Fundstücke
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Das Wal-Prinzip

Letzte Woche waren überall in der Stadt diese Werbeplakate für eine Reptilienschau zu sehen, doch irgendwas hat mich jedesmal gestört, wenn sie mir mal wieder ins Auge sprangen…

Na, wer findet den Fehler? Was stimmt auf dem Bild nicht?

Genau: Echsen, Schildkröten, Schlangen und Amphibien sind keine Spinnentiere. Und der Titel ist demzufolge auch falsch.

Aber vielleicht ist ja auch alles nur eine Frage der Perspektive und es greift hier das sog. Wal-Prinzip: Es schwimmt im Meer? Also ist es ein Fisch. Wuselt es auf dem Boden? Also ist es ein Reptil.

In der heutigen Zeit scheint man es ja allgemein nicht mehr so eng zu sehen, was irgendwo hingehört oder nicht.

So darf z.B. die Türkei bei Europameisterschaften mitmachen, in Deutschland kann sich die NPD neben demokratischen Parteien zur Wahl stellen, in Musikgeschäften findet der Kunde ein Genre namens Hip Hip, Soap-Darsteller werden mitunter als Schauspieler bezeichnet und sogar die BILD darf sich dreisterweise Zeitung nennen.

Man sieht, es ist im Grunde alles Ansichtssache, ob jemand oder etwas es verdient, Teil einer übergeordneten Bezeichnung zu sein.

Insofern können auch Spinnen unter der Überschrift “Reptilien” geführt werden, wenn man mit “Reptilien” schlichtweg “exotisches Ekelviech, das kreucht und fleucht” meint. Immerhin ist “Europa” heutzutage auch nur noch eine Bezeichnung für “durchgequirlter, kulturloser Multi-Kulti-Haufen”. Da können die Osmanen eben ruhig dazugehören. Demnächst wird ja auch noch die Mongolei in die EU aufgenommen, also was soll’s?

Und die NPD? Natürlich kann sich diese lächerliche Pseudo-Partei, deren Mitglieder und Wähler einen niedrigeren Durchschnitts-IQ als mittelscharfer Senf haben, zur Wahl stellen lassen, schließlich leben wir doch sowieso bloß in einer Scheindemokratie. Ich frage mich eigentlich nur wann jemand die SED reanimiert.

Ähnliches gilt für Hip Hop: Zwar könnten diese auf CD gepressten Beweise für Evolutionsbremsen auch bei IKEA als hässliche Tassenuntersetzer verkauft werden, aber es soll ja auch Leute geben, die finden, dass das, was Dieter Bohlen macht, Musik ist. Natürlich haben Dieter Bohlen und selbst ein kaputter Dampfwalzenmotor mehr mit Musik zu tun als Hip Hop es je haben könnte, doch man ist ja für alles offen.

Sogar für Soap-Darsteller, die man in Verbindung mit der Schauspielerei bringt, obwohl Eisbär Knut oder Kurt Beck (nicht ein und dieselbe Person) mehr schauspielerisches Talent in sich vereinen, als alle Soap-Darsteller dieser Welt zusammen…

Nur wie man die BILD “Zeitung” nennen darf, kann ich weder verstehen noch tolerieren. Bedrucktes Klopapier heißt doch auch nicht Rollbuch oder Hygienezeitschrift

Die Welt ist eben einfach schlecht.

 
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Was haben Lesben und Neandertaler gemeinsam?

Mit absurden Klagen die legislative Gewalt des Staates zu belästigen, scheint nachwievor ein angesagtes Hobby zu sein:

Eine Art Urheberrecht beanspruchen die Einwohner der Insel Lesbos auf den Namen ihrer Heimat, dessen Gebrauch zur Bezeichnung weiblicher Homosexueller sie verbieten möchten. Jetzt befasst sich die griechische Justiz mit der Klage mehrerer Einwohner, die die Benutzung des Namens als “beleidigende Anmaßung” empfinden.

Des weiteren wird ein Prozess angestrebt, in dem es darum gehen soll, den Begriff “griechisch” als Bezeichnung für anale Freuden verbieten zu lassen. Und nicht nur das. Überall auf der Welt melden sich Bürgerinitiativen zu Wort, die ähnliches im Sinn haben:  So möchten demnächst  Pariser Bürger den Duden verklagen, weil im deutschen Sprachgebrauch “Pariser” immer noch eine saloppe Bezeichnung für “Präservativ” darstellt. Mon Dieu! Und die Hawaiianer gehen womöglich bald vors Gericht, um zu bewirken, dass die typische Pizza Hawaii nicht mehr so genannt werden darf. Denn mit der Ananas würde man zwar selbstverständlich Hawaii assoziieren, doch reduziere man damit die schönen Inseln lediglich auf die stachelige Frucht. Eine Pizza mit triefendem Speck würde schließlich auch nicht Pizza USA heißen, argumentieren die Hawaiianer.

Sehr vorsehen müssen sich allerdings sämtliche historischen Gesellschaften dieser Welt, wenn ein paar muffige Rheinländer aus dem Neandertal auf die Idee kommen sollten gegen die Bezeichnung “Neandertaler” (für den gleichnamigen Urmenschen) zu klagen, weil die Namensgebung die Menschen im entsprechenden Talgebiet ins Lächerliche zieht. Obwohl natürlich dieser Name – besonders zur Karnevalszeit – im Grunde ganz gut passt.

Heiteres Klagen noch, alle zusammen.

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Hurra! Drogen werden billiger!

Gute Nachrichten: Wie die UN-Drogenbehörde bekannt gab, ist in Afghanistan die Herstellung von Opium im Vergleich zum letzten Jahr um 34 Prozent gestiegen und habe sich seit 2005 sogar verdoppelt. Der Chef der Behörde wörtlich: “Es gibt einen Überschuss bei der Produktion im Vergleich zum weltweiten Konsum.” (Quelle: focus.de)

Im Klartext heißt das: Die Preise für Opium und das darauf aufbauende Heroin werden bald unaufhaltsam fallen. Händler und Konsumenten frohlocken und hoffen endlich auf bessere Zeiten, fern von der nüchternen Realität des trostlosen Daseins am Anfang des dritten Jahrtausends.

Erstmal müsse der Markt auf diesen Überschuss reagieren, hieß es von Seiten der Drogenbehörde, doch wäre es nur eine Frage der Zeit, bis sich endlich jeder auf der Welt in den Drogenhimmel katapultieren kann. Der Pressesprecher des Drogenkartells in Hong Kong formulierte diesen Zustand so: “Es ist wie ein Traum. Alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen, von armen Arbeiterkindern, über  verwöhnte  halbstarke Jugendliche, bis hin zu gebrechlichen und pflegebedürftigen Senioren, werden in den Genuss nahrhaften Heroins kommen dürfen. Zum ersten mal schließt sich die Schere zwischen Arm und Reich ein wenig. Und das überall auf der Welt.”

Es ist in der Tat ein denkwürdiges Jahr. Krankheit, Hunger und Armut werden in Zukunft zu einer Illusion degradiert werden, was besonders im gebeutelten Afrika für Entspannung sorgen könnte. Und auch im Hinblick auf den Nahost-Konflikt wagt man zum ersten mal leicht aufzuatmen, denn wie die israelische Regierung verkündete, plant sie riesige Mengen Opium aufzukaufen, um sie kostenlos in den umkämpften Grenzgebieten zu verteilen. Sollte die beruhigende Wirkung der Drogen zur Beendigung des Konflikts beitragen, steht dem Weltfrieden nichts mehr im Wege.

“Opium fürs Volk” mal anders als Karl Marx und Lenin es im Sinn  hatten.

Doch wir sollten nicht vergessen, wem wir dies alles zu verdanken haben: Es waren die USA und ihre Verbündeten, die Afghanistan von den drogenhassenden Taliban befreiten und so den fruchtbaren Boden schafften, auf welchem die Millionen unterdrückten Mohnbauern nun Opium in Überschuss gedeihen lassen können.

Das genaue Datum ist noch nicht festgelegt, aber zukünftlich wird es anlässlich dieses Ereignisses einen internationalen Gedenktag geben, der ehrfurchtsvoll Eden-Tag getauft wurde.

In diesem Sinne: Einen fröhlichen Drogenrausch allerseits!

 
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Der Neid des Boris Becker

Boris Becker wird langsam alt. Oder senil. Oder beides bzw. CSU-Mitglied. Wie kann man sich sonst folgende Meldung erklären:

Boris Becker fordert ein Verbot von zu lautem Stöhnen von Tennisspielerinnen. [...] „Das hat ja auch etwas Sexuelles und man fragt sich: Das muss doch die Stimmbänder reizen und kann nicht gesund sein. Das wird man reduzieren müssen. Das geht nicht weiter so.“ Das Stöhnen bringe keinen sportlichen Vorteil und solle verboten werden, meinte der dreimalige Wimbledon-Sieger.

Stöhnen beim Tennis hat etwas Sexuelles? Aber natürlich. Gehört es deswegen verboten? Selbstverständlich nicht. Wenn Herr Becker das Sexuelle schon anspricht, dann soll er den Gedanken bitte weiterspinnen und keine ärztlichen Diagnosen aufstellen, indem er vortäuscht, sich um die Stimmbänder der Spielerinnen zu sorgen.

Da Boris Becker jedoch auf sein Image achten muss, greifen wir gerne die unausgesprochenen Gedanken auf und halten fest, was er wirklich meint:

“Das hat ja auch was Sexuelles an sich und man fragt sich: Wieso müssen die so heiß sein? In diesem Gestöhne auf dem Platz steckt ja mehr Leidenschaft drin als in jeder meiner Affären. Warum zum Teufel gab es nicht auch zu meiner aktiven Zeit so heiße Spielerinnen, die sich die Lust aus ihren Körpern geschrien haben?! Das ist unfair!”

Mit anderen Worten: Boris Becker ist schlichtweg neidisch.

Aus gutem Grund:

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Und sogar die Ballmädchen sind heute ein ganz anderes Kaliber:

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Naja, und wenn im Tennis vielleicht doch nicht mehr gestöhnt werden darf, dann bleibt uns ja immer noch Beachvolleyball.

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GREECE OLYMPICS BEACH VOLLEYBALLEs lebe der Sport.

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EM: Türkeneinfall gestoppt. Deutschland im Finale

Wie schon anno 1683, sind die Türken gestern erneut erfolgreich daran gehindert worden Wien einzunehmen. Und sogar die Verteidiger sind fast die gleichen: Damals war es das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das die Osmanenhorden zurückdrängte, heute war es das Heilige Sportliche Reich Deutscher Fussballnation.

Aber lassen wir die politisch unkorrekten Witze lieber sein und widmen uns dem Spiel, das erstaunlich knapp und ebenso spannend war. Bis zur allerletzten Minute. Die Türken hatten viel mehr Chancen, nutzten sie jedoch einfach nicht konsequent aus.  Deutschland kam irgendwie nicht richtig ins Spiel, machte oft Fehler und hatte deutliche Probleme mit dem großen Kampfgeist der Türken, die zu keiner Sekunde locker ließen und denen man ansah, dass sie unbedingt ins Finale wollen. Das wollten die Deutschen natürlich auch, aber das war ihnen kaum anzumerken. Viel zu nervös, viel zu zögerlich und viel zu träge bewegten sie sich über den Platz. So war die türkische Führung zum 1:0 und auch der spätere Ausgleich zum 2:2 mehr als berechtigt. Dennoch wurde am Ende die größere Spielerfahrung belohnt: Die deutsche Elf brauchte für ihre drei Tore am Ende nicht sonderlich mehr Torchancen, die Türkei dagegen tat sich mit der Chancenauswertung viel zu schwer und darf sich zurecht über ihr Ausscheiden aus dem Turnier ärgern.

Über den Bildausfall in der zweiten Halbzeit werde ich mich nicht lange auslassen: Ein Hoch auf das schweizer Fernsehen! Das muss reichen.

Interessant wurde es nach dem Spiel, als wieder in allen Ortschaften Autokorsos den Verkehr – und die Gehörgänge – lahmlegten. Ich selbst habe mir dieses Spektakel in der Trierer Innenstadt näher angeschaut, doch habe ich mich abseits der Begeisterung für die nicht enden wollenden Hupkonzerte gefragt, was das Ganze denn überhaupt soll. Ich meine, es ist “nur” der Einzug ins Finale, verdammt nochmal. Die Menschen haben gefeiert, als wäre Deutschland bereits Europameister. Selbstverständlich ist die Finalteilnahme durchaus ein großes Ereignis, doch sehe ich da trotzdem einen nervigen Trend auf uns zukommen: Wird man jetzt in Zukunft diese Autokorsos nach jedem Freundschaftsspiel erleben?

Deutschland – Färöer, 13:0, Olé Olé Olé

Ich hoffe nicht.

Wie auch immer, in Trier – wie wohl überall in Deutschland – ging es gestern heiß her, auch wenn ich sehr enttäuscht über die mangelnde Kreativität der Fans war. Magere drei Rufe dominierten die Nacht nach dem Spiel: Deutschlaaand, Deutschlaaand. Finaaale. So sehen Sieger aus, schalalalaaa. Das war’s. Wo sind denn bitte die Klassiker von Queen (We are the champions) und Tony Marshall (Olé Olé wir sind die Champions) geblieben? Oder mit deutschen Texten versetzte Refrains von “Go West” oder “The final countdown”?

Wenigstens griff in Trier zu späterer Stunde der Lokalpatriotismus durch und die Meute sang, nachdem sie ein Linienbus kaperte, ein Loblied auf die Saarländer Nachbarn:

Oléééé, scheiß Saarbrücker Hurensöhne…!

Insgesamt blieb alles sehr friedlich. Die Polizei war zwar präsent, doch musste sie nicht einschreiten. Zumindest nicht oft und vor allem nicht gewaltsam. Die Beamten konnten es sich sogar erlauben in der Fußgängerzone mehrere Bänke zu belagern und locker und gemütlich zu plaudern und eine Zigarette zu rauchen. Dieses Bild kann aber auch lediglich das Bild des typischen Trierer Polizisten widergespiegelt haben, ich war mir da nicht ganz so sicher…

Zu guter Letzt noch einige Fotos:

 
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