Eurovision Song Contest 2008: Deutscher Vorentscheid, Teil 1

Es ist eigentlich nicht ganz mein Musikgeschmack und als Fan würde ich mich nicht unbedingt bezeichnen, aber der Eurovision Song Contest erfreut sich bei mir durchaus großer Beliebtheit.

Es fing 1998 mit Guildo Horn an. Angestachelt durch die dümmliche Medien-Hetze um seinen Auftritt konnte ich es mir nicht nehmen mal reinzuschauen wie er sich anstellt – und ich wurde positiv überrascht. Nicht nur, dass mir Guildo Horn auf einmal viel sympathischer war, auch die Show als solches gefiel mir auf Anhieb. Nicht wegen der tollen Song-Auswahl, sondern insbesondere wegen den äußerst skurillen Gestalten vor, hinter und auf der Bühne.

Zunächst noch als Schlager-GrandPrix angepriesen, ging diese Bezeichnung später zu Recht unter, weil immer mehr Künstler einfach nicht mehr in diese Ecke hinein passten. Das ist wohl spätestens jedem mit den Auftritten von Ruslana oder Lordi bewusst geworden.

Fans der ersten Stunde mögen wohl deswegen genörgelt haben, aber mich hat diese Umstellung endgültig überzeugt den Wettbewerb im Auge zu behalten.

Es ist jedes Jahr ein großer Spaß, wenn man mit Freunden beisammen sitzt und sich lästernd und lachend die verschiedenen Auftritte – von beeindruckend bis absolut peinlich – und teils schlechten, teils überraschend guten Songs zu Gemüte zieht.

Dieser Jahr findet der Contest am 24. Mai in Serbien statt und ich freue mich schon richtig darauf.

Interessant ist es bei diesem Wettbewerb immer wieder welchen Künstler Deutschland zum verlieren hinschickt. Die letzten deutschen Teilnehmer konnten nicht gerade überzeugen, was meiner Ansicht nach bereits immer an der Auswahl im Vorentscheid liegt: Wenn man von vornerein nur zwischen Künstlern mit dem Talent eines Jutesacks oder der Ausstrahlung eines Nacktmulls wählen darf, dann kann es doch schließlich nichts werden. Man denke da nur an Gruselgestalten wie Gracia oder Lou zurück…

Nichtsdestotrotz gab es auch einige, die viel Können an den Tag legen konnten, nur  ging dabei die Marketing-Rechnung nicht auf. Bestes Beispiel: Texas Lightning.

Mit „No No Never“ hat die Gruppe einen richtigen Ohrwurm veröffentlicht, der schon vor dem Wettbewerb in ganz Europa die Charts stürmte. In ganz vielen Länder war er sogar auf Platz 1 und so war Texas Lightning einer der Hauptfavoriten. Doch die Zuschauer des Song Contests dachten sich wohl, dass die Gruppe schon garantiert so viel Erfolg hätte, dass man ruhig auch mal für die anderen Teilnehmer abstimmen könnte. Leider haben das anscheinend die meisten gedacht und Deutschland ging am Ende mit einem 15. Platz (von 24) nach Hause… Eine andere Möglichkeit für das schlechte Abschneiden könnte auch der Stil gewesen sein: Was haben bitte Cowboys und Country-Musik mit Deutschland zu tun?

Wie dem auch sei, am 6. März (ARD, 20:15) findet der diesjährige deutsche Vorentscheid statt und ich bin gespannt wen die Zuschauer nach Serbien schicken werden.

Die Kandidaten sind zumindest mal wieder, naja…:

Caroline Fortenbacher.

Die Musical-Sängerin tritt mit einer Ballade auf und ist die einzige beim Vorentscheid, die auf deutsch singt. Balladen sind ja nicht so mein Geschmack, aber sie wäre ein guter Teilnehmer, wenn es darum geht einen vorderen Platz zu belegen.

No Angels.

Die No Angels gehen mit einem locker-flockigen Gute-Laune-Popsong, der durchaus ins Ohr geht, an den Start. Wenn es nach mir ginge, wäre das der deutsche Teilnehmer in Serbien.

Marquess.

Die „deutschen Spanier“ treten mit einem typischen unmusikalischen und beliebig austauschbaren  „Sommer-Sonne-Strand“-Song auf. Sollten sie gewinnen und beim Contest im Mai auftreten, ist das Desaster vorpropgrammiert.

Thommy Reeve.

Thommy Reeve präsentiert uns eine triefend schnulzige Ballade, die unter Beweis stellt, dass Musik doch aggressiv machen kann. Seine Teilnahme würde noch eher als bei Marquess zum Untergang führen. Sowas will einfach niemand hören – außer verträumte Frauen mit einem Hang zum romantischen Kitsch.

Cinema Bizarre.

Was soll man dazu schon sagen? Eine Mischung aus The Cure und dem frühen David Bowie alias Ziggy Stardust, eine Prise Visual Kei und fertig sind Cinema Bizarre. Der Song ist leicht elektronisch angehauchter Pop, mit einem Schuss Rock. Würde in Europa sicher nicht so gut ankommen wie bei uns, andererseits könnten sie den Kinder-Bonus nutzen, immerhin sind die Buben ca. um die 14 Jahre alt…

Wer selber mal in die Songs kurz reinhören möchte, kann dies auf der Website des NDR tun: *klick*

Wer auch immer den Vorentscheid gewinnen wird, er oder sie wird bzw. werden nicht unbedingt mein Favorit beim Eurovision Song Contest sein. Das waren bis jetzt nämlich immer die Künstler, die durch eine besondere Originalität (in Verbindung mit einem unterhaltenden Song) auffielen.

Im letzten Jahr hat mich z.B. ganz besonders der ukrainische Teilnehmer überzeugen können:

Möge es auch dieses Jahr wieder so lustig zugehen!