Fundstücke
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Demokratie, ein Samenfleck an der Wand

Aus dem Tagebuch eines Bundestagsabgeordneten. Über die Liebe zur Demokratie und den Stolz diese vertreten zu dürfen. Magisch.

Als zärtlich lieblicher Besuch,
Kommt durch das Fenster der Penisgeruch;
Geht mitten unter die Tagssorgen,
Und zeigt auf die Politiker im Morgen.
Mir ruht die Arbeit kurz still in der Hand,
Die Demokratie erscheint als Fleck an der Wand,
Und ich fühle mein Blut so lieblich versüßt,
als ob mich meine große Liebe grüßt.

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Kardinal Meisner ersetzt 3x Kotzen

Der Kölner Joachim Kardinal Meisner hatte neulich bei einer Veranstaltung Eheleute aus der geistlichen Gemeinschaft dafür gelobt, große Familien zu gründen. Dabei sagte er: „Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Für diesen Satz erntete er viel Kritik, wobei der Erzbischof jedoch lediglich auf die lange Tradition der Ersatzvergleiche anspielte, die außerhalb der katholischen Kirche fast in Vergessenheit geraten ist.

Aus diesem Grund möchten wir hier einige Beispiele präsentieren, um Meisners Aussage etwas mehr Verständnis zukommen zu lassen:

  • Ein katholischer Priester ersetzt drei nichtkatholische Pädophile.
  • Drei katholische Priester ersetzen ein Dutzend Eimer Taubenkot.
  • Ein Gottesdienst ersetzt drei Tage Hautausschlag.
  • Eine Predigt ersetzt drei Stunden lang das Geräusch einer Toilettenspülung.

Kardinal Meisner

Grafik: Copyright by Andreas Prüstel. Alle Rechte vorbehalten.

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Buchtipp: K.W. Jeter – Dr. Adder

CYBERPUNK

Jeter Dr AdderJeter war seinerzeit sehr von Philip K. Dick angetan, betrachtete ihn als Vorbild und orientierte sich in seinen Werken demenstprechend spürbar an den großen SF-Autor. So auch bei “Doctor Adder”, das stark an die Welt bei Dicks Kurzgeschichte erinnert, die später als “Blade Runner” verfilmt und zum Kult wurde. Wie bei “Blade Runner” haben wir auch hier eine degenerierte, gespaltene Gesellschaft, die von kriminellen Strukturen und individuumfeindlichen Aspekten dominiert wird. Ein zutiefst pessimistischer Roman, der die scheinheilige Realität unserer Zivilisation in seinen krankhaftesten Zügen darstellt. Alles in allem ist “Doctor Adder” ein Grundstein des Cyberpunk, das in einem Atemzug mit Daniel Galouyes “Simulacron-3″ und William Gibsons “Neuromancer” genannt werden darf.

Jeter führt uns mit “Doctor Adder” vor Augen, wie leicht der Mensch seine Menschlichkeit verliert, wenn in seinem Umfeld diese Menschlichkeit überhaupt keinen Wert mehr besitzt. Geld, Macht und die Befriedigung der eigenen Triebe sind das höchste Gut. Dr. Adder, Protagonist und Antagonist zugleich in diesem Buch, ist ein Arzt, der mit Hilfe neuentwickelter Drogen und chirurgischer Eingriffe diverse körperliche Modifikationen anbietet. Und zwar in erster Linie Prostituierten, die sich von ihm auf unerdenkliche Weise “anpassen” lassen, um den perversen Wünschen ihrer Kunden gerecht zu werden. Was Jeter hier ausführt kratzt an die Grenzen der Vorstellungskraft, so dass man angewidert und fasziniert zugleich ist. Adder gegenüber steht ein fanatischer Fernsehprediger, der dieser um sich greifenden Perversion ein Ende bereiten möchte. Und zwar mit allen Mitteln, was in Jeters düsterer Welt bedeutet, dass auch bei Adders Gegenspieler keine Menschlichkeit zu erwarten ist, sondern lediglich skrupelloser Egoismus. Zwischen den Fronten, inmitten dieser kaputten Gesellschaft, gerät eines Tages der junge Zuhälter Limmit, der naiv alles akzeptiert und mitmacht, was nötig ist, um in der Großstadt voranzukommen. Bis er anfängt hinter die Fassaden zu blicken und sich bei ihm so etwas wie ein Gewissen regt. So hofft man zumindest…

“Doctor Adder” ist unterm Strich wirklich nichts für schwache Gemüter. Die Geschichte ist grausam, unendlich pessimistisch und immer wenn man denkt, es kann nicht schlimmer kommen, packt Jeter eine weitere Abscheulichkeit oben drauf. Es fällt mir schwer dieses Buch als “gut” zu bezeichnen. Dafür unterhält es nicht wirklich. Wie könnte es auch, wenn Ekel, Trauer, Wut, aber auch eine Art angsteinflößende Lust die Gefühle sind, die hauptsächlich angesprochen werden? “Doctor Adder” ist kein Buch zum genießen. Doch es hallt lange nach und man kommt zu dem Schluss, dass es wohl gar nicht unterhalten will oder soll. Es soll schockieren. Und das tut es auch. Denn so verrückt und phantastisch die hier dargestellte Zukunft auch sein mag, genauso realistisch erscheint sie auch.

Ein Klassiker und Meilenstein des Cyberpunk-Genres, den Fans unbedingt mal gelesen haben sollten.

Taschenbuch (broschiert), 254 Seiten
Euro 15,90

 
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FDP provoziert wieder

Die FDP sorgt wieder für Aufsehen. Und zwar ausgerechnet unter Jugendlichen, die in der Partei inzwischen eine Art Kultmarke sehen, mit der sie sich vom Mainstream abgrenzen können.

Dabei galten die Liberalen vor nicht allzu langer Zeit noch als Inbegriff des Schreckens. Die Abkürzung FDP hatte sogar zeitweilig etliche Schimpfwörter abgelöst. Als FDP war man ein Freund des Penis, ein falscher dummer Paarhufer, eine furztrockene, debile Pflaume oder schlichtweg frech, dreist und peinlich. “Du FDP” hatte nicht weniger Auswirkungen als die Beleidigung naher Verwandter wie die Mutter oder der Hund.

Das alles scheint nun der Vergangenheit anzugehören. Denn nachdem die FDP heute von jedem verspottet wird, ist es plötzlich wieder “in” Sympathien für die Liberalen zu hegen – sehr zum Ärger unzähliger Eltern:

fdp

Grafik: Copyright by Peter Thulke. Alle Rechte vorbehalten.

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Hey Dschungelcamp oder Ode an den Dschungel

Danke, Dschungelcamp.

Kakerlaken weiß und schaumig knallen,
wenn Promizähne sie zerdrücken,
die durch den grünen Dschungel wallen
und die Zuschauer entzücken.
Mit Wonne treiben sie den Ekel,
und peitschen Schamesgrenzen locker,
und flammend auf die Sender-Egel
tropft dann die Quote Gold und Ocker.

Laut singend in der Nebelfrühe
ziehn sie ins krautige Gehege,
dort wo die Würde nur mit Mühe
noch stöhnt am feuchten Rand der Wege.
Die Promis greifen nach den Sternen,
dem Herakles gar gleichgestellt,
sie blicken tapfer in die Ferne,
wenn Anus-Suppe durch die Kehle fällt.

Die Luft verraucht, noch warm vom Öle,
dort faulen blaue Buschirsch-Nüsse,
das Leid schläft in der Medienhöhle,
die Camper sammeln Blutergüsse.
Sie hörn den ödesten der Laute,
das trübe Prominentenlglucksen,
der Dschungel singt, die Fernsehflaute
neigt sich im Dampf befleckter Buchsen.

Dschungelcamp

Ich bin Peter Huchel. Holt mich hier raus!

Grafik: Copyright by Marian Kamensky. Alle Rechte vorbehalten.

 
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