Die Legende von Guy d’Eau

mittelalter1

Frei nach Heinrich Heines „Belsazar“ erzählt nachfolgendes Gedicht vom tragischen Schicksal des Guy d’Eau (ausgesprochen wie deutsch „Guido“):

Die Legende von Guy d’Eau

Die Mitternacht zog näher hin,
in stummer Ruhe lag Berlin.

Nur oben in dem gelben Schloss,
da lärmt der liberale Tross.

Dort oben in dem Spendensaal,
der große Guy d’Eau hielt sein Mahl.

Lobbyisten saßen in schimmernden Reih’n,
und leerten die Becher mit teuerstem Wein.

Es flossen die Spenden und es wurde gezecht.
so war es dem listigen Guy d’Eau recht.

Seine Wangen glänzten voller Glut,
im Rausch erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings riss der Mut ihn fort,
und höhnte das Volk mit sündigem Wort.

Und er hetzte frech und lästerte wilde,
die Lobbyschar ihm Beifall brüllte.

Guy d’Eau trug viel Gold ums Gelenk,
das ward ihm von den Hoteliers geschenkt.

Und mit dieser goldbeschwerter Hand,
ergriff er einen Becher, gefüllt bis zum Rand.

Und er leerte ihn hastig bis auf den Grund,
und rief dann laut mit schäumendem Mund:

Demokratie! Dir künd ich auf ewig Hohn!
Ich bin der König auf dem Spendenthron!

Doch kaum das grause Wort verklang,
dem Guy d’Eau ward’s heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal,
es wurde leichenstill im Saal.

Denn sieh! Denn sieh! Ein Bote erschien,
mit kaum noch Kraft in seinen Knien.

Er stützte sich schwach auf seinem Schwerte,
im Gepäck die schlechtesten Umfragewerte.

Guy d’Eau stieren Blicks da saß,
mit wässrigen Augen und totenblaß.

Die Lobbyschar war kalt durchgraut,
und saß ganz still, gab keinen Laut.

Wahlhelfer kamen, doch keiner verstand,
wie zu verbessern den Ruf im Land.

Guy d’Eau ward aber in selbiger Nacht,
von seinen Spendern umgebracht.

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