Der satirische Jahresvorblick: So wird 2011

Liebe Leserinnen und Leser, das Jahr 2010 ist endlich gottseidank zu Ende und es wird Zeit nach vorne zu blicken. Im Gegensatz zu so manchem Motivationstrainer meinen wir das jedoch tatsächlich wörtlich und sind in diesem Sinne sehr stolz darauf, Ihnen in Zusammenarbeit mit Sashs Blog und Berlin Street – und mit freundlicher Unterstützung von Wikileaks und Jesus – ein paar der wichtigsten Ereignisse des vor uns liegenden Jahres vorstellen zu können.

Januar

In Estland wird am 1. Januar der Euro eingeführt. Zwei Wochen später steht das noch bis Ende 2010 sehr finanzkräftige Land vor dem Bankrott und kann nur mit einem 300 Milliarden schweren Hilfspaket von der EU im letzten Moment gerettet werden. Erste Stimmen werden laut, die behaupten der Euro sei verflucht. Der Verdacht erhärtet sich, als man herausfindet, dass die europäische Zentralbank auf einem alten Indianerfriedhof erbaut wurde.

Februar

Thomas Gottschalk tritt endgültig als Moderator von „Wetten Dass…?“ zurück, da ihn das Schicksal des in der Sendung verunglückten Samuel Koch zu sehr mitnimmt. Nachfolger von Gottschalk wird Uri Geller, mit der Begründung, der Mentalist könne bei ähnlich schweren Unfällen die Kandidaten einfach wieder zurechtbiegen.

März

Die FDP kommt bei allen Landtagswahlen nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Viele führende FDP-Politiker treten daraufhin von ihrem Amt zurück und eröffnen in ihren Heimatorten ein Hotel. Lediglich Guido Westerwelle scheint vom desaströsen Wahlausgang unbeeindruckt und gibt gut gelaunt bekannt, dass er mit dem Fallschirmspringen anfangen möchte.

April

Die Proteste um Stuttgart 21 gehen unermüdlich weiter. Die Bahn lässt sich jedoch nicht lumpen und entwickelt daraus ein Geschäftsmodell. Für 26,50 Euro die Stunde kann nun jeder Interessierte den tobenden Demonstrationen zusehen – aus sicherer Entfernung oder gegen einen Aufschlag auch hautnah aus einem gepanzerten Fahrzeug heraus. Bahnangestellte sorgen hierbei stets dafür, dass die Proteste nicht zum Erliegen kommen und erst recht nicht friedlich verlaufen, damit sich das Geld auch wirklich lohnt. Pressemitteilungen, in denen erwähnt wird, dass das Bahnprojekt schon wieder teurer geworden ist oder angezettelte Handgreiflichkeiten garantieren dabei ein florierendes Geschäft. Kunden können gegen Aufpreis sogar selbst eine Bierflasche (ist im Preis inbegriffen, auf Wunsch auch alkoholfrei) nach den Demonstranten werfen und an jedem ersten Samstag im Monat zudem ganze fünf Minuten lang den Wasserwerfer der Polizei bedienen.

Mai

Die Popularität von Karl Theodor zu Guttenberg erreicht neue Dimensionen. Nachdem mehrere Augenzeugen behaupten, sie hätten zu Guttenberg über die Isar laufen gesehen, wird der Verteidigungsminister auch außerhalb Bayerns und der Bildzeitungsredaktion als neuer Messias verehrt. Nur zwei Wochen später ist bereits die erste Guttenberg-Kirche in Planung und schon am Ende des Jahres ist der Guttismus eine eingetragene Religionsgemeinschaft mit über 900.000 bekennenden Anhängern.

In den Zügen der Bahn funktionieren die Heizungen wieder.

Juni

Bei der Frauenfußball-WM dominieren die vollverschleierten Spielerinnen aus Pakistan, die am Ende auch das Turnier gewinnen. Schnell kursieren deshalb Gerüchte, dass unter den Burkas Männer gespielt hätten. Offiziell wird dieser Verdacht jedoch auf Druck verschiedener Feministinnenvereine nicht näher untersucht. Hätten nämlich tatsächlich Männer die Frauen-WM gewonnen, würde schließlich bewiesen werden, dass Männer die besseren Fußballer wären.

In den Zügen der Bahn fallen die Klimaanlagen aus.

Juli

Der Juli bringt auch dieses Jahr wieder heiße Temperaturen mit sich, was jedoch besonders bei Bahnkunden für gemischte Gefühle sorgt, immerhin hatten im letzten Sommer dutzende Fahrgäste regelmäßig das Gefühl eher in einer Sauna statt in einem Zug zu sitzen. Damit solche Katastrophen sich nicht mehr wiederholen, bringt die Bahn nun die ersten Cabrio-Züge in den Verkehr. Bahnchef Grube: „Sicherlich wird der eine oder andere Passagier während des Toilettengangs vom Fahrtwind weggeweht werden, aber das ist immer noch besser als bei lebendigem Leibe gegart zu werden.“

August

Jungautorin Helene Hegemann gibt ihr Comeback bekannt. Nachdem sich die 18-Jährige letztes Jahr Plagiatsvorwürfe gefallen lassen musste, möchte sie nun mit einer persönlichen Autobiografie endlich wieder den Anschluss finden. Nur drei Wochen später muss sie ihre Comebackpläne allerdings wieder absagen, da sie trotz intensiver Recherche kein Internetblog finden konnte, das über ihre Kindheit schreibt.

Um mit der Eintönigkeit zu brechen, wird das Sommerloch in diesem Jahr auf den Herbst verschoben.

September

Der Papst darf bei seiner Deutschlandreise vor dem Bundestag sprechen. Der Besuch nimmt eine unerwartete und für mehrere Beteiligte skandalöse Wendung, als der Papst plötzlich von seiner Rede abweicht. Im Angesicht des vollen Plenarsaals hält er lange inne, lässt die Blicke durch die Abgeordnetenreihen schweifen und sagt kopfschüttelnd, dass die Entscheidung Kondome zu erlauben absolut richtig war, da – wie er vor sich sieht – manche Menschen lieber keine Kinder in die Welt setzen sollten.

Die Cabrio-Züge sind ein großer Erfolg. Daher beschließt die Bahn, die Züge bis zum nächsten Sommer durchgehend in Betrieb zu halten. Dann könne sich auch niemand mehr über defekte Heizungen beschweren.

Oktober

Steuererleichterungen für die Energiekonzerne führen erneut zu heftigen Antiatomprotesten. Dies verleitet Angela Merkel schließlich dazu, offen zu den Lobbyismus-Vorwürfen Stellung zu nehmen: „Unsere Politik beruht auf Entscheidungen, die dem Wohl des Deutschen Volkes zu Gute kommen. Wenn wir Lobbyismus betreiben würden, hätte uns die Anti-Atomlobby längst dazu gebracht, dass wir alle AKWs sofort abschalten. Das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall. Sie sehen also, die Bundesregierung ist nicht käuflich.“

November

Das Sommer-, pardon, Herbstloch wird dominiert von banalen Meldungen über UFOs, peinliche Sexunfälle, Hitler und Westerwelles tödlichem Fallschirmunfall.

Dezember

Das Jahr 2012 steht vor der Tür. Und damit endlich auch der langersehnte Weltuntergang. Da sie nichts mehr zu verlieren haben, beschließen daher nahezu alle Menschen sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Viele möchten damit aber auch lediglich ihren Tod selbst in die Hand nehmen, wofür der gefährliche Impfstoff nachwievor perfekt geeignet ist.

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Sie wollen noch mehr über das neue Jahr wissen? Kein Problem. Denn wie Sie weiter oben, ungeduldig wie Sie sind, erfolgreich übersehen haben, werfen auch Sashs Blog und Berlin:Street einen satirischen Blick in die Zukunft, um Ihnen die nächsten zwölf Monate so richtig zu verderben schmackhaft zu machen. Viel Vergnügen! Los!

Noch mehr Silvester : Achtung: Rutschgefahr! Der satirische Jahreswechsel. Angela Merkels Neujahrsansprache zum selbermachen.

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