Fundstücke
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Wer ist Mitt Romney?

Mitt Romney ist der neue Star am Kabaretthimmel. Der Mann, der im November nächster Präsident der USA werden möchte, hat sich gegen mehrere Kandidaten seiner republikanischen Partei als am wenigsten peinlich durchgesetzt und darf nun versuchen Barack Obama die Wiederwahl streitig zu machen.

Doch wer ist dieser Mitt Romney eigentlich? Und was macht ihn überhaupt so erwähnenswert?

Bekannt wurde der gläubige Momone, als er in einer Rede beiläufig erwähnte, er würde es mögen, in der Position zu sein, Leute feuern zu können. Später setzte er einen drauf, als herauskam, dass er als Multimillionär eigentlich zu wenig Steuern zahlt. Und spätestens als die Welt erfuhr, wie Romney zu seinen Haustieren steht, wurde er zu einer Goldgrube für die Unterhaltungsindustrie. 1983 fuhr Romney mit seiner Familie aus seinem Heimatstaat Massachusetts nach Kanada. Doch im vollgepackten Wagen war kein Platz für seinen Irish Setter. Also bastelte er einen Verschlag für das Autodach und überließ den Hund für mehr als tausend Kilometer der Sommerhitze und den Elementen. Selbst als der Hund per Durchfall und Übelkeit darauf aufmerksam machte, dass er die Reise nicht so abenteuerlich findet, handelte Romney sehr pragmatisch. Er hielt an, spritzte Käfig, Autodach und Hund mit einem Wasserschlauch ab und setzte die Fahrt fort.

Im Mittelpunkt steht Mitt Romney aber natürlich auch deswegen, weil er wohl die konservativste republikanische Partei aller Zeiten vertritt. Seine Bildungskampagne leitet beispielsweise Bobby Jindal, ein Kreationist, der die Evolutionstheorie am liebsten verbieten würde. Schlimm genug, dass so jemand Gouverneur von Louisiana ist, doch man stelle sich ihn zusammen mit Romney an der Spitze der USA vor. Weiter haben die Republikaner einen gewissen Todd Akin im Gepäck, der mit der Aussage Schlagzeilen machte, eine Vergewaltigung würde in der Regel keine Schwangerschaft nach sich ziehen. Akin spielte damit auf die Frage an, warum die Republikaner Abtreibung selbst im Falle einer Vergewaltigung illegal machen wollen. Übrigens ein wichtiger Punkt im republikanischen Parteiprogramm, obwohl Mitt Romney seine Millionen teilweise mit einer Firma, die abgetriebene Föten entsorgt, verdiente.

Nicht vergessen darf man natürlich Paul Ryan, Romneys Vize. Steuersenkungen für Reiche, Sozialkürzungen, Kampf gegen die Schwulenehe, mehr Geld fürs Militär. Der Mann weiß, wie er sich bei Hillbillies und Rednecks beliebt macht.

Romney und Ryan. Ein Paar, das man einfach lieben muss.

 
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Dreist: Katholische Kirche kontert Satire mit Realsatire

Satiriker auf der ganzen Welt schätzen die katholische Kirche als zuverlässigen Partner. Kaum eine andere Quelle bietet regelmäßig so qualitative Vorlagen für geschmacklose Witze. Die Satire und der schwarze Humor im Allgemeinen haben der katholischen Kirche viel zu verdanken. Diese langjährige Partnerschaft scheint jedoch plötzlich gefährdet zu sein, nachdem ein katholischer Geistlicher sich völlig unerwartet mit unglaublicher Realsatire über die Missbrauchsthematik an die Öffentlichkeit gewandt hat:

Pater Benedict Groeschel behauptete in einem Interview, dass Minderjährige die Priester oftmals verführen würden, was von Außenstehenden dann anders wahrgenommen werde. Weiterhin sei er davon überzeugt, dass die Kinder zwar nicht bewusst Sex mit einem Geistlichen planen, aber immerhin so etwas wie eine Romanze mit Küssen und Umarmungen. Als Grund für diese Annahme gibt er an, dass vielen Jugendlichen die Vaterfigur fehle. Deswegen plädiere er zudem dafür, dass Geistliche für ihren ersten Missbrauch nicht bestraft werden sollen. Schließlich sei es nicht ihre Absicht gewesen, ein Verbrechen zu begehen, so Groeschel.

Die Satirewelt steht Kopf und fragt verständnislos: Was hat sich der Geistliche nur dabei gedacht? Mit solchen Aussagen werden die Grenzen zwischen Satire und Realität regelrecht verwischt, so die einstimmige Kritik. Wenn die katholische Kirche damit weitermacht, könnte niemand mehr erkennen, ob es sich bei einer entsprechenden Meldung um schwarzen Humor oder einen Tatsachenbericht handelt.

Gerade die Behauptung Groeschels hätte als Witz erzählt einen vollen Konzertsaal unterhalten können, doch nun ist er von einer Sekunde auf die andere wertlos geworden. “Den können wir doch jetzt nicht mehr erzählen”, ärgern sich viele Kabarettisten. Auch Cartoonisten fühlen sich verraten und betrogen. Die Ergebnisse unzähliger Arbeitsstunden seien wie ausradiert – im wahrsten Sinne. Erste Zeitungen haben bereits Aufträge zurückgezogen. Paramantus ist natürlich ebenfalls empört und fürchtet sich wie so viele andere davor, viele tolle Ideen einfach fallen lassen zu müssen.

Es besteht die Gefahr, dass Kirchensatire auf dem tragischen Weg ist keine Satire mehr zu sein.

Doch nicht nur zukünftige Witze sind gefährdet. Laut Expertenmeinung dürften nun viele Beiträge auch nachträglich ihre Wirkung verlieren. Somit droht ein ganzer Humorzweig komplett abzusterben, sollte die katholische Kirche nicht bald einschreiten und Benedict Groeschel der Inquisition übergeben.

Grafiken: Copyright by André Sedlaczek bzw. Andreas Prüstel. Alle Rechte vorbehalten.

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Von der Arbeit in einem Sexshop: Leserbriefe #2

Liebe Steffi,

nein, musst du nicht. Die Körpergröße alleine ist nämlich nicht ausschlaggebend für die Penislänge. Wenn du es genau wissen willst, solltest du von Klausi noch ein paar Dinge in Erfahrung bringen. Die Penislänge berechnet sich nämlich aus der Körpergröße plus Gewicht, multipliziert mit dem Faktor 5, geteilt durch das Ergebnis aus dem Umfang des Halses plus die Schuhgröße. In eine Formel gepackt, sieht das Ganze wiefolgt aus:

Viel Spaß beim Rechnen!

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Lage in Syrien spitzt sich zu: Westen droht mit weiteren Drohungen

Es war eine Meldung, die westliche Staatschefs zu einer scharfen Reaktion zwang: Das Assad-Regime in Syrien plant angeblich den Einsatz chemischer Waffen gegen Rebellen und Aufständische. In einer unmissverständlichen Ansprache drohten die Nato-Länder daraufhin mit weiteren, noch schlimmeren Drohungen, sollte Assad es tatsächlich wagen, chemische Waffen zu verwenden.

So werde man sich nicht scheuen mit enormen Konsequenzen zu drohen, statt wie bisher nur mit ernsten, so US-Präsident Barack Obama. Weiterhin könnte man sogar die Behauptung in Erwägung ziehen, eine rote Linie sei überschritten worden. Und sollte die Androhung eines Militärschlags nicht reichen, werde man nicht davor zurückschrecken ein furchteinflößendes Adjektiv davor zu setzen, um dann beispielsweise mit einem vernichtenden Militärschlag zu drohen. Zudem sei die Verwednung mehrerer Adjektive nicht ausgeschlossen. Von “grausamen” über “alles entscheidenden” bis “super-duper”sei alles möglich.

Angela Merkel, die sich sonst eher zurückhält, wenn es irgendwo brenzlig wird, schloss sich an und drohte Assad, Deutschland würde den nötigen Schritt tun und den Drohungen der USA nicht widersprechen. Und aus Frankreich hieß es schließlich, Assad sollte sich seine weiteren Handlungen gut überlegen oder man werde so heftige Drohungen aussprechen, dass mindestens ein Minister deswegen zurücktreten müsste.

Hintergrund:

Syriens Staatschef Assad hat es nicht leicht. Obwohl er seit Monaten eine Bilderbuchterrorherrschaft ausübt, hat die Nato noch nicht einmal eine winzige Kampfdrohne nach Damaskus geschickt. Schon damals war Assad verärgert und neidisch auf Gaddafi, der wegen weitaus weniger mit westlichen Bombenteppichen beglückt wurde. Erst als der libysche Machtahber schließlich gestürzt und getötet wurde, bekam Assad endlich die nötige Aufmerksamkeit. Insbesondere die USA begannen zögerlich mit Militärschlägen zu drohen. Doch dann kamen Fußbal-EM und Olympia, die das Regime fast in Vergessenheit gerieten ließen. In dieser Zeit interessierte sich absolut niemand mehr für Assads Terror. Und inzwischen könnte die Hoffnung Assads, endlich die Nummer Eins auf der Drohliste des Westens zu sein, selbst mit der Meldung über chemische Waffen zu Nichte gemacht werden. Denn nachdem neulich bekannt wurde, dass der Iran seine Uran-Anlagen doch noch weiter ausbaut, ist Mahmud Ahmadinedschad wieder stärker in den Fokus gerückt.

Bashar-al Assad, die tragische Figur Vorderasiens.

Grafik: Copyright by Marian Avramescu. Alle Rechte vorbehalten.

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Von der Arbeit in einem Sexshop: Schätzchen

Es ist mitten in der Nacht, noch ungefähr 15 Minuten bis Ladenschluss. Das Kinoprogramm für den nächsten Tag ist gemacht, Verkaufstheke ist geputzt, Regale sind aufgeräumt. Ich bin komplett alleine, die Musik ist laut aufgedreht und ich zähle die Sekunden bis ich endlich die Tür schließen kann.

Und dann betritt es plötzlich den Laden. Ja, ich schreibe bewusst “es”, weil der junge Mann, der plötzlich vor mir steht, eher wie ein Außerirdischer vom Planeten Homo wirkt. Was ich damit meine? Sagen wir es mal so: Boy George wirkte in seinen schrillsten Tagen nicht so – man muss es einfach sagen – merkwürdig, wie dieser nächtliche Besucher. Er ist ungefähr  1,70 groß, Mitte 20, ein bisschen dick, trägt eine hautenge Jeans, ein noch engeres, kurzes, bauchfreies Top, das man sonst wohl eher bei 13jährigen Mädchen finden würde, er ist dazu mit übertrieben viel Schmuck behängt, darunter mit überdimensional langen Ohrringen in Kreuzform, und seinen Kopf schmückt eine äußerst kurze Irokesenfrisur. Darüber hinaus weist seine Haut eine ziemlich ungesunde Bräunung auf.

Doch das Aussehen ist es gar nicht, das ihn so anders macht. Es ist sein Verhalten. Als er reinkommt erkenne ich, dass er beim Gehen die Hüften stark mitschwingt und einen Fuß vor dem anderen setzt, als würde er wie ein Model auf einer geraden Linie entlang spazieren. Dabei ruht eine Hand auf seinem Hintern, während er mit der anderen an einem seiner Ohrringe zupft.

Und wie er da so vor mir stehenbleibt, verzieht er den Mund zu einer Schnute, zieht die Augenbrauen nach oben und sagt mit einer piepsigen Stimme, die sich für mich anhört, als wolle er ein kleines Mädchen nachahmen: Hi Schätzchen. Kann ich hier Sex mit schwulen Männern haben? Hm?

Ich habe viele schräge Sachen gesehen, aber dieser Anblick ist wirklich denkwürdig. Ich antworte ganz gelassen: Für gewöhnlich schon, aber es ist niemand mehr da und ich mach in 10 Minuten den Laden zu. In meinem Ton schwingt fast schon ein bisschen Enttäuschung mit, denn diesem Besucher hätte ich den Spaß durchaus gegönnt, einfach weil er mal was anderes darstellt, als die gruseligen Ekel-Opas, mit denen man sonst so oft zu tun hat.

Schätzchen, so sein Spitzname ab sofort für ihn, reagiert gar nicht glücklich auf meine Antwort. Er nimmt die Hand von seinem Hintern, ballt sie zur Faust und fängt dann an mit den Füßen auf den Boden zu stampfen, während er dabei mit erhobener, doch nachwievor quietschender Kinderstimme sagt: Nein, nein, nein, ich will aber Sex mit schwulen Männern haben, Schätzchen!

Okay, also nicht nur seine Stimme klingt wie ein kleines Mädchen, er verhält sich auch noch wie eines. Was soll ich bloß darauf erwidern?

Tut mir Leid. Vielleicht ein anderes Mal.

Nein, ich bin nur heute hier. In seinem Blick spiegelt sich auf einmal die pure Verzweiflung. Der arme Junge muss es bitter nötig haben. Er schmollt richtig und ich befürchte, er fängt gleich an zu weinen. Bis ihm scheinbar etwas freudiges einfällt. Plötzlich reisst er die Augen auf und grinst mich an. Oh Nein.

Was ist mir dir, Schätzchen? Willst du nachher Sex mit mir haben?

Ähm, nein. Ich bin nicht schwul. Und selbst wenn ich es wäre, würde ich trotzdem kein Sex mit dir haben wollen, füge ich in Gedanken hinzu. Selbstverständlich gefällt ihm meine Antwort nicht. Erneut tritt er fest mit einem Fuß auf und schaut mich dann wie vorhin verzweifelt an.

Weiß du denn, wo ich noch Sex mit schwulen Männern haben kann? Warum eigentlich immer wieder diese spezifische Beschreibung? Sex mit schwulen Männern. Das habe ich schon beim ersten Mal verstanden.

Vielleicht. Ich erzähle ihm von einem Szene-Club, den ich kenne.

Oh, da waren wir schon, Schätzchen. Aha. Wir?

Tja, dann kann ich Ihnen wirklich nicht weiterhelfen.

Ich will aber Sex mit schwulen Männern haben. Oh Mann… Er seufzt mehrmals laut und fängt an Fingernägel zu kauen. Ich erwarte eigentlich, dass er jetzt geht, aber stattdessen will er es nochmal wissen:

Und du willst wirklich nicht, Schätzchen?

Nein, tut mir Leid.

Er nimmt tief Luft, blickt betreten zur Seite und an seinen Ohrringen zupfend sagt er schließlich: Okay dann. Mach’s gut Schätzchen!

Und wie er gekommen ist, so geht er auch wieder. Hüftschwingend, mit einer Hand auf dem Hintern, die andere am Ohrring. Als er den Laden verlässt, gehe ich ihm hinterher, um die Tür endlich zu schließen, doch kurz vorher mache ich noch einen Schritt nach draußen, um diesem verrückten Kerl noch einmal ungläubig hinterherzuschauen. Und da sehe ich, dass er gerade in ein Taxi steigt, das wohl die ganze Zeit vor unserem Geschäft auf ihn gewartet hat. Das deute ich deswegen so, weil der Taxifahrer an seinem Auto lehnt und Schätzchen erstmal gar nicht beachtet, während dieser sich auf den Rücksitz zwängt. Stattdessen nimmt der Fahrer Blickkontakt mit mir auf und in seinem Gesicht steht sowas geschrieben wie: Ich fahre diesen Typen jetzt schon seit Stunden durch die Stadt, weil er Sex mit schwulen Männern haben will. Du warst meine letzte Hoffnung. Jetzt hab ich ihn weiter am Hals! Ich wiederum setze ein Gesicht auf, das besagt: Tja, also ich geh jetzt nach Hause.

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