Gothic: Tummelplatz für psychisch Kranke?

Bevor mir jemand nur aufgrund des Titels Hass-Mails schicken möchte, wäre es u.U. angebracht den folgenden Text zu Ende zu lesen.

Zunächst mal: Es sind nicht die Gothics, die psychisch krank sind oder es aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Subkultur werden, sondern in meinen Augen sind es die psychisch Kranken, die zu Gothics werden. Häufig zumindest. Sehr Häufig.

Eine Einschätzung, die meiner Meinung nach für nahezu jeden nachvollziehbar ist, wenn man sich (nicht nur) in Gothic-Kreisen bewegt und einfach Augen und Ohren offen hält. Ich war in den letzten Jahren in mehreren Gothic-Foren angemeldet und in jedem gab und gibt es unzählige Themen, die sich mit psychischen Problemen, von SVV bis Selbstmord, beschäftigen. Und das ist nun mal – ob man will oder nicht – ein typisches Bild eines jeden beliebigen Gothic-Forums in den Weiten des Internets.

Selbstverständlich findet man in jedem anderweitigen Forum, das sich nicht hauptsächlich an Gothics richtet, ebenso Themen zu psychischen Erkrankungen, doch ist die Nachfrage wesentlich geringer. Gründe dafür sind wohl tatsächlich, dass man in Gothic-Kreisen mehr Akzeptanz findet… Was aber nicht unbedingt das Beste sein muss. Warum? Weil aufgrund besagter Akzeptanz sich viele nicht (mehr) in Behandlung begeben, im Glauben endlich Menschen gefunden zu haben, die sie trotz Krankheit „normal“ behandeln. Dabei wird gerne übersehen, dass es bei psychischen Erkrankungen darum geht mit sich selbst klarzukommen und nicht darum wie man von anderen behandelt wird.

Ein typisches Beispiel: Jemand hat Probleme, gibt bei Google eine entsprechende Suchanfrage ein und landet prompt auf ein Gothic-Forum. Da dauert es nicht lange bis die Person sich dieser Szene zugehörig fühlt und schon ist die Gothic-Szene um eine kranke Seele (medizinisch gesehen und nicht abwertend gemeint) reicher.

Eine oft beobachtete Folge ist jene, dass die kranke Person aufgrund der Akzeptanz den Heilungsprozess vernachlässigt oder gar überhaupt nicht mehr in Erwägung zieht.  Man akzeptiert das Leiden und nimmt es hin, bis man es irgendwann gar nicht mehr als Leiden im medizinisches Sinne ansieht. Doch die Empfindung, dass man sich mit der Krankheit wohl fühlt, ist ein Trugschluss, den man irgendwann niederschmetternd zu spüren bekommen wird.

Einfacher ausgedrückt: Der Geist hat es irgendwann satt zu leiden und lässt plötzlich positive Gefühle wahrnehmen. Es ist schlichtweg ein unbewusster Schutzmechanismus – bis er allerdings irgendwann nicht mehr aufrechterhalten werden kann… Ein Vergleichsbeispiel wäre das Erfrieren: Die Kälte tut unheimlich weh, doch ab einem Punkt empfindet man nur noch wohlige Wärme und das Bedürfnis sich schlafen zu legen, weil das Gehirn mit der Schmerzverarbeitung nicht mehr nachkommt und künstliches Wohlbefinden signalisiert. Der Geist gibt einfach auf. Und dann dauert es im Grunde nicht mehr lange bis der Tod eintritt.

Spätestens wenn man also das Gefühl hat sich mir seiner psychischen Krankheit anzufreunden und sie nicht mehr hergeben zu wollen, sollte man sich in helfende Hände begeben…

Was will ich also unterm Strich mit diesem Eintrag sagen?

Wenn jemand mit sich selbst nicht mehr klarkommt, man eindeutig Merkmale einer  psychischen Erkarnkung aufweist und weder Freunde noch Familie eine Stütze sein können, dann sollte man sich nicht in die Anonymität eines Internet-Forums flüchten sondern seinen letzten Rest Vernunft dafür verwenden professionelle Hilfe aufzusuchen.