Die hohe Kunst des Journalismus

Es ist amtlich: Der sog. Holzklotz-Werfer ist geschnappt und wird bald seine gerechte Strafe erhalten. Verständlicherweise haben alle Medien über diesen Fall berichtet; mal mehr und mal weniger originell. Ein Beispiel für letzteres sah ich neulich bei einer Boulevard-Sendung eines Privatsenders – und ich fühlte mich irgendwie verarscht:

Da lief ein „Reporter“ durch die Straßen und fragte Passanten nach ihrer Meinung zur Aufklärung des spekatkulären Falls. Dabei zielten die Fragen nicht auf die Polizeiarbeit, die Justiz oder die persönlichen Gefühle hin, sondern lediglich auf… Nein, es waren nicht mal mehrere Fragen. Die Frage lautete einfach: Der Holzklotz-Werfer ist endlich gefasst worden. Wie finden Sie das?

Was will man bitte darauf antworten? Find ich gut… Ja. Und – Überraschung – genau das war auch tatsächlich die am meisten gegebene Antwort.

Geht’s noch?!

Ist das etwa professioneller Journalismus? Nicht mal ein Praktikant wäre auf die dummdreiste Idee gekommen für einen Fernsehbericht auf die Straße zu gehen, um im Rahmen eines solchen Mordfalls die Menschen zu fragen wie sie es denn finden, dass der Täter verhaftet werden konnte.

Ich hätte da als Befragter folgendes geantwortet:

Ich finde das nicht so gut. Die Polizei rühmt sich jetzt mit der Verhaftung, dabei ließ sie sich zu viel Zeit. Gut, es heißt natürlich „besser spät als nie“ aber der Täter hat alle zum Narren gehalten und das sollte belohnt werden. Er war einfach schlauer. Er führte 1:0. Die Polizei hat jetzt quasi lediglich ausgeglichen, also soll sie mal ruhig den Ball flach halten. Außerdem bereut er es ja auch, also fände ich es besser wenn man ihn laufen lässt. Genau… Darf ich jemanden grüßen?

Ein Hoch auf die Glanzleistungen des deutschen Journalismus.