Liebe Nichtwähler…

Am Sonntag wird mal wieder gewählt. Und mal wieder bleibt ihr, liebe Nichtwähler, zu Hause. Und obwohl euch die Gründe dafür schlüssig und nachvollziehbar erscheinen, werdet ihr von den Wählern als politverdrossenes Pack beschimpft. Ja sogar als Asoziale, die sich ständig beschweren, aber nichts dagegen unternehmen. Ihr werdet nicht ernst genommen, man ignoriert euch und ihr bekommt den Stempel eines unwichtigen Störfaktors, einer unverständlichen Anomalie innerhalb des Systems aufgedrückt.

Aber wisst ihr was? Ihr habt das Recht nicht zu Wählen. Und das ist auch gut so. Trotzdem ist es schade, dass man euch keine Beachtung schenkt. Anders würde es sich selbstverständlich verhalten, wenn die Mehrheit der Wahlberechtigten eurem Beispiel folgen würde. Eine Wahlbeteiligung von unter 50% könnte man nicht mehr ignorieren. Es wäre der totale Zusammenbruch und man hätte endlich das wichtige Zeichen gesetzt, dass die Bevölkerung sich nicht mehr verschaukeln lässt.

Das wird jedoch nicht passieren. Nicht bei diesen Wahlen, nicht bei den nächsten, nicht bei den übernächsten und auch nicht in 40 Jahren. Lasst euch aber nicht entmutigen. Verweigert weiterhin jegliche Stimmabgabe und hofft auf Nachahmer. Oder ihr tut etwas anderes. Nämlich ausnahmsweise doch (wieder) wählen… Nein, keine Sorge, ich appeliere nicht an eure demokratische Pflicht oder verweise auf das große Privileg, das wir alle gegenüber anderen Staaten haben, die ihre Bürger gar nicht erst vor die Wahl stellen, welche Regierung sie haben wollen. Nein, ich appeliere an etwas viel größerem: an eure Schadenfreude.

Stellt euch vor, jeder von euch Nichtwählern gibt am Sonntag seine Stimme für die Piratenpartei ab. Und ihr stellt immerhin eine Gruppe von 20 bis 30 Prozent dar. Was würde passieren? Die etablierten Parteien bekämen einen derartigen Schock, dass sie Jahre bräuchten, um sich davon zu erholen. Sicher, so ein Schock wäre auch erzielt, wenn ihr alle eine andere kleine Partei unterstützt. Warum also ausgerechnet die Piraten? Erstens, weil die Piratenpartei bei der Europawahl bereits für einen kleinen Schock gesorgt hat, als sie ins europäische Parlament einzog und zweitens, weil sie allein aufgrund ihres Namens einen symbolträchtigen Charakter besitzt. Ihr wollt ein Zeichen setzen und der Regierung eins auswischen? Dann schlagt sie mit ihren eigenen Waffen: Mit eurer gut platzierten Stimme könnt ihr die Politik nämlich so richtig aufwirbeln. Und mit dem Finger auf das System zeigend sagen: “Das habt ihr jetzt davon!”

Natürlich wäre es ein Risiko eine Partei wie die Piraten in einen zweistelligen Prozentbereich zu befördern. Doch von den kleinen, unterschätzten Parteien behandelt ihr Wahlprogramm die Punkte, die im Bezug auf das tägliche Leben wohl noch am erstrebenswertesten sind. Außerdem: Als Nichtwähler geht es euch sowieso nicht darum, was eine Partei verspricht oder nicht.

Macht also die Piraten zum gemeinsamen Nenner eures Protests. Denkt mal darüber nach, was für heftiger Schlag ins Gesicht dies für alle sogenannten Volksparteien wäre. Der Schlag ins Gesicht, den man gerne selbst jedem Politiker verpassen würde, der das eine sagt, aber das andere tut. Natürlich, eure Wahlbeteiligung würde auf Dauer keine Verändeurng mit sich bringen, da müssen wir uns nichts vormachen. Doch mit der Stimme für die Piraten habt ihr jetzt zumindest endlich die Chance angehört und nicht nur ignoriert zu werden. Ihr Nichtwähler habt es in der Hand einen Ruck durchs Land gehen zu lassen und sei er noch so kurz. Lasst die Piraten den Bundestag entern, lehnt euch zurück und genießt die süße Schadenfreude über den Jahrhundertschock.

In diesem Sinne: Lieber Piraten wählen als nicht wählen. Gönnt euch den Spaß.

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