Liebe potentielle Amokläufer…

Der Amoklauf in Japan, bei dem ein Mann sieben Menschen auf offener Straße niederstach, wird in den Medien immer noch behandelt – und die ganze Amoklauf-Szene ist in Aufruhr.

Soll ich jetzt vielleicht auch?, fragen sich da viele, während man seine People-To-Kill-Liste aus der Schublade holt und die iranische Website für „Dekowaffen“ nochmal durch den Übersetzungsfilter laufen lässt…

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, einen offenen Brief zu verfassen:

Liebe potentielle Amokläufer,

falls ihr plant demnächst ein paar, oder je nach Möglichkeit, mehrere Menschen umzubringen, bedenkt bitte was ihr der Nachwelt hinterlassen wollt. Ihr wisst doch inzwischen selber aus allen vorherigen Fällen, dass die Politik und die breite Öffentlichkeit sich einen Dreck darum kümmert, was euch dazu bewegt hat mit einer Knarre wild um euch zu schießen bzw. mit einem Messer – na ihr wisst schon…

Was ich damit sagen will: Egal wie frustiert ihr seid und welche Probleme ihr habt, außer ein paar Schöngeistern, die eh nichts ändern können, interessiert das keine Sau. Und das einzige, worauf euer Amoklauf einen Einfluss hat, ist der Umstand, dass dann jene, die dieselben Hobbies und Interessen haben wie ihr, darunter leiden müssen.

Politik und Medien stürzen sich auf eure Tat wie hungrige Piranhas auf ein Stück Fleisch und machen unschuldigen Menschen das Leben schwer, während von den echten Problemen erfolgreich abgelenkt wird.

Aus diesem Grund, liebe zukünftige Amokläufer, müsst ihr eure Taktik überdenken. Wenn ihr der Gesellschaft eins auswischen wollt, dann sorgt dafür, dass ihr die Medien nicht mit den gängigen Klischees bedient, sondern sie so dermaßen vor den Kopf stößt, dass sie nicht mehr wissen wo oben und unten ist. Im Detail heißt das folgendes:

Ändert euren Kleidungsstil. Beseitigt alle schwarzen Klamotten, nicht mal Socken oder Unterhosen dürfen schwarz sein. Legt euch stattdessen bunte Hawaiihemden und Flip-Flops zu und auf Unterwäsche verzichtet ihr komplett.

Als nächstes sind eure Hobbies dran. Sollte das Konsumieren von sog. Killerspielen dazugehören, müsst ihr diese sofort vernichten. Ja, ich weiß, jeder zweite Jugendliche in Deutschland besitzt mindestens ein solches Spiel zu Hause, aber das ist egal. Das hatten wir doch schon weiter oben besprochen. Also weg damit. Die Lücke, die eure Killerspiele hinterlassen, füllt ihr mit Spielen wie „Die Sims“, „Fischsimulator 2000“, „Die Teletubbies und das Geheimnis der Früchtekuchen“ oder „Schach: Pokémon Edition“. Zusätzlich fangt ihr an Modellflugzeuge zu bauen und Didlmäuse zu sammeln.

Wichtig wäre dann noch selbstverständlich die Musik. Werdet alle CDs los, die auch nur ansatzweise dem Rock- oder Metal-Genre zugeordnet werden können. Auf die Musik hacken die Medien nämlich besonders gern herum. Kauft euch daher ganz viele Schlager und legt in eurem Umfeld Wert darauf zu erwähnen, dass ihr ein ganz großer Fan von Howard Carpendale, Florian Silbereisen und dem frühen David Hasselhoff seid. Passend dazu besorgt ihr euch natürlich entsprechende Poster, womit ihr euer ganzes Zimmer tapeziert.

Damit wären zwar die wichtigsten Punkte abgedeckt, doch um euren Amoklauf abzurunden, wäre noch ein Abschiedsvideo nicht schlecht. Erwähnt darin, dass euch die Bild-Zeitung den Glauben an die Zukunft und die Lust ans Weiterleben geraubt hat, dass euch die vielen Charts-Shows auf RTL furchtbar wütend gemacht haben und ihr kurz vorm Ausrasten seid. An dieser Stelle beschimpft ihr dann Oliver Geissen aufs Übelste und schlagt dann einen Bogen zu Johannes B. Kerner und den öffentlich Rechtlichen, um im Endeffekt der GEZ die Schuld für eure Taten zu geben. Bei eurer Hassrede solltet ihr noch auf jeden Fall eine Maske im Stile einer Manga-Figur tragen. Am besten irgendwas von Sailor Moon.

Und das wichtigste: Führt den Amoklauf nicht an eurer Schule oder eurem Arbeitsplatz durch. Das ist doch dämlich. Unterlasst es auch bitte in der Öffentlichkeit Amok zu laufen. Da könnte nämlich ich zufällig in der Nähe sein.

Selbstverständlich habt ihr recht, wenn ihr sagt, ihr sorgt nur dafür, dass ein paar Arschlöcher weniger auf der Welt herumlaufen, aber trotzdem tötet ihr auch immer ein paar Unschuldige und das ist äußerst kontraproduktiv. Lauft doch daher lieber da Amok, wo ihr auf jeden Fall nur Arschlöcher antrefft. In der Redaktion der Bild-Zeitung zum Beispiel…

Viel Glück.