Erlkönig versus Schweinegrippe

Frei nach Goethe, behandelt die nachfolgende Ballade die wohl aktuell größte Gefahr für die Menschheit… Erlgrippe? Schweinekönig? Man weiß es nicht genau.

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Wer sitzt da so spät noch nachts vorm TV?
Es ist der Bauer mit seiner Frau.
Er fasst sie sicher, er hält sie warm,
Obwohl sie da hockt, mit der “Bild” im Arm.

Mein Schätzel, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst, Bauer, du die Nachrichten nicht?
Das Grauen namens Schweinegrippe? -
Mein Schätzel, du nimmst mich auf die Schippe!

Du liebe Frau, komm geh mit mir!
Gar viele Symptome beschere ich dir,
Husten, Fieber und auch Gliederschmerzen,
Schenk’ ich dir aus vollem Herzen.

Mein Bauer, mein Bauer, und hörest du nicht,
Was die Schweinegrippe mir leise verspricht? -
Bleibe doch ruhig, ist doch alles halb so wild,
Glaub nicht den Quatsch aus der bescheuerten “Bild”.

Willst, feines Frauenzimmer, du mit mir gehen?
Meine Freunde wollen dich auch alle sehen,
Meine Freunde sind mächtig, sie beherrschen die Welt,
Enttäusche sie nicht und ich werde ihr Held.

Mein Bauer, mein Bauer, und siehst du nicht dort,
Die Freunde der Grippe am düsteren Ort? -
Du meinst wohl die Pharmakonzerne mit ihrem Dreckstamiflu,
Lass’ mich doch endlich mit dieser Panik in Ruh’!

Ich infiziere dich, mich reizt deine naive Gestalt,
Du wirst sterben, und zwar schon sehr bald.
Mein Bauer, mein Bauer, wir müssen uns impfen,
Und keine Widerrede, sonst werd’ ich bös’ mit dir schimpfen!

Dem Bauer nun reicht es, er hat sichtlich genug.
Er geht in die Küche, nimmt einen Krug,
Füllt ihn mit Gift und dem süßesten Wein:
“Trink das, mein Schätzel, und alles wird fein.”

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Noch mehr lyrische Entgleisungen: Von drinn’ von der Börse komm’ ich her

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