Die Deutschen und ihr Atommüll: Eine ganz besondere Freundschaft

Atomkraft – nein danke. Atommüll – ja bitte. Was im ersten Augenblick ein wenig paradox scheint, beschreibt in Wirklichkeit eine ganz besondere Freundschaft. Denn auch wenn es nicht immer danach aussieht – die Deutschen lieben ihren Atommüll, egal wie sehr sie gegen die Atomkraft demonstrieren.

Zwar will man für gewöhnlich nichts voneinander wissen und es wird mitunter sogar vergessen, dass es den anderen überhaupt gibt. Doch kaum sollen radioaktive Abfälle mal wieder per Castor-Transport in ein End- oder Zwischenlager abgeschoben werden, gehen die Deutschen auf die Barrikaden. Atommüll ist kein Müll zweiter Klasse und darf nicht nach Belieben in ein Lager eingeliefert werden, so die Meinung der Deutschen, die sich für ihre verstrahlten Freunde einsetzen. Wild entschlossen tun sie folglich alles dafür, um den Castor-Transport aufzuhalten und dem eingesperrten Müll die Freiheit zu schenken. Ob sie nun Gleise zubetonieren, diese vollständig abbauen oder sich Schlägereien mit der Polizei liefern – jede Maßnahme, die dazu führt, dass der Transport sein Ziel nicht erreicht, ist willkommen.

Bis jetzt gelang es den Atommüllfreunden allerdings noch nie, die radioaktiven Abfälle zu befreien. Nichtsdestotrotz trösten sie sich seit jeher mit dem Gedanken, dass jede zusätzliche Minute, die der Atommüll nicht tief unter der Erde verbringen muss, ein Gewinn darstellt.

Diese Einstellung scheint seit neustem auch auf die Politik abzufärben. Überraschenderweise, denn fühlten sich die Deutschen meist alleinegelassen mit ihrer Liebe zum Atommüll. Der Hintergrund: Im nordrhein-westfälischen Ahaus wurden vor fünf Jahren 951 abgebrannte Brennelemente zwischengelagert, doch der hochradioaktive Abfall soll demnächst in ein Endlager nach Russland transportiert werden. Hamburg, Bremen und nun auch Nordrhein-Westfalen selbst, haben sich allerdings dagegen ausgesprochen.

Atommüll gehöre nicht in ein Endlager, sagte der NRW-Innenminister gegenüber den Medien und stellte klar: „Einen weiteren Castor-Transport werden wir nicht unterstützen. Der Atommüll bleibt bei uns, wo ihn die Menschen schließlich auch haben wollen!“

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Grafik: Copyright by Andreas Prüstel, via toonpool.de.

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