Flugzeugabsturz: Experten werden gebeten, eine Schweigeminute einzulegen

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine am Dienstagvormittag trauert ganz Deutschland um ihre Opfer. Gleichzeitig kommen in allen Medien ununterbrochen Experten zu Wort, die über die Absturzursache spekulieren und erklären, was Angehörige und Freunde nun durchmachen.

Für Experten-Experte Karl Toffel ist das keine Überraschung: „Solche Katastrophen ziehen Experten regelrecht an. Wie Ameisen, die ein Stück Zucker belagern. Und je näher ein Unglück passiert, desto süßer, begehrter wird es.“

Toffel weiß aber auch, dass der Experten-Schwarm lediglich Bedürfnisse stillt: „Natürlich will man stündlich erfahren, wie sehr Angehörige, Freunde, Bekannte und entfernte Halbcousins achten Grades leiden.“ Die Menschen lieben die vielen Experten, behauptet Toffel. „Sie wollen aufs Neue daran erinnert werden, dass so ein Flugzeugabsturz unheimlich tragisch ist, sie müssen wissen, welche Hashtags darüber bei Twitter kursieren und natürlich wie sich das Unglück auf die Promiwelt auswirkt.“ Für den Experten-Experten ist die bunte Informationsflut daher lediglich eine Sache von Angebot und Nachfrage.

Das reine Interesse für die Katastrophe scheint also mindestens genauso groß wie die Trauer. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung nun zu landesweiten Schweigeminuten aufgerufen. Wie es in der offiziellen Mitteilung heißt, werden Reporter, Journalisten, Experten und andere sensationsgeile Kackbratzen gebeten, „einfach mal für eine Weile die Fresse“ zu halten.

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