Krim-Krise: Deutsche sind froh über klares Feindbild

Während westliche Regierungen besorgt auf die Entwicklungen in der Ukraine blicken, zeigen sich die meisten Deutschen eher erleichtert. Denn mit Russland als neues altes Feindbild steht endlich wieder ein altgewohnter, bekannter Gegner im Fokus. Wie Studien zeigen, ist Wladimir Putin das beliebteste Ziel für Kritik und Anfeindungen in Deutschland.

roter sternExperten wissen: Ein vertrautes Feindbild ist gut für die Psyche und so ist es kein Wunder, dass die Deutschen froh sind, wenn „der Russe“ erneut vor der Tür steht. „Beim Russen weiß man, woran man ist“, lautet die einhellige Meinung. Der undurchsichtige religiöse Fundamentalismus beispielsweise war für viele Menschen verwirrend und nervenaufreibend. „Sunniten, Schiiten – da hat doch niemand den Durchblick“, erklärt Sarah Zene von der Gesellschaft für Feindbilder e.V. „Und ist es nun lediglich verboten Mohammed zu beleidigen oder auch Allah? Diese Ungereimtheiten führten in der Vergangenheit zu einem äußerst verzerrten Feindbild, es gab keine Struktur, keine klare Linie wen oder was und vor allem wie man fürchten sollte“.

Auch die Unruhen im nördlichen Afrika sowie der Bürgerkrieg in Syrien sorgten bei den Deutschen für Verwirrung. „Hat das syrische Militär Giftgas eingesetzt? Doch haben die Aufständischen nicht auch wahllos gefoltert? Und was ist mir Nordkorea? China?“ Außerdem kamen im Laufe der Jahre zusätzlich Links- und Rechtsterrorismus, größenwahnsinnige US-Konzerne und unsichtbare Feinde wie Schweinegrippe, Wirtschaftskrise und die Alternative für Deutschland (AfD) hinzu. Ein vertrautes Feindbild zu schaffen schien da kaum möglich.

Dank Wladimir Putin können die Deutschen aber endlich wieder aufatmen. Die „Gefahr aus dem kalten Osten“ hat das deutsche Weltbild erfolgreich gerade gerückt.

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