Flüchtlingskatastrophe: EU verspricht solche Tragödien in Zukunft noch stärker zu bedauern

Massengrab Mittelmeer. Nach der Flüchtlingskatastrophe mit über 700 Todesopfern gerät die europäische Flüchtlingspolitik erneut unter Druck. Kritiker werfen der EU schon länger Tatenlosigkeit angesichts der zahlreichen Toten vor.

Die Europäische Union sieht sich daher zum Handeln gezwungen und reagiert mit einer Maßnahme, die selbst Menschenrechtsorganisationen überrascht. Auf einer unmittelbaren Krisensitzung haben die EU-Länder beschlossen, solche Tragödien zukünftig noch stärker zu bedauern. Das sei die einzige denkbare Lösung.

Dabei geht es konkret darum, in der Öffentlichkeit viel mehr Anteilnahme zu zeigen. Mit dramatischen Worten, aber auch mit Gesten. „Leise Stimme, gesenkter Blick, das volle Programm“, hieß es in der Erklärung. „Und wenn möglich, nicht nur von tiefer Betroffenheit sprechen, sondern auch mal ein Tränchen abdrücken.“ Dabei wird empfohlen, sich vorzustellen, die Opfer wären weiße Europäer, um das Mitgefühl echter wirken zu lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kann sich mit dieser Maßnahme allerdings nicht anfreunden und äußerte sich bereits kritisch. Sie hält es für schwer umsetzbar, bei ertrunkenen Flüchtlingen die gleiche Trauer an den Tag zu legen wie etwa bei den Opfern eines Flugzeugabsturzes. „Ich kann mir das trotz aller Bemühung einfach nicht vorstellen“, sagte Merkel, „es sind schließlich nur irgendwelche namenlosen Flüchtlinge.“

jesuis