KKK und die kaltblütige Wirklichkeit

Großer Gott. Nein.

So wie ich das sehe, steht die Abkürzung KKK ab sofort nicht mehr für die idiotischen Gespenster-Imitatoren aus den amerikanischen Südstaaten, sondern für die schrecklichste Grausamkeit der Neuzeit seit dem Comeback von Modern Talking:

Knut killt Karpfen!

Ich gebe zu, während ich diese Zeilen schreibe, muss ich damit kämpfen nicht in Tränen auszubrechen. Auf der anderen Seite bin ich so empört, so schockiert, so verärgert, so dermaßen wütend, dass für Trauer fast gar kein Platz mehr in meinem Herzen ist.

Auf der anderen Seite… Geht’s noch?! Diese Meldung erinnert mich ja geradezu an ein 6jähriges Großstadtkind, das zum ersten mal eine richtige Kuh auf dem Bauernhof gesehen hat: Mama, Mama, die Kuh ist ja gar nicht lila!

Meine Güte, Knut ist ein Eisbär, wobei die Betonung da eindeutig auf „Bär“ liegt. Ein Bär, verdammt noch mal. Ein Raubtier und dazu auch noch ein – achtung – fleischfressendes!

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der solche Meldungen höchstens eine Randnotiz darstellten. Heute dagegen wird aus toten Karpfen gleich ein Drama gemacht. Es ist ja unterm Strich nicht die Meldung an und für sich, der meine Aufregung gilt, sondern die Art und Weise, wie etwas völlig unspektakuläres auf eine Stufe mit Terroranschlägen und politischen Skandalen gestellt wird.

Was das angeht, ist ja die Bild-Zeitung ein echter Profi. Auf bild.de heißt es über Knut und die Karpfen:

Kaltblütig hat er [Knut] die Karpfen in seinem Wassergraben erledigt.

Kaltblütig? Ich hoffe, ich bin nicht der einzige, der diese Wortwahl unpassend findet… Obwohl: Ist es nicht mindestens genauso kaltblütig, wenn ein Kind zum ersten mal erfährt, dass Kühe nicht so aussehen wie in der Milka-Werbung?