreibung verstehen. Oder, mit deinen Worten ausgedrückt: Menschen, wo sich nur für Skandale und Titten – oder noch besser: Skandaltitten – interessieren.

Gleichzeitig möchte ich gerne noch etwas loswerden, wenn ich schon dabei bin. Wie kommst du eigentlich darauf, ich sei einsam in einem Apartment gestorben? Erstens, jeder stirbt alleine, besonders wenn man wie ich am Guillan-Barré-Syndrom gelitten hat, einer ziemlich abgefuckten Nervenkrankheit. Zweitens würde ich gerne wissen, was für Apartments du kennst, wenn du mein Haus in den Hollywood Hills mit einer kleinen Einliegerwohnung vergleichst. Das mögen jetzt Kleinigkeiten sein, aber hey, ich bin tot, ich darf das.

Zu guter Letzt noch etwas, das mich ein wenig irritiert, wenn ich deinen Brief lese. Du schreibst, deine erste Freundin war 17 zu der Zeit. Wenn damit die Veröffentlichung von “San Francisco” gemeint ist, dann war das 1967. In diesem Jahr warst du 24. Das bedeutet, du hattest mit 24 deine erste Freundin? Und sie erlaubte dir was von ihrem BH zu öffnen? Die Bügel? Ich hoffe du meinst den Verschluss, denn für die Bügel bräuchtest du mindestens eine Heckenschere. Auf der anderen Seite gehen mich die sexuellen Spielarten von euch Deutschen nun wirklich nichts an. Und hey, es waren die 60er. Da hat man schon mal ziemlich verrückte Dinge ausprobiert. Ich wünschte nur ich wüsste noch welche…

Und jetzt fällt mir ein, was mich an an diesem Brief eigentlich die ganze Zeit gestört hat: Du schreibst über diese Zeit damals, als wärst dabeigewesen. Aber wer sich an die Zeit so gut erinnern kann, der war nicht wirklich dabei, Mann. Dass muss ich dir leider so sagen.

Peace,

Dein Scott McKenzie

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